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Volkskrankheit Kopfschmerzen: Alternativen zur Schmerztablette | BR24

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Es sticht, pocht, raubt einem die Konzentration. Kopfschmerzen beeinträchtigen die Betroffenen sehr. Dr. Marianne Koch und Dr. Artur Wölfel klären über die verschiedenen Formen von Spannungsschmerz bis Migräne auf.

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Volkskrankheit Kopfschmerzen: Alternativen zur Schmerztablette

Etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung haben schon mehrmals unter Kopfschmerzen gelitten, drei bis vier Prozent leiden sogar täglich darunter. Der Griff zur Schmerztablette ist nicht immer sinnvoll, warnen Experten. Sie empfehlen Alternativen.

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Kopfschmerzen kennt eigentlich jeder. Bis zu 90 Prozent aller Deutschen leiden mehr oder weniger häufig darunter. Rund 320 verschiedene Arten von Kopfschmerzen gibt es. Der Spannungskopfschmerz und die Migräne sind die beiden häufigsten Kopfschmerzarten. Betroffene wissen sich oft nur noch mit Schmerztabletten zu helfen.

Dabei können Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung, die sie anlässlich des Deutschen Kopfschmerztages, der am 5. September stattfindet, veröffentlicht hat. In ihren aktualisierten Leitlinien zum Spannungskopfschmerz und Migräne gibt sie Schmerzgeplagten Tipps.

Was sind Kopfschmerzen?

Wer Kopfweh hat, kann zum Beispiel unter einer Reizung der Blutgefäße im Gehirn, der Hirnnerven oder der obersten Spiralnerven leiden. Liegt wirklich ein Kopfschmerz vor oder steckt hinter dem Brummen im Kopf eine ganz andere Erkrankung? Das ist häufig die wichtigste Frage, die meist Hausärzte als erste Anlaufstelle von Kopfschmerzpatienten beantworten müssen.

Dokumentation von Kopfschmerzen wichtig für richtige Diagnose

Damit die richtige Diagnose gestellt werden kann, hilft die Dokumentation des Schmerzes, rät auch die DGN. Wichtige Fragen sind hierfür unter anderem: Ist der Schmerz stechend oder dumpf? Geht er mit Übelkeit einher? Wie häufig tritt er auf und in welchen Situationen? Wie oft wurden Schmerzmedikamente eingenommen?

Alternativen zu Schmerzmitteln bei Spannungskopfschmerzen

Werden bei Kopfweh zu häufig Schmerztabletten eingenommen, also über drei Monate hinweg mehr als zehnmal im Monat, können die Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen. Die DGN empfiehlt deshalb bei Spannungskopfschmerzen unter anderem die Biofeedback-Therapie oder Entspannungs- und Verhaltenstherapien. Auch Physiotherapie und die medizinische Trainingstherapie sollen bei Spannungskopfschmerzen helfen.

„Diese Verfahren zeigen erst langfristig Wirkung, aber auch in der Akutsituation gibt es eine Alternative für Schmerztabletten: Vielen Menschen mit Spannungskopfschmerzen hilft es, wenn sie großflächig auf Nacken und Schläfen Pfefferminzöl auftragen“, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte und Pressesprecher der DGN.

Bei besonders schweren Fällen von Spannungskopfschmerzen könnten Medikamente helfen, dann aber nicht Schmerzmittel, sondern eine Dauertherapie mit Amitriptylin, einer Substanz, die eigentlich der Klasse der Antidepressiva angehört, schlägt die DGN vor.

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Migräne ist mehr als Kopfschmerz, es ist eine neurologische Erkrankung, die Patienten teils tagelang außer Gefecht setzt. Die Ursachen für Migräne sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt.

Ausdauersport und Verzicht auf Rotwein können gegen Migräne helfen

Auch bei Migräne, einer Kopfschmerzform, unter der immerhin jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann leidet, sollte eine medikamentöse Therapie immer auch durch eine Therapie ohne Medikamente ergänzt werden. Wer kann, versucht, die Migräneanfälle von vornherein zu vermeiden, um so auf die häufig eingesetzten Medikamente wie Triptane verzichten zu können.

„Durch eine solche Anfallsprophylaxe, dem Vermeiden von bekannten individuellen Triggern wie zum Beispiel visuellen Reizen oder Rotwein, durch regelmäßigen Ausdauersport und mit Entspannungsverfahren schaffen es viele Patienten mit Migräne, ihre Anfallsfrequenz so zu senken, dass sie nicht an mehr als zehn Tagen Medikamente einnehmen müssen. Kommt es aber zu einem Migräneanfall, ist es wichtig, so früh wie möglich die Tabletten einzunehmen, dann sind sie wirksamer." Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte und Pressesprecher der DGN

Zahlen zu Kopfschmerzen

  • Etwa jeder siebte Mensch auf der Welt – mehr als eine Milliarde – ist von Migräne betroffen.
  • Kopfschmerzen sind weltweit auf Platz 3 unter allen Erkrankungen gemessen an Häufigkeit und Belastung.
  • Acht bis zehn Millionen Menschen in Deutschland sind von Migräne betroffen.
  • 40 Prozent aller Migräne-Fälle werden nicht diagnostiziert.
  • Mehr als acht Jahre dauert es im Durchschnitt, bis beim Clusterkopfschmerz die Diagnose gestellt und die gezielte Behandlung in die Wege geleitet ist.
  • 76 Prozent der Migränepatienten haben Nackenschmerzen. Migräne kann von Patienten wie Ärzten leicht mit Spannungskopfschmerzen verwechselt werden.
  • 60 Prozent der Kopfschmerzpatienten erhielten vom Arzt eine Diagnose und eine Erklärung zur Kopfschmerzbehandlung. Rund 70 Prozent aller Befragten sind mit der Aufklärung über die Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten zufrieden.
  • 46 Prozent aller Kopfschmerzpatienten lassen sich nicht von einem Arzt oder Apotheker beraten, sondern informieren sich im Internet oder im Bekanntenkreis.
  • Bis zu einer halben Million Menschen in Deutschland leben mit einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz wegen Übergebrauchs von Schmerzmitteln.

Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG)

Der Deutsche Kopfschmerztag

Der Deutsche Kopfschmerztag wurde im Jahr 1999 vom Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. ins Leben gerufen, um über die verschiedenen Ausprägungen und Behandlungsmöglichkeiten von Kopfschmerzen aufzuklären. Der Europäische Kopfschmerztag findet am 12. September statt.

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Migräne ist eine häufige Erkrankung: schlimme Kopfschmerzen, die zusammen mit Symptomen wie Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auftreten. Bislang sind die Ursachen von Migräne noch nicht ausreichend erforscht. Was kann ein Patient tun?