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Konnten Neandertaler selbst Feuer machen? | BR24

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Neandertaler

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    Konnten Neandertaler selbst Feuer machen?

    In der Vorgeschichte war es nicht leicht, an Feuer zu kommen. In der Regel musste man auf einen Blitzschlag warten und dann das Feuer hüten. Forscher sagen nun: Neandertaler konnten selbst Feuer machen, mit Feuersteinen.

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    Neandertaler waren vor rund 230.000 Jahren die menschlichen Herrscher in Europa. Mittlerweile gibt es Funde aus Deutschland, Südfrankreich, Spanien, dem Irak, Israel oder sogar der Türkei. Sie konnten hervorragend mit Feuer umgehen, aber ob sie Feuer machen konnten, das war bislang unklar. Vor allem als Wärme- und Lichtquelle sowie zum Kochen ist Feuer unverzichtbar, darüber hinaus haben sie auch Birkenpech für Speerspitzen erhitzt.

    Neandertaler beherrschten Feuer

    Im Zahnstein eines Neandertalers aus dem Irak haben Forscher zum Beispiel geröstete Wildgräsersamen gefunden. Wenn man Feuer nicht selbst machen kann, muss man es nach Waldbränden oder Blitzeinschlägen einsammeln und gewissenhaft hüten.

    Konnten Neandertaler Feuer machen?

    Eine neue Studie aus den Niederlanden ist sich nun sicher: Der Neandertaler konnte selbst Feuer machen, genau wie sein späterer Verwandter, der Homo sapiens. Dazu hat sich der Archäologe Andrew Soerensen von der Universität Leiden Faustkeile genauer angeschaut, wie man sie in zahlreichen Neandertaler-Höhlen gefunden habt. Seine Vermutung: Neandertaler haben Feuersteine, zum Beispiel aus Pyrit, auf Faustkeile geschlagen. So kann man mit trockenem Zunder und etwas Übung innerhalb von Minuten Feuer machen. Er hat diese Methode mit zahlreichen selbst gemachten Faustkeilen getestet und die Oberfläche seiner Faustkeile im Mikroskop mit denen der archäologischen Fundstücke aus der Neandertalerzeit verglichen.

    "Wenn man mit einem Stück Pyrit auf die Seite des Faustkeils schlägt, macht man dabei solche C-förmigen Rillen in den Feuerstein. Die sieht man auch ohne Mikroskop. Und wenn man genauer hinschaut, mit Mikroskop, dann sieht man so eine Art glänzende mineralische Oberfläche und in der ist eine parallele Riffelung." Andrew Soerensen, Archäologe, Universität Leiden, Niederlande

    Faustkeil als Allzweckwerkzeug

    Das ist für den Forscher der Beweis, dass die Neandertaler das Feuermachen beherrschten. Der Archäologe Till Knechtges vom Neandertal-Museum in Mettmann hält das für plausibel. Er war an der Studie nicht beteiligt. Pyrit ist ein eisenhaltiges Gestein, das sichtbare Funken produziert, wenn man es auf andere Steine schlägt.

    Homo sapiens lernte von Neandertalern?

    Der Archäologe Andrew Sorensen glaubt sogar, dass die Feuerstein-Technik von den Neandertalern selbst erfunden worden sein könnte. Der moderne Mensch, Homo sapiens, kam ja viel später aus Afrika nach Europa und hatte sich dort eine andere Feuer-Technik angeeignet. Er machte mit hölzernen Bohrern und Reibung Feuer. Vielleicht hat sich Homo sapiens die Feuerstein-Methode von den Neandertalern abgeschaut. Schon lange ist sich die Forschung einig, dass Neandertaler und Homo sapiens regen Kontakt gehabt haben. Im kühleren Norden in Europa war der Feuerstein vielleicht sogar ein zuverlässigeres Feuerzeug als ein Holzstäbchen.