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Krank durch Zeckenstich: Wird es 2020 mehr Fälle von FSME geben? | BR24

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Bei milden Temperaturen, gerade nach milden Wintern, sind Zecken besonders aktiv. Da besonders viele Menschen in der Corona-Zeit gerne in Parks, Wälder und die Natur gehen, ist die Gefahr groß, sich einen Zeckenbiss zu holen.

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Krank durch Zeckenstich: Wird es 2020 mehr Fälle von FSME geben?

In diesem Jahr gibt es besonders viele erwachsene Zecken. Das kann problematisch werden, denn sie tragen häufiger den FSME-Virus in sich als junge Tiere. Mediziner warnen deshalb vor einer wachsenden Gesundheitsgefahr durch Zeckenstiche.

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Experten warnen heuer vor einer wachsenden Gesundheitsgefahr durch Zeckenstiche in Bayern. Deshalb sollte man sich in diesem Jahr mehr denn je vor Zecken in Acht nehmen. Dabei besteht das Problem nicht nur in der Anzahl der Zecken, sondern auch, wie infektiös sie sind.

Erwachsene Zecken übertragen häufiger FSME

In diesem Jahr gibt es mehr erwachsene Zecken als im vergangenen Jahr. Ihr Anteil an der Gesamtpopulation der Blutsauger ist von zehn auf dreißig Prozent gestiegen ist. Das Problem dabei ist, dass vor allem die erwachsenen Zecken den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die adulten Zecken tragen den FSME-Erreger fünfmal häufiger in sich als die Nymphen, die Zecken im Jugendstadium. Das Risiko, sich heuer damit zu infizieren, liegt damit - so die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen in München - um 50 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Hinzu kommt, dass vor allem in den Zeiten der Ausgangsbeschränkungen viele Menschen Ausflüge in die Natur unternommen haben - für Zecken eine gute Gelegenheit für einen Festschmaus.

FSME und Borreliose: Zecken übertragen Krankheiten

Nicht jeder Zeckenstich hat Folgen für die Gesundheit. Jedoch sollte man sich bewusst machen, dass Zecken bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Bekannt und besonders gefährlich sind FSME-Viren und Borreliose-Erreger. Während es für FSME eine vorbeugende Impfung gibt, steht für die Lyme-Borreliose kein Impfstoff zur Verfügung. Infektionen können aber mit Antibiotika behandelt werden.

Was ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine virale Form der Hirnhautentzündung, bei der auch das Gehirn betroffen ist. Sie kann zu schweren neurologischen Schäden führen, in etwa zwei Prozent der Fälle verläuft sie tödlich. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht möglich. Sie beschränkt sich allenfalls darauf, die Symptome zu lindern.

Symptome der FSME

Die Erkrankung FSME erfolgt typischerweise in zwei Phasen. Etwa fünf bis sieben Tage nach dem Stich treten bei einem Drittel der Infizierten uncharakteristische Beschwerden auf: Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, gelegentlich Magen-Darm-Probleme. Meist ist die Krankheit damit überstanden.

Bei einigen Erkrankten befällt der Erreger jedoch das zentrale Nervensystem - in unterschiedlicher Ausprägung. Unterschieden werden die "Meningitis" (nur die Hirnhäute sind beteiligt), die "Meningoenzephalitis" (Beteiligung von Hirnhäuten und Gehirn) und die "Meningoenzephalomyelitis" (zusätzlich ist das Rückenmark betroffen). Die verschiedenen Formen unterscheiden sich durch ihre Symptome und ihren Verlauf.

Experten raten zur Impfung gegen FSME

Experten raten deshalb zu einer Impfung, wenn man in einem Risikogebiet wohnt oder sich dort länger aufhält. In Bayern ist nach Daten des Robert Koch-Instituts nur ein gutes Drittel der Schulkinder gegen FSME geimpft. Auch für Berufsgruppen wie Förster, Waldarbeiter und Landwirte wird eine Impfung empfohlen.

Welche FSME-Risikogebiete gibt es in Deutschland?

In Deutschland gelten derzeit 164 Kreise als FSME-Risikogebiete. Hauptsächlich betroffen sind Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und des Saarlands. Zeckenforscher befürchten, dass sich der FSME-Virus auch verstärkt im Norden ausbreiten wird. In Bayern gelten nur München, Augsburg, Schweinfurt, der Landkreis Fürstenfeldbruck und der Landkreis Dillingen an der Donau nicht als FSME-Risikogebiet.

Über die Hälfte der Deutschen schon gestochen worden

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat 2.500 Menschen befragt, ob sie schon einmal einen Zeckenstich hatten. Das Ergebnis: 58 Prozent der deutschen Bevölkerung sind schon einmal von einer Zecke gestochen worden, 22 Prozent davon sogar schon häufiger als viermal. Die Ergebnisse der Befragung sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Was ist Lyme-Borreliose für eine Krankheit?

Borreliose kann unbehandelt zu Spätfolgen wie Gelenk- oder Herzmuskelentzündungen führen. Die Erreger werden nicht, wie die der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), unmittelbar bei einem Zeckenstich übertragen. Man vermutet, dass es etwa zwölf bis 24 Stunden dauert, bis die Zecke einen Teil des bereits aufgesogenen Blutes wieder in die Wunde abgibt. Dabei können Borrelien in den menschlichen Blutkreislauf gelangen.

Borreliose Symptome: Wie erkenne ich eine Borreliose-Infektion

Eine Borreliose ist nicht leicht zu diagnostizieren. Erstes und eindeutiges Symptom ist die Wanderröte, eine ringförmige, schmerzlose Rötung an der Bissstelle und an anderen Körperstellen. Die Rötung kann Tage bis Wochen nach dem Biss auftreten. Das Problem: Die Rötung tritt nicht bei allen Borreliose-Patienten auf. Daneben sind grippeähnliche Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit, Glieder- und Gelenkschmerzen oder auch Lymphknotenschwellungen und Kopfschmerzen symptomatisch. Ein zweites Krankheitsstadium kann nach Wochen oder Monaten auftreten. Zu den Symptomen gehören schmerzhafte Gelenkentzündungen, meist an Knien, Händen oder Knöcheln, aber auch Herzprobleme und verschiedene Symptome der Hirnhautentzündung.

Borreliose Behandlung - Antibiotika

Gegen eine Borreliose-Infektion werden Antibiotika verschrieben. Die Bakterien lassen sich dadurch meist gut bekämpfen.

Die Stadien im Leben einer Zecke

Es sind übrigens nur die Zeckenweibchen, die ihren Hunger mit Blut stillen - und das nur dreimal in ihrem Leben. Zeckenweibchen durchlaufen im Laufe ihres zwei bis vier Jahre langen Lebens drei Entwicklungsstadien (Larve, Nymphe und Adulte) und saugen in jedem dieser Zyklen einmal Blut. Dabei schwellen sie wie eine Kugel auf etwa das Zweihundertfache ihrer Körpergröße an. Fallen sie, nach mehreren Tagen Saugzeit von der Haut ab, sind sie kaum noch in der Lage, sich fortzubewegen. Es stechen auch die Männchen. Sie allerdings geben sich mit etwas Gewebeflüssigkeit zufrieden.

© picture alliance / blickwinkel/G. Stahlbauer

Kaum mehr bewegungsfähig - eine vollgesogene Zecke

Zecken können auch im Garten lauern

Zecken finden sich nicht nur in Wald und Wiese - die Blutsauger können auch direkt vor der Haustür auf ihre Opfer lauern. Laut einer Studie sind Zecken nahezu überall zu finden, wo ein bisschen Grün wie Büsche oder Gräser sind - und damit eben auch in Stadtgärten oder Blumenrabatten. Schon bei kleinen Gartenarbeiten kann man sich eine Zecke einfangen. Deshalb sollte man auch hier nicht nachlässig sein und sich nach einem Aufenthalt im Freien oder im Garten gründlich nach Zecken absuchen.

So können Sie Zecken vermeiden und sie im Fall eines Stichs richtig entfernen.

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