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Kommentar: Im Zweifel lieber Unterricht mit Maske | BR24

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Jeanne Rubner

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    Kommentar: Im Zweifel lieber Unterricht mit Maske

    Masken im Klassenzimmer sind kein Vergnügen. Es muss aber alles getan werden, um zu verhindern, dass Schüler nach Hause geschickt und von digital eher durchschnittlich ausgebildeten Lehrern fernunterrichtet werden. Ein Kommentar von Jeanne Rubner.

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    • Jeanne Rubner

    Hinter seinen Konkurrenten Armin Laschet (CDU) wollte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dann doch nicht zurückfallen. Nachdem Nordrhein-Westfalens Schülerinnen und Schüler in ihren ersten Schulwochen Maske im Klassenzimmer tragen mussten, wird das auch für ihre Altersgenossen im Freistaat gelten.

    Wenigstens ist es für sie beim Schulstart nicht mehr so heiß wie im August in Nordrhein-Westfalen. An Rhein und Ruhr hatten die Schüler sehr geschwitzt und über die stickige Luft unterm Stofflappen gestöhnt. Jetzt ist in Nordrhein-Westfalen die Maskenpflicht erst einmal wieder abgeschafft, die Zahl der Neuinfektionen ist niedrig. Man wird sehen, ob sich die derzeitige kleine Welle auch in Bayern, verursacht vor allem durch Urlauber, wieder abschwächt.

    Die neue Schwelle ist vertretbar

    Nach den neuen Regeln müssten Schüler Maske tragen, wenn die Warnstufe von 35 Neuinfektionen pro sieben Tage und 100.000 Einwohner überschritten ist. Das ist zur Zeit zum Beispiel in München, Rosenheim und Ingolstadt der Fall. Diese Schwelle ist vertretbar. Ursprünglich wollte die Staatsregierung Maskenpflicht im Klassenzimmer schon ab 20 Infektionsfällen vorschreiben, das wäre unverhältnismäßig gewesen.

    Weil die Maske schützen soll, ist es richtig, dass auch die Lehrkräfte Mund und Nase verhüllen. Die vergangenen Wochen konnte man zuweilen den Eindruck gewinnen, dass sie sich als Opfer füllen, die von den Kindern angesteckt werden. Nach all dem, was man bisher weiß, ist es eher andersherum – und deswegen sehen auch Kinder- und Jugendärzte die Pädagogen in der Pflicht. Übrigens folgt auch aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass Kinder unter zehn Jahren das Virus wenig verbreiten und man Grundschülern deswegen die Maske ersparen kann, solange die Infektionszahlen moderat sind.

    Fernunterricht vermeiden

    Sinnvoll ist die Maskenpflicht im Klassenzimmer, wenn sie pragmatisch ausgelegt wird und nicht dogmatisch. Wenn es etwa einen Hotspot wie im niederbayerischen Mamming gibt, dann wird ein Landkreis schnell zum Risikogebiet. Aber das heißt noch nicht, dass eine Schule 30 Kilometer entfernt vom Hotspot ein potentieller Infektionsherd ist. Die Masken im Unterricht sind kein Vergnügen, weder für die Schüler noch für die Lehrer.

    Bevor aber Schulkinder wieder nach Hause geschickt werden und sie bei mangelhafter digitaler Ausstattung von digital eher durchschnittlich ausgebildeten Lehrkräften fernunterrichtet werden, muss alles getan werden, um das zu verhindern. Unter dem Fernunterricht haben vor allem die Kinder aus sozial benachteiligten Familien gelitten. Auch wenn nun mehr Geld für Laptops fließt und Pädagogen klarere Ansagen bekommen sollen - dass die technische Ausstattung und die Kompetenz sich rasch verbessern, ist nicht zu erwarten. Im Zweifel dann lieber Unterricht mit Maske.

    Ein Kommentar von Jeanne Rubner, Redaktionsleiterin Wissen und Bildung aktuell

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