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Kuh-Attacken: So verhalten Wanderer sich richtig | BR24

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Auf der Weide müssen Wanderer ihr Verhalten anpassen

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    Kuh-Attacken: So verhalten Wanderer sich richtig

    Immer wieder kommt es vor, dass Wanderer von Kühen angegriffen werden. Aber warum machen die Tiere das? Sind Kühe grundsätzlich gefährlich? Und wie kann man sich vor einer Kuh-Attacke schützen?

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    Kühe sind von Natur aus wenig angriffslustig, trotzdem kann es zu Zusammenstößen mit den Tieren kommen. Und die bleiben oft nicht folgenlos. Meist kommt man mit dem Schrecken oder einem blauen Fleck davon, in einigen tragischen Fällen sind die Wanderer jedoch auch getötet worden. Meistens ist ein Fehlverhalten der Wanderer der Grund für solche Vorkommen. Deshalb sollten sie sich einige Regeln zu Herzen zu nehmen, damit es zu keinem Zwischenfall kommt.

    Die Kraft der Kühe nicht unterschätzen

    Der größte Fehler: Kühe werden aufgrund ihres sanftmütigen Aussehens häufig unterschätzt. Aber mit ihren um die 400 Kilogramm Lebendgewicht können sie unvorsichtige Wanderer auch schon mal umhauen oder verletzen, selbst wenn ein Zusammenstoß gar nicht bösartig gemeint ist - zumal Kühe ja auch noch Hörner haben. Auch können sie schneller laufen, als man den schwergewichtigen Tieren zutrauen würde. Der Deutsche Alpenverein gibt Tipps, wie sich Wanderer bei einer Begegnung mit Kühen verhalten sollten:

    Der richtige Umgang mit Kühen auf der Weide

    • Wanderwege, die über Weiden führen, nicht verlassen!
    • Wanderer mit Hunden sollten Weideflächen lieber umgehen und ihren Hund an die Leine nehmen.
    • Beim Überqueren der Weide ist ein Abstand von mindesten 20 bis 50 Metern zu den Kühen angeraten. Dabei sollte man auch nicht laut schreien oder rumhüpfen, sondern ruhig und unauffällig passieren.
    • Wenn eine Kuh ausgerechnet den Wanderweg versperrt oder es sich dort gar bequem gemacht hat, umgehen Sie sie mit möglichst großem Abstand.
    • Leichtsinnig ist es auch, die Tiere zu erschrecken oder ihnen direkt in die Augen zu starren.
    • Die Kuhweide ist kein Streichelzoo. Lassen Sie die Tiere einfach in Ruhe - nicht streicheln und nicht füttern.
    • Achten Sie auf Warnsignale: Senken die Tiere den Kopf, schnauben, scharren und brüllen, kann es brenzlig werden.
    • Kommen die Tiere näher, bleiben sie ruhig und ziehen sich langsam zurück - mit dem Blick auf die Kuh!
    • Fuchteln Sie nicht mit Ihrem Wanderstock durch die Gegend. Im allergrößten Notfall kann ein gezielter Schlag auf die Nase die Kuh vertreiben.
    © picture alliance/APA/picturedesk.com

    Kühe - Streichelzoo oder aggressive Angreifer?

    Besondere Vorsicht bei Mutterkühen

    Wie so häufig bei Muttertieren: Sie haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und wollen ihre Kälbchen vor Gefahr schützen. Auch wenn es noch so verlockend ist - gerade bei kleinen, süßen Kälbchen - gilt: Finger weg! Kühe sehen nicht besonders scharf und reagieren womöglich aggressiv, wenn sich ihrem Kälbchen "etwas" nähert. Und das gilt im Übrigen nicht nur für die Mutter. Auch die anderen Kühe in der Herde verteidigen den Nachwuchs.

    Mit Hunden auf der Kuhweide

    Wanderer mit Hund sollten ihr Tier anleinen, wenn sie über die Weide spazieren. So hat man seinen Jagdinstinkt unter Kontrolle und die Kühe werden nicht über die Weide gejagt. Hunde haben das Potenzial, Kühe zu beunruhigen, denn immerhin stammen sie vom Wolf ab. Die Angst davor steckt noch in den Genen. Falls es zu einem Angriff kommt, sollte der Hund jedoch abgeleint werden. Denn die Angriffslust der Kuh wird sich wahrscheinlich auf den Hund konzentrieren, der mit seinem Tempo vermutlich auch die schnellste Kuh abhängen kann. Der Wanderer sollte die Zeit nutzen, sich in Sicherheit zu bringen. Idealer ist es grundsätzlich, mit einem angeleinten Hund die Weideflächen zu umgehen.

    Bitte Gatter wieder schließen!

    Was selbstverständlich sein sollte, leider aber nicht ist: Wenn Sie durch ein Gatter eine Weide betreten, schließen Sie es auch wieder hinter sich, damit die Tiere nicht ihre Chance auf Freigang nutzen!

    Finanzielles Desaster für österreichischen Almwirt

    Nach einer Kuh-Attacke im Jahr 2014 in Österreich, bei der eine deutsche Wanderin verstorben ist, wurde der Kuhbesitzer zu einer hohen Schadenersatzsumme an die Hinterbliebenen verurteilt. Später wurde der Wanderin eine Mitschuld gegeben, die Strafe daher halbiert.

    Dennoch: Eine finanzielle Gefahr für die Almwirte, die vor der Gefahr, dass ihre Kühe womöglich einen Menschen töten, nicht gefeit sind. Deshalb hat die Landwirtschaftskammer Tirol einen Verhaltenskodex für Wanderer herausgegeben. Wenn sich ein Wanderer nicht daran halte, habe das im Schadensfall rechtliche Konsequenzen für ihn, meinte Kanzler Sebastian Kurz damals: "Es geht um das gute Miteinander von Landwirtschaft und Tourismus auf Österreichs Almen."

    Die Eigenverantwortung der Wanderer ist gefragt

    Der Verhaltenskodex für Wanderer stellt ähnlich wie die zehn FIS-Regeln auf den Skipisten die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt. Zu gefährlichen oder gar tödlichen Zwischenfällen war es vor allem dann gekommen, wenn Wanderer Hunde dabei hatten und die Mutterkühe ihre Kälber beschützen wollten. Wer in den österreichischen Alpen wandert, sollte im eigenen Interesse diesen Verhaltenskodex beachten.

    Bayerische Landwirte wünschen sich ähnliche Regeln

    Ähnliches wünschen sich jetzt auch bayerische Landwirte. Seit dem Urteil nach einer tödlichen Kuh-Attacke geht bei ihnen die Sorge um, dass auch auf sie hohe Zahlungen zukommen könnten.

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