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Symbolbild: Lockdown

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    Lockdown? Shutdown? Welcher Begriff passt zu Corona-Maßnahmen?

    Im Alltag hat sich mittlerweile der Begriff "Lockdown" für verschiedene Corona-Maßnahmen etabliert. Mit Blick auf die neuen Beschlüsse sprechen wir meist von "teilweisem Lockdown". Eine Hilfestellung zur Begriffsdiskussion.

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    Von
    • Georg Wolf

    Die Corona-Pandemie stellt die Menschen in allen Lebensbereichen vor immer neue Herausforderungen. Bei BR24 versuchen wir so klar und präzise wie möglich zu kommunizieren. Verständliche Sprache ist gerade dann wichtig, wenn es um Regeln geht, die im Zweifel Auswirkungen auf Alltag und Gesundheit haben. Aber auch die politischen Diskussionen müssen nachvollziehbar erklärt und eingeordnet werden.

    Der Trend geht dabei zu Anglizismen. Meistens liege das daran, dass es im Deutschen kein "gutes" Wort für einen Sachverhalt gebe, sagt Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in einem Interview mit dem SWR. Man denke ans "Home-Office" oder ans "Home-Schooling". Bereits im April erläuterte die Sprachwissenschaftlerin in einem Aufsatz die im Zusammenhang mit der Corona-Krise aufkommenden englischen Begriffe "Shutdown" und "Lockdown" und ihre Übersetzung ins Deutsche.

    Der "Shutdown"

    Das englische "Shutdown" als Substantiv verwendet, bedeutet "the closing of a factory, shop, or other business, either for a short time or for ever", also die Schließung einer Fabrik, eines Geschäftes oder anderer Unternehmen, entweder für kurze Zeit oder für immer. Das englische Wort "shutdown" sei eigentlich ein Verb, so Klosa-Kückelhaus im Mai im SWR. Es bedeute "abschalten" oder "herunterfahren". Nun werde der Begriff auf das gesellschaftliche Leben übertragen, welches quasi stillgelegt werde.

    In Medienberichten vergangener Jahre tauchte das Wort "Shutdown" vor allem auf, wenn im US-Senat keine Einigung über Haushaltsgespräche getroffen werden konnte. Wegen der daraus resultierenden Haushaltssperre mussten öffentliche Behörden schließen und Regierungsbedienstete in den unbezahlten Zwangsurlaub treten oder ohne Gehalt weiterarbeiten.

    Im Laufe der Corona-Pandemie wurde der Begriff "Shutdown" in deutschen Medien immer weniger verwendet. Bei BR24 nutzen wir ihn in der Regel nicht mehr, weil die Bedeutung zu wenigen auf Anhieb klar ist.

    Der "Lockdown"

    Vom "Shutdown" klar abzugrenzen ist laut Klosa-Kückelhaus der "Lockdown". Dabei handele es sich im englischen Original um das Inkrafttreten bestimmter Sicherheitsmaßnahmen im Falle eines Attentats oder eines Amoklaufes. Mithilfe dieser Sicherheitsmaßnahmen werden bestimmte Zonen abgeriegelt, sodass die Bevölkerung sich dort nicht mehr frei bewegen könne.

    Solche allumfänglichen Einschränkungen gab es in Deutschland im Frühjahr nicht. Beispielsweise durfte man zum Sportreiben jederzeit das Haus verlassen. Gewisse Orte wie Sport- und Spielplätze waren aber abgesperrt.

    Im Vergleich zu anderen Ländern waren die Einschränkungen in Deutschland weniger streng. In Italien durfte man phasenweise nur noch das Haus verlassen, wenn die Anwesenheit bei der Arbeit wichtig war, zum Einkaufen, für Arztbesuche oder für die Hilfe alter oder kranker Verwandter. Der Lockdown in China war noch deutlich drastischer.

    Wie sich der Begriff "Lockdown" etablierte

    Im Frühjahr wurde zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland zunächst nicht von einem Lockdown gesprochen, sondern von großflächigen Einschränkungen. Erst retrospektiv in den folgenden Monaten war in den öffentlichen Debatten verkürzend von einem "Lockdown" die Rede.

    Dabei fällt allerdings auf, dass in der Bundespolitik die Verwendung des Begriffs "Lockdown" zumeist vermieden wird. Auch im schriftlichen Beschluss von Bund und Ländern vom 28. Oktober fällt der Begriff im Hauptteil kein einziges Mal. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verwendete ihn auf der Pressekonferenz lediglich in einem Nebensatz. In seiner Regierungserklärung vom 29.10. sprach er dann aber explizit von einem "Lockdown Light".

    "Ausgangsbeschränkungen"?

    Im Landkreis Rottal-Inn und im Landkreis Berchtesgadener Land gelten derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen wieder Ausgangsbeschränkungen. Als die Maßnahmen verkündet wurden, berieten wir in der BR24-Redaktion, ob der Begriff "Ausgangsbeschränkungen" besser passe als "Lockdown". Bei BR24 erschien uns der Begriff die Situation nicht ausreichend zu beschreiben, schließlich sind auch Schulen und andere Einrichtungen dort vollständig geschlossen.

    Andererseits ist die Bewegungsfreiheit der Menschen aber nicht komplett eingeschränkt. Daher sprachen wir im Blick auf die beiden Landkreise – wo es möglich war – vom "teilweisen Lockdown" – und ordneten die Maßnahmen im Text umfassend ein.

    Warum wir bei BR24 vom "Teil-Lockdown" sprechen

    Nach dem neuen Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung vom 28. Oktober scheint die Verwendung von "Lockdown" für Teilbereiche wie etwa die Kultur legitim, schließlich müssen dort zunächst ab Montag alle Einrichtungen den November über geschlossen bleiben. Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten bleiben aber geöffnet, in der Gastronomie darf man sich Speisen mitnehmen.

    Auf die kompletten Corona-Maßnahmen bezogen sprechen wir bei BR24 deshalb ebenfalls von einem "teilweisen Lockdown", "Teil-Lockdown", "weitgehenden Beschränkungen" oder "deutlichen Verschärfungen der Maßnahmen", versuchen aber auch hier diese Wendungen in unseren Texten weiter zu erläutern. Andere Begriffe wie "Lockdown Light" verwenden wir nur in Zitaten.

    Was denken Sie, wie könnten wir noch verständlicher kommunizieren? Wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben oder Fragen – Schreiben Sie uns gerne an feedback@br.24.de

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