BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
Bildrechte: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Seit einem Jahr befinden sich Bayerns Schulen im Corona-Betrieb. Präsenzunterricht im Klassenzimmer war in dieser Zeit eher die Ausnahme.

4
Per Mail sharen

    Mebis, Maske, Lockdown: Das Corona-Jahr an Bayerns Schulen

    Unverhofft Corona-Ferien! Viele Kinder konnten ihr Glück kaum fassen, als sich heute vor genau einem Jahr pandemiebedingt die Schultore schlossen. Doch die Freude währte nur kurz. Es folgten Homeschooling, Mebis-Crash und Schulgipfel. Ein Rückblick.

    4
    Per Mail sharen
    Von
    • Ortrun Huber

    Man könnte direkt abergläubisch werden. Es ist März 2020, Freitag, der 13., als Ministerpräsident Markus Söder verkündete:

    "Ab kommenden Montag werden die Schulen, Kitas und Kindergärten geschlossen. Das Ganze gilt jetzt vorläufig bis zum Ende der Osterferien." Markus Söder

    Frühjahr 2020: Corona-Ferien – und dann…?

    Fünf Wochen coronafrei! Viele Schülerinnen und Schüler sind erst einmal begeistert. Die paar Arbeitsblätter, die manchen noch via E-Mail vor den Osterferien erreichen, lassen sich recht gut ignorieren. Die bayerische Lernplattform Mebis ist aufgrund der plötzlich hohen Zugriffsrate komplett überlastet. Den meisten Eltern schwant nichts Gutes. Doch die bayerische Staatsregierung verspricht Eltern und Schülern, dass es – egal in welcher Jahrgangsstufe – durch den neuen Corona-Modus keine Nachteile geben soll.

    Mebis macht Schwierigkeiten

    Die Lernplattform Mebis, die am ersten Tag nach den Osterferien wegen eines Hackerangriffs ausfällt, ist auch danach schwer erreichbar, da das System dem plötzlichen Zugriff von Hunderttausenden Schülern und Lehrern nicht gewachsen ist. Eigentlich sollen über die Online-Plattform Mebis die bayerischen Schüler von ihren Lehrern mit Lehrmaterial versorgt werden. Doch die Lernplattform kollabiert ständig. Das Kultusministerium lässt ausrichten: Man arbeite an der Optimierung der Systeme. Im Laufe der Zeit greifen viele Schulen auf andere Video-Tools wie Teams oder Zoom zurück. Auch E-Mail und Elternportale werden von den Schulen genutzt.

    Schönes und Unschönes wird gestrichen

    Alles, was Schule schön macht, wird gestrichen. Schulfeste, Schüleraustausch, Klassenfahrten, Ausflüge und Skifreizeiten sind bis auf Weiteres nicht mehr durchführbar. Ende April dämpft Kultusminister Piazolo die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in den Alltag.

    "Es wird bis zum Sommer keine Normalität an den Schulen geben, wie wir sie kennen." Kultusminister Michael Piazolo

    Für die Schüler gibt es aber auch Erleichterungen. Bis zum Schuljahresende müssen keine schriftlichen Schulaufgaben mehr geschrieben werden. Die Noten werden laut Kultusministerium aus den bisher erbrachten Leistungen gewonnen.

    Langsame Rückkehr

    Am 27. April kehren die Schüler der Abschlussklassen aus dem ersten Schul-Lockdown zurück. Nach und nach folgen weitere Jahrgänge. Eine Maskenpflicht gibt es nicht.

    Hygienemaßnahmen an Schulen

    In den Schulen erarbeiten die Schulleitungs-Teams umfassende Regelwerke, um die Hygienemaßnahmen an den Schulen auch im Präsenzbetrieb einzuhalten: Regeln fürs Händewaschen, Lüften, Maskentragen werden kommuniziert, Laufwege im Schulhaus an Wänden und Boden markiert, Desinfektionsmitteln bereitgestellt, der Schulhof mit Flatterband in Pausenzonen unterteilt.

    Abschlussprüfungen 2020 verschieben sich

    Für die bayerischen Abiturienten heißt es zunächst: geduldig bleiben. Das Abitur 2020 findet in diesem Jahr drei Wochen später, ab 20. Mai, statt. Auch die Abschlussprüfungen für Mittelschulen, Realschulen und Wirtschaftsschulen beginnen später.

    Präsenzunterricht für alle Schüler

    Nach den Pfingstferien treten weitere Lockerungen in Kraft und die letzten Jahrgangsstufen dürfen zurück. Eine Woche Unterricht in der Schule, dann eine Woche zu Hause heißt das Wechselmodell. Für die ersten beginnt der Präsenzunterricht am 15. Juni. Der Sportunterricht fällt aus.

    Abitur fällt besser als 2019 aus

    Trotz Corona fällt das bayerische Abitur besser als im letzten Jahr aus. Schulpflicht im Wechselunterricht gilt für alle anderen Schüler trotz Corona bis zum letzten Schultag, dem 24. Juli. Egal, ob Homeschooling oder Präsenzunterricht, alle erhalten ihr Jahreszeugnis persönlich in der Schule.

    Nach den Sommerferien: Präsenzunterricht und Maskenpflicht

    Nach den Sommerferien strömen am 8. September alle Schüler wieder zeitgleich in die Schulhäuser. Um den Unterricht im Schuljahr 2020/21 sicherzustellen, wurden laut Kultusminister Michael Piazolo 4.600 neue Lehrkräfte eingestellt. Zusätzlich sollen 800 sogenannte Team-Lehrer, also Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium, eingesetzt werden, um Lehrkräfte, die wegen Vorerkrankungen nicht in die Schule kommen können, im Klassenzimmer zu ergänzen.

    Neuer Rahmen-Hygieneplan

    Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat das Kultusministerium einen "Rahmen-Hygieneplan" ausgearbeitet, der stolze 30 Seiten umfasst. Geregelt werden darin unter anderem die Maskenpflicht auf dem Schulgelände und im Unterricht, Vorgaben fürs Lüften, zur Einhaltung des Mindestabstands und zum Händewaschen. Auch der Umgang mit Corona-Verdachtsfällen und ein Drei-Stufen-Plan bei steigendem Infektionsgeschehen werden thematisiert.

    Schüler und Lehrer wieder in Quarantäne

    Schon in der ersten Woche des neuen Schuljahrs müssen sich die ersten Schüler und Lehrkräfte in Bayern in Quarantäne begeben. Coronabedingt werden auch ganze Klassen in Quarantäne geschickt und es kommt immer wieder zu Schulschließungen.

    Notendruck wegen Furcht vor Lockdown

    Aufgrund schwankender Infektionszahlen ist das Geschehen an den Schulen schwer planbar. Für Lehrkräfte steigt dadurch der Druck, möglichst früh schriftliche Noten einzuholen. Viele Schüler stöhnen bereits Anfang Oktober über Extemporalen, Kurzarbeiten und Schulaufgaben, die deutlich früher als in den Jahren zuvor geschrieben werden. Der Kultusminister zeigt dafür Verständnis und meint, das werde man nie ganz verhindern können. Der Lehrerverband sieht den Druck auf die Schüler als ein grundsätzliches Problem im bayerische Schulsystem.

    Warme Kleidung und CO2-Ampeln in den Klassenzimmer

    Der Herbst bringt die ersten Regenschauer und stürmische Kälte. Wegen des Lüftungsgebots in den Klassenzimmern gehören zunehmend Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler. Neben warmer Kleidung halten in den Klassenzimmern auch die ersten CO2-Ampeln Einzug: Anfang Oktober kündigt die Staatsregierung an, 37 Millionen Euro für mobile Luftreinigungsgeräte und CO2-Ampeln in Schulen zur Verfügung zu stellen.

    Harsche Kritik an Piazolo: Corona-Schulalltag zunehmen belastend

    Der Präsenzunterricht an den Schulen wird unter Corona-Bedingungen immer mehr zur Belastung. In einem offenen Brief bemängeln Schülervertreter in Bayern das "digitale Chaos", die "Notenjagd", "überfüllte öffentliche Verkehrsmittel" und den unzureichenden Einsatz von Luftfilteranlagen. Zudem fordern die Schülervertreter, die Ende 2020 auslaufende Lizenz der virtuellen Besprechungsplattform Teams zu verlängern. Auch von Elternseite kommt es in einem Brandbrief an Kultusminister Piazolo zu heftiger Kritik.

    Unklarheit bei Schulschließungen

    Obwohl der Inzidenzwert in ganz Bayern über 50 liegt – in manchen Landkreisen sogar um ein Vielfaches –, gibt es Anfang November in so gut wie allen Schulen Präsenzunterricht. Lehrerverbände fordern klare Aussagen in der Frage, wann der Distanzunterricht kommt.

    "Man muss sich fragen, ob man noch die richtige Strategie verfolgt mit einem Stufenplan und Grenzwerten von 35 oder 50, die in der Realität aktuell um ein Mehrfaches übertroffen werden." Michael Schwägerl, Präsident Bayerischen Philologenverband

    Auch Jürgen Böhm, Vorsitzender des bayerischen Realschullehrerverbands, fordert deshalb Grenzwerte, die verbindlich sind.

    Schulgipfel: Drei-Stufen-Plan außer Kraft

    Am 4. November treffen sich Ministerpräsident Söder, Kultusminister Piazolo sowie Vertreter von Schülern, Lehrern und Eltern zum Schulgipfel. Einig ist man sich, dass die Schulen in Bayern möglichst lange offenbleiben sollen. Künftig soll erst dann auf Präsenzunterricht verzichtet werden, wenn ein Infektionsgeschehen an der Schule stattfindet. Der bisherige Drei-Stufen Plan der Staatsregierung für Bayerns Schulen ist damit praktisch ad acta gelegt.

    Schulen bleiben im Teil-Lockdown offen

    Am 2. November geht Deutschland in den Teil-Lockdown, doch die Schulen in Bayern bleiben auch nach den Herbstferien geöffnet. Dafür müssen nun überall, auch in den Grundschulen und im Sportunterricht, Masken getragen werden. Singen ist untersagt, es gibt mehr Aushilfslehrer und einen gemeinsamen Religionsunterricht im Klassenverbund statt nach Konfessionen aufgeteilt. Ob eine Schule geöffnet bleiben kann, entscheiden künftig die Gesundheitsämter vor Ort.

    Digitaler Unterricht: Schulen unterschiedlich gut vorbereitet

    Mitte November steigen die Corona-Infektionen und auch an den Schulen wird klar, dass ein Wechsel ins Homeschooling bald wieder ansteht. Doch noch immer sind nicht alle Schule auf Wechselunterricht technisch gut vorbereitet. Zwar sind die meisten Schüler, wenn nötig, mit Leihgeräten versorgt. Doch bei den Dienstgeräten hapert es noch. Viele Lehrkräfte müssen nach wie vor ihre Privatgeräte im Unterricht nutzen. Und auch die Internetversorgung an den Schulen bleibt schwierig: In 10.000 bayerischen Klassenzimmern gibt es nach wie vor kein Internet. Ein Drittel aller Schulen besitzt kein WLAN und 36 Prozent der Schulen können keine digitalen Endgeräte für Homeschooling bereitstellen.

    Wechselunterricht geht wieder los

    Damit an den Schulen die Kontakte wieder deutlich reduziert werden, beginnt am 9. Dezember für Schüler ab der 8. Klasse in Bayern wieder der Wechselunterricht - in Hotspots gibt es gar keinen Präsenzunterricht mehr. Nur Abschlussjahrgänge sind davon ausgenommen.

    Weihnachtsferien starten in Bayern früher

    Bayern zieht wegen Corona die Weihnachtsferien vor: Statt am 23. Dezember beginnen sie schon am 18. Dezember, damit in der fast einwöchige Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten das Infektionsrisiko gesenkt wird. Eltern, die ihren Jahresurlaub schon aufgebraucht haben, können wieder eine Notbetreuung für ihre Kinder (Jahrgangsstufe eins bis sechs) beantragen.

    Lockdown: Verwirrung um "Distanzlernen"

    Am 18. Dezember ist es wieder soweit: Die Schulen machen dicht. Nur für alle Abschlussklassen sowie die Q11 des Gymnasiums gebe es weiterhin einen "verpflichtenden Distanzunterricht". Für alle Schüler seien laut Kultusminister Piazolo "Angebote zum Distanzlernen" geplant. Dabei gehe es vorwiegend um eigenständiges Wiederholen, Üben und Vertiefen. Unterricht sei nicht geplant. Diese Wortwahl sorgt für Verwirrung. Zum Lockdown-Start fällt die Lernplattform Mebis allerdings wieder aus.

    Lernplattform: Mebis soll nach den Ferien besser funktionieren

    Nach den diversen Zusammenbrüchen der Lernplattform Mebis wird das System in den Weihnachtsferien unter Volllast getestet, damit es im neuen Jahr besser funktioniert - was es dann auch tut.

    Schulstart ins Home-Schooling

    Nach den Ferien ist vor dem Lockdown: Am 11. Januar gehen die bayerischen Schüler wieder in den Unterricht – zu Hause. Das Homeschooling wird die Schulfamilie bis Mitte März begleiten. Zur Entlastung kann die vorgegebene Zahl der Schulaufgaben in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn reduziert werden. Die Lehrkräfte erhalten dafür mehr Spielraum und müssen nicht im zweiten Halbjahr alle Leistungsnachweise nachholen.

    Abitur und Abschlussprüfungen wieder verschoben

    Die Prüfungen der Abschlussklassen werden verschoben - an Gymnasien, Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen um zwei, an den Fachoberschulen und Berufsoberschulen sogar um gut drei Wochen. Die Zahl der Schulaufgaben im zweiten Halbjahr wird - nach Schülerprotesten - reduziert. Das Problem: Den Abschlussschülern machen nicht nur die Motivation, sondern auch Wissenslücken zu schaffen. Denn die Lücken des ersten Lockdowns sind noch nicht überwunden. Damit die nicht noch größer werden, gibt es für Abiturienten und Berufsschüler im Abschlussjahr ab 1. Februar wieder Wechselunterricht - den die Schüler allerdings zum Teil gar nicht wollen und dagegen protestieren. Sie bevorzugen den Online-Unterricht zu Hause.

    Test- und Maskenkonzept für Schulen und Kitas

    Die Staatsregierung beschließt Anfang Februar ein Testkonzept für Schulen und Kitas. Sobald Selbsttests zur Verfügung stehen, soll das Personal und auch Kinder an Schulen und Kitas mit Selbsttests für zwei freiwillige Testungen pro Woche ausgestattet werden. Umgesetzt wird dies - allerdings schleppend - erst einen Monat später. Mitte März sind in vielen Schulen noch keine Tests angekommen.

    Distanzunterricht belastet Schulfamilie

    Der wochenlange Distanzunterricht zehrt an den Kräften von Lehrkräften, Eltern und Schülern. Trotzdem bleiben die Schulen im Februar geschlossen. Betroffene sorgen sich um Lernfortschritt, Bildungsgerechtigkeit und die Psyche der Kinder. Wissenschaftler wie der Augsburger Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer warnen vor einer Bildungskatastrophe.

    Debatte um ausgefallene Faschingsferien

    Um versäumten Unterricht nachzuholen, hat die bayerische Staatsregierung die Faschingsferien gestrichen. Dagegen gibt es Proteste von Schülern und Eltern. Auch Verbände, Gewerkschaften und auch die Opposition im Landtag fordern – erfolglos den Erhalt der Ferien.

    Grundschüler dürfen wieder in den Unterricht

    Ab dem 22. Februar wird für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschule und der Förderschule sowie für alle Abschlussklassen Wechselunterricht oder Präsenzunterricht mit Mindestabstand zugelassen. Für die übrigen Klassen und Jahrgangsstufen sowie Schularten bleibt es beim Distanzunterricht.

    Verspätete Zwischenzeugnisse

    Am 5. März gibt es an vielen bayerischen Schulen Zwischenzeugnisse – wegen der Schulschließungen drei Wochen später als geplant. Viele Schüler waren allerdings die letzten Wochen und Monate im Distanzunterricht. Der Leistungsstand bei vielen Kindern ist schwer zu ermitteln, zumal nur mündliche Noten erhoben werden konnten.

    Schulen und Kitas: Bayern will "Impfturbo" einschalten

    Lehrkräfte und Personal in Kitas sollen so schnell wie möglich geimpft werden. Allerdings hapert es Ende Februar noch bei der Terminvergabe. Vereinzelt haben Landkreise aber bereits selbst die Initiative übernommen. Die Impfpriorisierung gilt übrigens nicht nur für pädagogisches Personal, sondern für alle in Schule und Kitas Beschäftigten, also zum Beispiel auch für Hausmeister oder Bürokräfte.

    Wieder Präsenzunterricht an Bayerns Schulen

    Am 15. März – genau ein Jahr nach dem ersten Schul-Lockdown – dürfen die meisten Schüler wieder zurück in den Unterricht. Manche Schüler haben die Schule seit elf Wochen nicht mehr von innen gesehen. Doch wegen fehlender Schnelltests, mangelnder Strategien für den Umgang mit positiven Corona-Befunden und der geringen Zeit für schwächere Kinder und Jugendliche schlagen Bayerns Lehrerverbände und Gewerkschaften Alarm. Wissenschaftler befürchten, dass aufgrund der zunehmenden Inzidenzwerte die Schulen sehr bald wieder schließen müssen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!