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Die wichtigsten Antworten zur Landarztquote in Bayern | BR24

© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die Landarztquote bietet Studieninteressierten in Bayern auch ohne Einser-Abitur die Chance, Hausarzt auf dem Land zu werden.

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    Die wichtigsten Antworten zur Landarztquote in Bayern

    Zum Start des Wintersemesters 2020/21 werden in Bayern Schulabgänger ein Medizinstudium antreten, die nicht über ein Einser-Abitur verfügen. Sie nutzen die neue Landarztquote der Staatsregierung. Wir erklären, wie sie funktioniert.

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    Seit Jahren gibt es in einigen Regionen Bayerns einen Ärztemangel auf dem Land. Um das Problem zu lösen, hat Bayern Ende 2019 die sogenannte Landarztquote beschlossen. Wie sie funktioniert und wirken soll und was ein Landarzt eigentlich macht und verdient.

    Was ist die Landarztquote in Bayern?

    Ab dem Wintersemester 2020/21 werden pro Jahr 5,8 Prozent aller Medizin-Studienplätze an bayerischen Fakultäten an junge Menschen vergeben, die sich ein Arbeitsleben als Landarzt vorstellen können. Das sind rund 110 Plätze pro Jahr. Gedacht ist die Landarztquote für alle jene Bewerber, deren Abiturschnitt aufgrund des hohen Numerus Clausus (NC) für Medizin nicht gut genug wäre, um einen Studienplatz im regulären Zulassungsverfahren zu ergattern.

    Als Gegenleistung müssen sich die angehenden Ärzte verpflichten, in jenen ländlichen Regionen Bayerns zu arbeiten, in denen es zu wenige Mediziner gibt. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit entscheidet, in welchen Regionen die fertigen Ärzte eingesetzt werden.

    Wie kann ich mit Hilfe der Quote Landarzt in Bayern werden?

    Wer Medizin auch ohne ausreichenden NC studieren möchte, muss sein besonderes Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum in einer vertraglichen Verpflichtung festschreiben. Darin muss der künftige Landarzt zusichern, dass er sich nach Abschluss des Studiums als Facharzt für Allgemeinmedizin oder Facharzt für Innere Medizin in Bayern weiterbildet.

    Nach Erwerb des Facharzttitels muss der Mediziner dann in einem unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebiet in Bayern (Bedarfsregion) für zehn Jahre als niedergelassener oder angestellter Arzt arbeiten. Wer sich daran nicht hält und die Bedarfsregion vor Ablauf der zugesagten zehn Jahre verlässt, muss 250.000 Euro Vertragsstrafe zahlen.

    Welche Bedingungen muss man für die Landarztquote erfüllen?

    Für die Zulassung zur Landarztquote gelten andere Kriterien als für das zentrale Zulassungsverfahren zum Medizinstudium, bei dem die Abiturnote auch im neuen Vergabeverfahren immer noch eine wichtige Rolle spielt.

    Stattdessen müssen Abiturienten vielmehr nachweisen, dass sie aufgrund ihres Interesses und ihres Engagements für den Arztberuf besonders geeignet sind. Dies wird in einem zweistufigen Auswahlverfahren geprüft:

    In der ersten Stufe lassen sich maximal 100 Punkte erreichen, indem man folgende Nachweise erbringt:

    In einem zweiten Schritt finden strukturierte und standardisierte Auswahlgespräche statt, zu denen doppelt so viele Bewerberinnen und Bewerber eingeladen werden, wie Studienplätze zu besetzen sind. Allerdings wurde aufgrund der Corona-Pandemie beim ersten Auswahlverfahren zur Landarztquote für das Wintersemester 2020/21 auf diese Auswahlgespräche verzichtet.

    Wo fehlen besonders viele Landärzte in Bayern?

    Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern plant die hausärztliche Versorgung im Freistaat und unterteilt die Regierungsbezirke zu diesem Zweck in Planungsbereiche (PLB). Demnach besteht derzeit (Stand: August 2020) bei Hausärzten eine drohende oder tatsächliche Unterversorgung in 13 Regionen, konkret in Dinkelsbühl, Wassertrüdingen, Scheinfeld und Ansbach Nord in Mittelfranken, in Eggenfelden Nord, Geisenhausen und Landau a. d. Isar in Niederbayern, in Speichersdorf und Neustadt bei Coburg in Oberfranken, in Schweinfurt Süd und Gerolzhofen in Unterfranken, in Tirschenreuth in der Oberpfalz sowie in Donauwörth Nord in Schwaben.

    Wer über die Landarztquote ins Medizinstudium rutscht, für den ist allerdings ungewiss, in welcher bayerischen Region er landen wird. Denn Studium und Facharztweiterbildung dauern insgesamt etwa elf Jahre – welche Bedarfsgebiete für Mediziner dann aktuell sein werden, kann niemand vorhersagen.

    Was macht ein Landarzt genau?

    Wer über die Landarztquote Mediziner wird, verpflichtet sich zu einer Facharztausbildung als Allgemeinmediziner oder Internist, um danach als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten. Der Hausarzt ist für seine Patienten in der Regel der erste Ansprechpartner für alle Gesundheitsprobleme und betreut im ländlichen Raum häufig die ganze Familie. Er übernimmt die Grundversorgung bei körperlichen und seelischen Störungen sowohl in der Akut- als auch in der Langzeitversorgung.

    Der Beruf kann sehr erfüllend, aber auch sehr fordernd sein: Der Kontakt zu den Patienten ist persönlich und nah, viele begleitet der Landarzt über Jahre oder gar Jahrzehnte. Positiv: Es gibt keinen Schichtdienst wie in der Klinik, Notfälle müssen aber auch außerhalb der Sprechzeiten betreut werden. Mitunter gibt es auch Bereitschafts- und Wochenenddienste. Da gerade auf dem Land viele ältere Menschen wohnen, sind für den Landarzt auch entferntere Hausbesuche und mitunter auch die Betreuung von Altenheimen zu absolvieren. Ein Landarzt muss allerdings nicht zwingend in der eigenen Praxis tätig sein, auch ein Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten, beispielsweise in einem Medizinischen Versorgungszentrum, ist möglich.

    Was verdient ein Landarzt im Schnitt?

    Wie viel ein Allgemeinmediziner auf dem Land als Hausarzt verdient, hängt davon ab, ob er selbstständig oder als Angestellter arbeitet. Ist er selbstständig, hängt sein Einkommen wiederum davon ab, wie viele privat versicherte bzw. Kassenpatienten er betreut und welche laufenden Kosten der Praxis zu tilgen sind.

    Das durchschnittliche Monatsgehalt für einen angestellten Facharzt für Allgemeinmedizin in einem Medizinischen Versorgungszentrum orientiert sich in der Regel am Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Hier liegt das Einstiegsgehalt derzeit bei etwa 6.000 Euro brutto, wobei dieser Betrag je nach Arbeitszeit, Berufserfahrung, Anstellung und Region variiert.

    Ein selbstständiger Landarzt kann im Laufe der Zeit auf ein Gehalt von etwa 10.000€ bis 15.000€ pro Monat kommen. Der Jahresüberschuss der Hausärzte (Gesamteinnahmen minus Gesamtaufwendungen je Praxisinhaber) lag nach Angaben des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland im Jahr 2017 durchschnittlich bei 169.000 Euro.

    Wo kann ich mich für die Landarztquote bewerben?

    Alle Informationen rund um die Landarztquote für Medizinstudienplätze in Bayern finden sich auf einer Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter landarztquote.bayern.de

    Das Bewerbungsverfahren für das Wintersemester 2020/21 ist beendet. Für Bewerbungen zum Wintersemester 2021/22 wird das Bewerbungsportal am 01.02.2021 wieder geöffnet.

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