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Israels Raumsonde bei Landeanflug auf den Mond zerschellt | BR24

© SpaceIL

Am 11. April sollte Israels Sonde Beresheet auf dem Mond landen. Hier eine Illustration die vorher erstellt wurde.

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Israels Raumsonde bei Landeanflug auf den Mond zerschellt

Die Hoffnungen waren riesig - und die Enttäuschung ist umso größer. Israel wollte als viertes Land der Welt auf dem Mond landen. Doch beim Landemanöver von "Beresheet" kam es zu einem technischen Fehler. Die Sonde zerbrach.

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Die geplante Landung der israelischen Raumsonde "Beresheet" auf dem Mond ist am Ende gescheitert. "Es gab einen Defekt in dem Raumschiff" gab Ofer Doron von Israel Aerospace Industries (IAI) am Donnerstagabend bekannt. Demnach war, so die israelische Non-Profit-Organisation SpaceIL, Betreiberin der Sonde, ein wichtiger Motor von "Beresheet" beim Landemanöver ausgefallen. Die Kommunikation mit der Sonde brach ab.

Jubel über den 7. Platz in der Umlaufbahn des Mondes

Doch eines bleibt: Israel sei das siebte Land der Welt, dem es gelungen sei, in die Umlaufbahn des Mondes zu gelangen.

Israel hatte gehofft, nach den Großmächten Russland, USA und China, als vierte Nation auf dem Mond zu landen. Es war die erste privat finanzierte Mission dieser Art.

Israel will es bald wieder versuchen auf den Mond zu kommen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er hoffe auf einen neuen Versuch binnen zwei bis drei Jahren. Der israelische Milliardär Morris Kahn, wichtigster Sponsor, sprach von einer "riesigen Errungenschaft" trotz der fehlgeschlagenen Landung. "Wir haben allen Grund, stolz zu sein."

Die Sonde war seit knapp einer Woche um den Erdtrabanten gekreist und hatte dabei mehrere wichtige Manöver gemeistert. Die Landung im Bereich des "Meeres der Heiterkeit", einem Mondmeer, steuerte sie dann vom optimalen Punkt aus an.

Bis dahin schraubte sich die Sonde langsam näher an den Mond heran. Die private Raumfahrtagentur SpaceIL, die diesen Mondflug ausführt, hat live berichtet:

Lange Anreise zum Mond

Gestartet ist die Mondsonde Beresheet bereits am 22. Februar 2019. Sieben Wochen dauerte die Reise, obwohl der Mond nur rund 384.000 Kilometer von der Erde entfernt ist. Aber wie heute üblich, flog die Sonde nicht auf direktem Weg zum Erdtrabanten, sondern schraubte sich in vielen Schleifen um die Erde allmählich in die Nähe seiner Umlaufbahn, um sich dann im richtigen Moment vom Mond einfangen zu lassen.

Fünfzig Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung haben Raumfahrtprogramme weltweit den Mond wieder fest im Visier. Nach den Großmächten USA, Russland und China will Israel als viertes Land mit einer Raumsonde auf dem Mond landen.

Die kleine Mondsonde Beresheet ist nur etwa so groß wie eine Waschmaschine. Die Falcon-9-Rakete, die sie ins All brachte, gehörte zum Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. Die Landung auf dem Mond soll am 11. April stattfinden.

"Dies ist die kleinste Sonde, die jemals für eine Mondlandung entwickelt wurde. Sie ist ungefähr so groß wie ein Couchtisch. Israel ist ein kleines Land - und dies ist ein kleines Raumschiff." Jonathan Weintraub, Mitgründer von SpaceIL

Sanftes Aufsetzen auf der Mondoberfläche

Mit vier Federbeinen und einem Triebwerk an der Unterseite soll der Lander im Mare Serenitatis an einer flachen Stelle sanft auf der Mondoberfläche aufsetzen, wo nur wenige Steine liegen und es keine felsigen Abhänge gibt. Das Mare Serenitatis, das Meer der Heiterkeit, ist von der Erde aus als das dunkle Auge im Gesicht des vermeintlichen Mannes im Mond sichtbar. Wie lange die Sonde funktionstüchtig bleiben wird, ist offen. Denn sie verfügt im Inneren über kein Kühlsystem und wird wohl nach wenigen Tagen überhitzen.

Hebräische Bibel mit an Bord der Mondsonde

Beresheet ist hebräisch und heißt so viel wie Genesis, das erste Buch Mose im Alten Testament. Die Raumsonde hat eine Zeitkapsel an Bord. Darauf sind hunderte digitale Dateien, unter anderem ist auch eine hebräische Bibel auf einem münzgroßen Träger gespeichert. Israel will als vierte Nation, die auf dem Mond landet, "Geschichte schreiben", so drückte es Ido Antebi, Geschäftsführer des israelischen Privat-Unternehmens SpaceIL aus. Mit Beresheet will Israel einen Prototypen für künftige kommerzielle Mondlandungen schaffen. Die unbemannte Raumsonde Beresheet soll eine israelische Flagge auf dem Mond aufstellen. Doch die Sonde hat auch ein wissenschaftliches Ziel.

Beresheet soll Magnetfeld des Mondes untersuchen

Hauptaufgabe wird sein, das Magnetfeld des Mondes zu kartieren. An den Untersuchungen beteiligt ist das Weizmann-Institut in Rechovot. Die bei der Landung übermittelten Messdaten sollen helfen zu verstehen, wie der Mond und sein Magnetfeld entstanden sind.

© dpa-Bildfunk/Tamara Zieve

Knapp 600 Kilogramm Technik für den Mond: Modell der Mondsonde Beresheet

Mondlandung aus privaten Mitteln finanziert

Initiiert wurde das Projekt 2011 als Teil des Wettbewerbs "Google Lunar X-Prize". Doch inzwischen ist es für Israel zu einem nationalen Projekt geworden. Die Kosten für den Bau der Sonde betragen umgerechnet rund 84 Millionen Euro und werden weniger von staatlichen, sondern vor allem von privaten Spendern getragen. Der israelische Milliardär Morris Kahn, der auch Präsident von SpaceIL ist, trägt knapp ein Drittel der Gesamtkosten. Aber auch die israelische Raumfahrtbehörde ISA und Israel Aerospace Industries IAI unterstützen das ambitionierte Projekt.

"Israel tut etwas Großartiges. Nichts ist unmöglich – wir wagen es, zu träumen, und diesen Traum in Wirklichkeit zu verwandeln." Morris Kahn, Präsident von SpaceIL

Einige Daten zu Beresheet

  • Gewicht: 585 Kilogramm
  • Höhe: 1,50 Meter
  • Entfernung Erde-Mond: 384.000 Kilometer
  • Flugstrecke und -dauer zum Mond: 6,5 Millionen Kilometer in sieben Wochen
  • Kosten: 84 Millionen Euro
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Weitere Information zur Verweildauer

© Bayerischer Rundfunk

In der Nacht auf den 22. Februar 2019 startete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida die erste Mondsonde Israels ins All.