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Längerer Penis ermöglicht Einsiedlerkrebsen sicheren Sex | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Ein Erdbeer-Landeinsiedlerkrebs (Coenobita perlatus) auf den Malediven

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    Längerer Penis ermöglicht Einsiedlerkrebsen sicheren Sex

    Und es kommt doch auf die Größe an! Den Einsiedlerkrebs bewahrt ein langer Penis davor, dass ihm seine Behausung während des Schäferstündchens gestohlen wird. Seine Penisgröße entscheidet dann nicht nur über sicheren Sex, sondern über Leben und Tod.

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    Wer warum den Längsten hat, das hat der Biologe Mark E. Laidre vom Dartmouth College in New Hampshire untersucht - in einer intimen Studie an Einsiedlerkrebsen. Laidre wollte herausfinden, inwieweit deren Penislänge mit der Art ihres Zuhauses zusammenhängt. Seine Studie trägt den lautmalerischen Titel "Private parts for private property" und wurde am 16. Januar 2019 bei "The Royal Society" veröffentlicht.

    Schneckenhäuser werden zum Privateigentum von Einsiedlerkrebsen

    Einsiedlerkrebse suchen sich leere Schneckenhäuser als Behausung. Einige Arten bauen sie sogar aus und entfernen innere Strukturen, um sie geräumiger zu machen. Andere Arten sparen sich die Renovierung nach dem Einzug - und manche Arten verzichten im Alter komplett auf Privateigentum. Die meisten Einsiedlerkrebsarten sind aber auf ein Haus angewiesen, um sich zu schützen. Weil der Wohnungsmarkt begrenzt ist, sind die Behausungen begehrt. Laidre schreibt, er habe selbst schon beobachtet, wie Einsiedlerkrebse versucht haben, sie sich gegenseitig zu stehlen.

    Erhöhtes Haus-Diebstahlrisiko beim Sex

    Ein besonders günstiger Moment für einen Haus-Diebstahl ist das Schäferstündchen. Das Weibchen bleibt dabei in seiner Behausung, das Männchen muss der Herzensdame möglichst nahe kommen. Ist die Behausung dabei im Weg, muss sich der Krebs ein Stück weit herauswagen. Hier sind dann die Einsiedlerkrebse besonders im Nachteil, die ihr Haus zuvor ummodelliert haben: Diese Luxushäuser sind bei Dieben besonders begehrt und unglücklicherweise auch leichter zu stehlen, weil beim Innenausbau oft Festhaltemöglichkeiten entfernt wurden. Verliert ein Einsiedlerkrebs seine schützende Behausung, ist er in großer Gefahr. Manche Landeinsiedlerkrebsarten dehydrieren und sterben gar binnen 24 Stunden ohne Haus.

    Renoviertes Haus, unrenoviertes Haus, gar kein Haus

    Mark E. Laidre vermutete, dass die Art der Einsiedlerkrebs-Behausung - und damit auch das Risiko, nach dem Sex obdachlos zu sein - mit der Penislänge zusammenhängt. Deshalb hat er penibel nachgemessen, aber ohne einem Tier zu nahe zu treten: Bei 328 Einsiedlerkrebsen, die zu insgesamt neun Arten gehören und in Ethanol konserviert waren, hat er die Penislänge bestimmt und ins Verhältnis zur Körpergröße gesetzt. Anschließend hat er die Werte der unterschiedlichen Krebsarten verglichen: bei Einsiedlerkrebsen, die ein umgebautes und damit bei Dieben besonders begehrtes Haus besaßen; bei deren engsten Verwandten, die jedoch nicht renovierte und damit weniger begehrte Häuser besaßen; und bei denen, die im fortpflanzungsfähigen Alter gar kein Haus besaßen.

    Einsiedlerkrebse mit Luxuswohnungen haben den längsten Penis

    Im Größenvergleich zeigte sich, dass sich die Penislänge bei den einzelnen Arten tatsächlich signifikant unterschied: Laut Laidre hatten die Einsiedlerkrebs-Arten, die ihre Behausungen am aufwändigsten ummodelten, im Verhältnis zu ihrer Körpergröße den längsten Penis. Den zweiten Platz im Penislängen-Vergleich belegten die Einsiedlerkrebse, die ein unrenoviertes Haus besaßen. Sie wiederum hatten immer noch einen längeren Penis als solche Arten, die überhaupt kein Haus mit sich trugen.

    Längerer Penis schützt den Einsiedlerkrebs beim Sex vor Diebstahl

    Laidre schlussfolgert, dass Einsiedlerkrebse - und darunter manche Arten im Besonderen - im Laufe der Evolution längere Penisse entwickelten, damit sie gefahrlos ihre Gene weitergeben können: Mit einem längeren Penis können sie sich paaren und ihr Haus trotzdem fest im Griff behalten. Ein größeres Geschlechtsteil ist für sie dann nicht nur Diebstahl-, sondern Lebensversicherung.

    Sendung:

    Die Stefans reloaded! vom 19.01.2019 - 09:00 Uhr