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Mäusebussard vor Windrad

Greifvögel können von Rotorblättern erschlagen werden. Aber durch kluge Auswahl der Windradstandorte ist es möglich, die Verluste zu minimieren.

Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul
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    Kritik an der Windkraft: Wie umweltschädlich sind Windräder?

    Windkraftanlagen stehen in der Kritik: als Vogelschredder und Landschaftszerstörer. Auch ob der Energieertrag den Aufwand für ein Windrad lohnt, wird immer wieder in Frage gestellt. Sind die Vorbehalte berechtigt?

    Von
    Lorenz StorchLorenz Storch
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    So viel ist sicher: Vögel können an Windrädern zu Tode kommen und von Windradflügeln erschlagen werden. Es kursieren Zahlen von bis zu 100.000 durch Windräder in Deutschland getöteten Vögeln jährlich. Klar ist jedoch auch: Das ist nur eine unter vielen Gefahren für die Tiere. Sehr viele Vögel sterben auch durch Kollision mit Glasscheiben – zwischen 18 und 100 Millionen tote Vögel jährlich lauten hier die Schätzungen. Viele Millionen Vögel finden außerdem an Stromleitungen und im Straßenverkehr den Tod – oder sie werden zur Beute von Hauskatzen. All diese Zahlen sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Denn die meisten toten Vögel werden nicht gefunden oder gezählt.

    Wie gefährlich sind Windräder für Vögel?

    Rein zahlenmäßig scheinen die Verluste von Vögeln durch Windräder also wenig ins Gewicht zu fallen. Das greift jedoch zu kurz: Bei großen, langlebigen Vögeln, die nur wenig Junge aufziehen, fällt jeder Ausfall eines Tieres für den Erhalt der Art besonders stark ins Gewicht. Mehr als bei kurzlebigen Arten, die viele Eier legen. Und die Vogelarten, deren Gefährdung durch die Windkraft diskutiert wird, gehören zur ersten Kategorie: Es sind Greifvögel wie der Rotmilan, der Mäusebussard oder der Seeadler.

    Der richtige Standort ist entscheidend

    Allerdings lassen sich nach Ansicht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) die Beeinträchtigungen für den Bestand von Vogel- oder auch Fledermausarten minimieren, wenn die Standorte für Windräder sorgfältig ausgesucht werden. Dazu sind entsprechende Gutachten vorgeschrieben. Nach Ansicht des BfN sollten einige Landschaftsarten grundsätzlich von Windrädern freigehalten werden:

    • naturnahe Wälder mit altem Baumbestand,
    • bestimmte Schutzgebiete (Natura-2000-Gebiete, Naturschutzgebiete, Nationalparke, Nationale Naturmonumente, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten),
    • Schutzzonen um bekannte Vogelhorste, gesetzlich geschützte Biotope,
    • Flusstäler und Wiesen, die Nahrungs- und Bruthabitate für Wiesenbrüter darstellen,
    • Zugkorridore von Vögeln und Fledermäusen (zwischen Brut- und Nahrungsplätzen und zwischen Winter- und Sommerquartier).

    Auch bei umfassender Berücksichtigung des Natur- und Landschaftsschutzes bleiben nach Berechnungen des Bundesamts für Naturschutz 3,6 Prozent des Bundesgebiets für die Windenergienutzung geeignet. Und damit genug, um die Ausbauziele für Windkraft zu erreichen.

    Mehr Abstand vom Menschen bedeutet Schaden für die Natur

    Eine ähnliche Position vertritt auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Der Verband fordert deshalb die Abschaffung der bayerischen 10H-Sonderregel zum Mindestabstand von Windrädern zu Siedlungen. Denn dadurch werden die Windräder verstärkt in die Wälder und unberührten Naturlandschaften gedrängt, und die Gefahr auch für den Artenschutz steigt.

    Generell bekennt sich der LBV, wie unter anderem auch der Bund Naturschutz (BN), ausdrücklich zum Ausbau der Windkraft. Zwar sind Windräder durchaus eine gewisse Gefahr für den Artenschutz – aber die Klimakrise ist eine noch viel größere Gefahr auch für die Artenvielfalt, resümieren die Verbände.

    Wie viel Fläche muss für ein Windrad gerodet werden?

    Ein wichtiger Grund, warum sich auch die Vogelschützer für die Windkraft aussprechen: Diese Energieform geht besonders sparsam mit Fläche um. Ein Windrad braucht einen Standplatz von etwa 0,5 bis 1 Hektar. Auf dieser Fläche kann man dann jedoch im Vergleich zu einer Photovoltaik-Freiflächenanlage oder zu Biogasanlagen mit dem dazugehörigen Maisanbau ein Vielfaches an Strom gewinnen.

    Bei Windrädern im Wald fällt, wenn sie nicht neben bestehenden Wegen gebaut werden, allerdings auch noch die Zufahrt ins Gewicht und der Stromanschluss per Erdkabel. Auch hier kommt es auf den Standort an.

    Wann ist die Energie für den Bau eines Windrades wieder drin?

    Günstig ist bei der Windkraft auch das Verhältnis zwischen aufgewendeter Energie für den Bau und der Energieernte. Eine Windturbine an Land braucht zwischen fünf und zwölf Monaten, dann hat sie so viel Energie erzeugt, wie für ihre Produktion und das Aufstellen benötigt wurde. Über den gesamten Lebenszyklus einschließlich der Demontage erzeugt ein Windrad je nach Bauweise 40 bis 70 Mal mehr Energie als es verbraucht. Nach dem Ende der Lebensdauer des Windrads werden die Materialien recycelt. Am schwierigsten ist die Wiederverwertung bei den faserverstärkten Kunststoffen der Rotorblätter. Auch dafür gibt es inzwischen jedoch eine Lösung: Das Material wird thermisch verwertet, also verbrannt. Als so genannter Ersatzbrennstoff für Schweröl in der Zementindustrie.

    Windräder verändern die Landschaft

    Was allerdings auf jeden Fall bleibt: Die Windräder verändern die Landschaft. Sie sind weithin sichtbar. Schon das allein bringt viele Windkraftgegner gegen diese Technologie auf. Die große Höhe der Anlagen ist ein wesentlicher Faktor für ihren Ertrag, gerade im verhältnismäßig windschwachen Bayern. Sie kleiner zu bauen, ist deshalb keine Alternative. Die einzige Möglichkeit bleibt, sich in der Regionalplanung auf die Windkraftstandorte zu einigen, die auch optisch im Verhältnis am verträglichsten sind. Zwei Prozent der Landesfläche würden ausreichen, um mit modernen Windrädern die Klimaziele zu erreichen.

    Hinweis (04.08.21, 9.20 Uhr): In einer früheren Version dieses Artikels wurde eine Rechnung des Landesbunds für Vogelschutz zur Energiegewinnung durch ein Windrad wiedergegeben. Die aufgeführten Zahlen waren nicht korrekt, die entsprechende Passage wurde geändert.

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