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Kreidezähne bei Kindern weiter verbreitet als Karies | BR24

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Ein Drittel aller 12-Jährigen in Deutschland ist betroffen von der Schmelzbildungsstörung Kreidezähne. Die Zähne kommen porös aus dem Kiefer. Niemand kennt die Ursache der Krankheit, doch die Mediziner haben einen Verdacht.

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Kreidezähne bei Kindern weiter verbreitet als Karies

Wenn der Zahnschmelz bröckelt: Jedes dritte zwölfjährige Kind in Deutschland hat die Störung Kreidezähne. Die Ursache ist noch unbekannt. Ärzte vermuten aber einen Zusammenhang zu einem Plastikweichmacher.

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Es ist eine gruselige Vorstellung: Die Milchzähne sind in Ordnung - kein Karies, perfekt und makellos. Doch kommen die bleibenden Zähne nach, ist deren Zahnschmelz gelblich, bräunlich und bröckelig. Keine Chance auf Heilung.

Schwacher Zahnschmelz von Anfang an

Schuld ist die Schmelzbildungsstörung Kreidezähne, in der Fachsprache Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) genannt. An der Oberfläche sind solche Zähne rau und verfärbt; sie schmerzen bei Berührung. Der Schmelz ist nur ein Zehntel so dick wie bei normalen Zähnen. Am häufigsten betroffen sind die Backenzähne. Die Störung der Mineralisation kann sich auf kleine Flächen beschränken oder die gesamte Zahnoberfläche überziehen - bei einzelnen Zähnen oder bei mehreren.

Die Aushärtung der bleibenden Zähne fällt in die Phase zwischen Geburt und dem drittem Lebensjahr. In dieser Phase lagern sich Kalzium und Phosphat ein, das härtet den Zahnschmelz aus. Eigentlich. Bei MIH ist dieser Prozess gestört, die Zähne brechen bereits geschädigt durch den Kiefer.

MIH bei jedem dritten Zwölfjährigen

Kreidezähne sind mittlerweile eine Volkskrankheit. 10-15 Prozent aller Kinder in Deutschland sind betroffen. Bei den Zwölfjährigen ist die Zahl noch höher: Beinahe jedes dritte Kind hat MIH. Die Krankheit ist bei dieser Altersgruppe ein größeres Problem als Karies. Heute treten Kreidezähne weltweit in beinahe allen Industrienationen auf. Zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurden sie 1987.

Ursache ein Plastikweichmacher?

Die Ursachen, die die Krankheit auslösen, sind nicht geklärt. Verantwortlich sein könnten Bisphenol A, hochdosierte Antibiotikagabe, Erkrankungen der Atemwege oder Vitamin-D-Mangel, um nur einige der möglichen Gründe zu nennen. Forscher haben bei Tierversuchen in Paris Ratten nach der Geburt mit Bisphenol A gefüttert. Der Stoff wird häufig als Plastikweichmacher verwendet. Die Tiere entwickelten kurz darauf poröse Zähne, die den menschlichen Kreidezähnen stark ähneln.

Der hormonell wirksame Stoff Bisphenol A ist zum Beispiel enthalten in Plastikgefäßen, Thermopapier oder beschichteten Konservendosen. Er kann in Lebensmittel übergehen und sich im menschlichen Körper anreichern.

Zahnmediziner gehen von mehreren Faktoren aus, die gleichzeitig wechselwirkend die Schmelzbildung stören - trotz der Tierversuchs-Studie. Eine fortführende Forschung zur Krankheit gibt es in Deutschland nicht.