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Lockdown-Studie: Zunahme von Depressionen | BR24

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Bildrechte: dpa/Sina Schuldt

Eine erste Studie bestätigt den Verdacht: In der Corona-Pandemie haben sich Stress und Depressionen tendenziell verschlimmert. Die deutschlandweite Studie mit 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern läuft seit 2014.

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Lockdown-Studie: Zunahme von Depressionen

Bisher waren Wissenschaftler uneins, ob der Lockdown in Deutschland zu mehr Depressionen geführt hat. Jetzt steht eine Studie vor der Veröffentlichung, die auf Vergleichsdaten aus der Zeit vor dem Lockdown zugreifen.

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Von
  • Daniel Knopp

Seit 2014 gibt es in Deutschland eine bundesweite Gesundheitsstudie mit einer Kohorte, also Gruppe, von 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sogenannte Nako-Studio. Nako ist die Abkürzung für Nationale Kohorte. Die Nako-Studie ist die einzige deutschlandweite Kohortenstudie, in der aktuelle Daten zur Gesundheit in Deutschland unmittelbar vor und zu Beginn der Corona-Pandemie vorliegen. Damit biete die Nako-Studie eine ideale Ausgangsbasis, um die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung zu untersuchen, erklärt die Leiterin der Studie, Professor Annette Peters vom Helmholtz Zentrum München.

Veränderungen in der mentalen Gesundheit

"Wir sind gerade dabei, diese Studie auszuwerten. Aber es zeichnet sich ab, dass wir Veränderungen in der mentalen Gesundheit sehen", fasst die Studienleiterin zusammen. Der Stresslevel steige, aber auch die Häufigkeit von depressiven Symptomen, als auch von Angst, nehme in der Pandemie zu.

Die Studienteilnehmer im Alter zwischen 20 und 70 Jahren seien in regelmäßigen Abständen immer wieder nach ihrer Befindlichkeit befragt worden, berichtet die Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München und Nako-Vorstandsvorsitzende, Annette Peters. Als nächstes will die Professorin die Ursachen für die gesundheitlichen Veränderungen im Lockdown untersuchen. Schon jetzt sei aber klar, dass man in einer Lockdownphase im Gesundheitsbereich mehr präventive Angebote etablieren müsse.

Göttinger Angstforscher: "Keine Zunahme von psychischen Erkrankungen"

Einen anderen Eindruck hat dagegen Borwin Bandelow. Der Göttinger Angstforscher ist der Ansicht, dass die meisten Menschen die Corona-Pandemie psychisch gut bewältigen. "Menschen sind extrem belastbar und anpassungsfähig", sagt Bandelow. Auch wenn die Zahlen weiter stiegen und es noch schlimmer komme, könnten die Menschen das kompensieren. "Egal wohin wir schauen, ob in die Kliniken, die Angstambulanzen oder die Arztpraxen, wir sehen keine deutliche Zunahme von psychischen Erkrankungen."

Verhalten während Corona-Pandemie nach klassischem Muster

Das Verhalten der Menschen während der Corona-Pandemie verläuft dem Psychiater zufolge nach einem klassischen Muster. Die starke Verunsicherung und Angst am Anfang der Pandemie habe sich in eine mehr oder weniger realistische Einschätzung der Gefahr gewandelt.

"Sie haben sich in den vergangenen Monaten an die Gefahr, die von dem Coronavirus ausgeht, herangetastet und sich ihr eigenes Risikoprofil erarbeitet - und hören demzufolge weniger auf Ratschläge von anderen", sagt der Angstforscher. Die Menschen dächten an die vielen Gefahren, die sie schon überstanden hätten und schätzten es jetzt so ein, dass sie Corona auch überleben werden.

Ältere nehmen Risiko weniger ernst

Die individuelle Risikowahrnehmung entspreche dabei nicht unbedingt sachlichen Kriterien. So nähmen beispielsweise ältere Menschen ihr erhöhtes Risiko zum Teil nicht ernst. Je länger die Pandemie andauere, desto mehr stelle sich bei Menschen, die sich bisher nicht angesteckt haben, zudem das Gefühl ein, dass das eigene Risiko nicht so groß sei, so der Ehrenvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Angstforschung und Göttinger Psychiater, Borwin Bandelow.

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