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Krebs vs. Corona: Welche Behandlung geht vor? | BR24

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Bildrechte: dpa/Peter Kneffel

In Corona-Zeiten sind die Notaufnahmen leer, weil sich viele Menschen nicht ins Krankenhaus trauen.

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Krebs vs. Corona: Welche Behandlung geht vor?

Krankenhausbesuche werden verschoben, aus Angst vor dem Corona-Virus. Krankenhäuser halten Betten für Covid-19-Patienten frei, während andere Patienten auf eine Behandlung warten. Das ist eine ethische Frage: Welche Krankheit hat Priorität?

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Von
  • Barbara Schneider

Viele Patienten meiden derzeit das Krankenhaus – aus Angst vor Ansteckung. Außerdem besteht die Gefahr schwerwiegender Schäden, wenn Krankheiten nicht oder zu spät behandelt werden, weil Kapazitäten in Krankenhäusern für Covid-19-Patienten freigehalten werden.

Deutsche Krebshilfe schlägt Alarm

Die Deutsche Krebshilfe schlägt deshalb Alarm. Sie befürchtet, dass angesichts der Corona-Krise die Versorgung von Krebspatienten nicht mehr gewährleistet werden kann, dass dringende Operationen verschoben werden oder ein Bett nicht mehr mit Krebspatienten belegt wird, weil zunehmend Intensivbetten für Covid-19-Patienten vorgehalten werden. Die Gefahr: Menschen, die dringend eine Behandlung brauchen, bleiben auf der Strecke.

Kurzarbeit in Krankenhäusern und verschobene Behandlungen

Für den Theologen und Philosophen Stephan Schaede wirft das vor allem ethische Fragen auf. "Schwierig wird es, wenn im Krankenhaus der Kampf in der Radiologie ausbricht. Wer darf zuerst in die Computertomogfie", sagt Schaede.

Auch die Kapazitäten, die bereits seit Wochen für mögliche Corona-Patienten freigehalten werden, sieht er problematisch: "Es kann sein, dass diagnostische oder therapeutische Maßnahmen aufgeschoben werden und deswegen Menschen sterben, weil wir für Corona-Patienten potentielle Leistungen vorhalten wollen. Das halte ich für keine gute Idee, wenn Krankenhäuser auf Kurzarbeit umstellen und gleichzeitig therapeutische Maßnahmen nicht durchgeführt werden."

Wer fällt die Entscheidung über Leben und Tod?

In vielen Kliniken stehen Intensivbetten leer, die für Corona-Patienten bereitgehalten werden. Gleichzeitig wurden zuletzt immer wieder Notfallszenarien durchgespielt: Wer bekommt ein Beatmungsgerät, wenn es zu viele Covid-19-Patienten gibt, die beatmet werden müssen? Und wer ist wichtiger? Der normale Patient oder der Covid19-Patient?

Die Entscheidung über Leben und Tod werde dem medizinischen Personal aufgebürdet. Dieses müsste dann entscheiden, wer medizinische Hilfe bekommt und wer nicht, kritisiert der Deutsche Ethikrat.

Akutversorgung gesichert

Die Akutversorgung zum Beispiel bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen sei nicht in Gefahr, sagt Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Auch dringende Operationen fänden statt, sagt er. "Wir stellen fest, dass es eine große Verunsicherung gibt bei der Bevölkerung und bei Patienten, die möglichst versuchen, nicht in ein Krankenhaus zu kommen, weil sie sagen, dort ist die Ansteckungsgefahr höher als daheim." Das könne der Grund für die leeren Notaufnahmen in den Krankenhäusern sein.

Rettungssanitäter sind Corona-Gefahr immer ausgesetzt

Auch die Arbeit für die Rettungssanitäter habe sich seit Beginn der Corona-Krise verändert, berichtet Thomas Stadler, der den Krisenstab des Roten Kreuzes in Bayern leitet. Zwar werden sie nach wie vor zu Notfällen gerufen, aber Krankentransporte hätten deutlich abgenommen. "Wir haben ungefähr 4.000 Einsätze pro Woche weniger, das führen wir darauf zurück, dass weniger geplante Eingriffe stattfinden. Dafür dauern die einzelnen Transporte länger, da wir entsprechende Schutzmaßnahmen durchführen müssen und im Nachgang die Fahrzeuge reinigen", sagt Thomas Stadler.

Und die Rettungssanitäter sind täglich dem Risiko einer Infektion ausgesetzt. Wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden, kann es immer sein, dass sie auf einen Covid-19-Patienten treffen, sagt Thomas Stadler. "Das belastet den ein oder anderen schon, obwohl sie gut ausgebildet sind und auch die Schutzausrüstungen haben."

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