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Masern: Kommt die Impfpflicht? | BR24

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Das Bundeskabinett hat die Einführung einer Masern-Impfpflicht beschlossen.

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Masern: Kommt die Impfpflicht?

Masern gehören zu den Infektionskrankheiten, die besonders ansteckend sind. Viele Kleinkinder in Deutschland sind jedoch nicht geimpft. Bundesgesundheitsminister Spahn will deshalb eine Impfpflicht einführen – der Deutsche Ethikrat ist dagegen.

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Das Baby Felix sitzt auf dem Schoß seiner Mutter und schreit. Der Kinderarzt hat Felix gerade zwei Pikser in den Oberschenkel verpasst, was dem Baby gar nicht gefällt. Aber die Impfungen sollen es schützen. Unter anderem gegen Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Pneumokokken. Erkrankungen, an denen Kinder früher reihenweise gestorben seien, sagt der Kinderarzt Oliver Michael. Er praktiziert in Murnau, einer oberbayerischen Gemeinde, die als eine Hochburg der Impfgegner gilt.

Herdenimmunität erst bei Impfquote von 95 Prozent

Dass Eltern nicht hellauf begeistert sind, wenn der Impftermin ansteht, kann Oliver Michael sogar verstehen. "Impfen ist ja nicht nur, ich gebe Kochsalz in ein Kind hinein, sondern ich setze einen Reiz, ich habe Reaktionen, ich habe Fieber", sagt der Kinderarzt. "Ich habe Rötungen, Schwellungen der Impfstelle. Sowas ist etwas, was gerade für die Eltern, die sich um die Kinder sorgen, nicht so nett ist." Nicht nett, aber eben wichtig, um sich selbst und andere zu schützen. Denn noch immer werden in Deutschland nicht genug Kinder geimpft, um gegen Masern eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.

Erst dann wären auch die geschützt, die sich nicht impfen lassen können, zum Beispiel weil sie krank oder noch zu jung dafür sind. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will deshalb, dass die Impfung gegen Masern verpflichtend wird. "Das ist sehr dringlich, gerade Masern ist höchst ansteckend," sagt Spahn. "Schon wenn einer im Raum hustet, können sich zehn Mitarbeiter anstecken. Und es kann einen sehr gefährlichen Verlauf nehmen. Bis hin eben zur Lungenentzündung, Gehirnentzündung, in seltenen Fällen – aber es kommt auch in Deutschland vor – bis zum Tod. Und es ist leicht vermeidbar."

Spahn will Impfpflicht – Ethikrat ist dagegen

Spahns Gesetzentwurf sieht vor, dass Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen, geimpft sein müssen. Gleiches gilt für Erzieher, Lehrer, medizinisches Personal und Asylbewerber, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Ansonsten drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 2.500 Euro. Peter Dabrock vom Deutschen Ethikrat geht eine generelle Impfpflicht gegen Masern zu weit, er befürchtet sogar negative Auswirkungen. "Das gut gemeinte Ziel mit der Brechstange verwirklichen zu wollen, wird nicht erfolgreich sein", sagt Dabrock. Aus seiner Sicht besteht sogar die Gefahr, die "gegenwärtig recht hohe Impfquote in Deutschland zu gefährden".

Laut Robert-Koch-Institut waren zuletzt 92,8 Prozent der Schulanfänger ausreichend gegen Masern geschützt. Dafür sind zwei Impfungen nötig. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten mindestens 95 Prozent geimpft sein. Der Deutsche Ethikrat empfiehlt mehr Beratung und Impfaktionen in Kitas und Schulen, damit die Impfquote besser wird.

Kinderarzt versucht, Eltern zu überzeugen

Auch Kinderarzt Oliver Michael ist skeptisch gegenüber einer Impfpflicht. Es kommt vor, dass Eltern in seine Praxis kommen und unsicher sind. Dann versucht er jetzt schon, ihnen durch intensive Beratung die Angst zu nehmen. "Und am Ende sagen viele: Ja, habe ich mir jetzt schlimmer vorgestellt als es war. Gut, dass wir den Weg so gegangen sind," sagt der Kinderarzt.

Falls die Impfpflicht kommt, wie sie das Bundeskabinett im Juli beschlossen hat, will der Kinderarzt weiter versuchen, Impfkritiker durch Beratung zu überzeugen. Spahns Gesetzentwurf muss allerdings noch der Bundestag zustimmen. In Kraft treten könnte die Masern-Impfpflicht dann im März 2020.