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Konzentration an Treibhausgasen so hoch wie noch nie | BR24

© picture alliance / AP Images

Öl-Raffinerie in China

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    Konzentration an Treibhausgasen so hoch wie noch nie

    Die Treibhausgas-Werte in der Atmosphäre haben nach den Messungen von Klimaforschern einen neuen Höchststand erreicht. Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt vor zerstörerischen und unumkehrbaren Folgen für die Erde. Die ersten spüren wir bereits.

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    Laut dem heute veröffentlichten Jahresbericht der Weltwetterorganisation (WMO) ist die Kohlendioxid-Konzentration im vergangenen Jahr auf 405,5 ppm (parts per Million) gestiegen. Das bedeutet, dass inzwischen mehr als 405 von einer Million Moleküle in der Atmosphäre Treibhausgasmoleküle sind. Im Jahr 2016 lag der Wert bei 403,3 ppm, 2015 bei 400,1 ppm. "Es gibt keine Anzeichen für eine Umkehrung des Trends, der zu langfristigem Klimawandel, dem Meeresspiegelanstieg, der Versauerung der Meere und mehr extremen Wettersituationen beiträgt", erklärt die WMO.

    "Eine vergleichbare Konzentration von Kohlenstoffdioxid hat die Erde zum letzten Mal vor drei bis fünf Millionen Jahren erlebt. Damals lag die globale Temperatur um zwei bis drei Grad über der heutigen und der Meeresspiegel war zehn bis zwanzig Meter höher als heute." Petteri Taalas, WMO-Generalsekretär

    Sie stellten außerdem fest, dass die CO2-Konzentration noch nie so abrupt wie in den vergangenen 70 Jahren gestiegen ist. Ein ähnlicher Anstieg habe sich am Ende der letzten Eiszeit über 3.000 Jahre hingezogen.

    Höchststand an Treibhausgasen in der Atmosphäre

    Die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOAA) vermeldete bereits im August, dass der Anteil an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre im Jahr 2017 durchschnittlich 405 ppm betrug. 400 ppm gilt als symbolische Schwelle, die weltweit erstmals im März 2015 überschritten wurde. Vor der Industriellen Revolution lag der Wert bei 280 ppm.

    Der WMO-Bericht 2018, der auf den Daten aus dem Jahr 2017 basiert, verzeichnet auch Rekordwerte der Treibhausgase Methan, Distickstoffmonoxid (Lachgas) und Trichlorfluormethan in der Atmosphäre. Die Klimaforscher warnen, dass vor allem Trichlorfluormethan stark wirksam ist: Es heizt nicht nur das Klima auf, sondern zerstört zusätzlich die filternde Ozonschicht. Das Industriegas wird trotz eines Verbots in China zur Herstellung von Isolierstoffen verwendet.

    "Ohne eine Verringerung von CO2 und anderen Treibhausgasen wird der Klimawandel zerstörerische und unumkehrbare Folgen für die Erde haben. Die Chance, noch einzugreifen, ist fast vertan." Petteri Taalas, WMO-Generalsekretär

    Der Treibhauseffekt heizt die Erde auf

    Seit Beginn der Industrialisierung gelangen immer mehr sogenannte Treibhausgase in die Atmosphäre. Die bedeutendsten sind Kohlendioxid und Methan. Für die starke Kohlendioxid-Zunahme ist hauptsächlich das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verantwortlich. Methan entsteht vor allem bei der Rinderhaltung und im Reisanbau. In der Atmosphäre enthaltene Gase verstärken den natürlichen Treibhauseffekt auf der Erde: Normalerweise durchdringen kurzwellige Sonnenstrahlen die Erdatmosphäre, werden auf der Erdoberfläche in langwellige Infrarotstrahlen umgewandelt und wieder reflektiert. Die Treibhausgase in der Atmosphäre lassen jedoch nur wenig langwellige Strahlung durch. Sie wird deshalb von der Atmosphäre wieder zurück zur Erde reflektiert. Je höher die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre, umso weniger langwellige Wärmestrahlung gelangt nach draußen und umso stärker und schneller heizt sich die Erde auf. Pro Quadratmeter Oberfläche nimmt die Erde heute fast ein Watt mehr an Energie von der Sonne auf als sie wieder ins All strahlt.

    Die Erde wird wärmer - und unwirtlicher

    Menschliche Aktivitäten haben bislang zu einer weltweiten Temperaturzunahme von 1,0 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter geführt, erklärte der Weltklimarat (IPCC) Anfang Oktober 2018. Nach UN-Angaben zählen alle Jahre seit 2001 zu den heißesten Jahren weltweit. 2017 überstiegen die Kosten durch klimabedingte Katastrophen 500 Milliarden Dollar, rund 439 Milliarden Euro. Der Klimawandel ist in vollem Gang, die Folgen sind zu spüren und zu messen: Extremwetter treten häufiger auf, die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Ozeane versauern. Laut dem fünften IPCC-Weltklimabericht könnten die Temperaturen auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts je nach Szenario um 1,5 bis 7,8 Grad Celsius steigen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

    UN-Klimakonferenz will Erderwärmung stoppen

    Die Teilnehmer der jährlich stattfindenden UN-Klimakonferenz sind sich einig, dass die Erderwärmung gestoppt oder zumindest gebremst werden muss. Der erste völkerrechtlich verbindliche Vertrag zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen war das Kyoto-Protokoll von 1997. Sein Nachfolger, das Paris-Protokoll, wurde 2015 auf den Weg gebracht und ist seit Ende 2016 in Kraft. Das Paris-Protokoll soll die vom Menschen verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, möglichst auf 1,5 Grad, im Vergleich zu den Werten vor der Industrialisierung begrenzen. Hierfür sollen alle Staaten nationale klimapolitische Pläne vorlegen.

    Nächste UN-Klimakonferenz: ab 3. Dezember 2018 in Kattowitz

    Die nächste UN-Klimakonferenz findet vom 3. bis 14. Dezember in Kattowitz, Polen, statt. Dort werden mehr als 20.000 Teilnehmer aus rund 200 Ländern darüber beraten, wie sich das Pariser Klima-Abkommen praktisch umsetzen und sich der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur begrenzen lässt. Der Druck ist Anfang Oktober, nach dem Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC), noch einmal gewachsen. Darin zeigen die Experten auf, dass es durchaus noch möglich ist, den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf höchstens 1,5 Grad zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Ein schnelles, entschlossenes Handeln aller vorausgesetzt, schließlich muss dafür der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen drastisch verringert werden: Um die 1,5 Grad nicht zu überschreiten, müsse der CO2-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Wert von 2010 reduziert werden. Um 2050 müsse der Ausstoß bei Null liegen.

    "Wir müssen unser Verhalten ändern"

    Dafür braucht es nicht nur in Kattowitz klare Ansagen der mehr als 190 Vertragspartner. Wir alle sind gefragt. "Dazu müssen fast alle Bereiche des Lebens umgekrempelt werden: wie wir wohnen, essen, uns fortbewegen, was wir konsumieren", kommentierte Professor Niklas Höhne von der niederländischen Universität Wageningen den IPCC-Bericht. "Technische Lösungen alleine werden nicht ausreichen, wir müssen unser Verhalten ändern."