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Kommentar: Lehrer müssen raus aus der digitalen Steinzeit | BR24

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Jeanne Rubner, Redaktionsleiterin Wissen und Bildung aktuell

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    Kommentar: Lehrer müssen raus aus der digitalen Steinzeit

    Die Staatsregierung hat angekündigt, dass sie deutlich mehr Geld in die Digitalisierung von Unterricht und Schulen investieren wird. Allerdings wird das Vorhaben nur aufgehen, wenn auch die Lehrer mitziehen. Ein Kommentar von Jeanne Rubner.

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    Meine erste Mailadresse hatte ich 1994. Damals wurde aus dem Internet für Spezialisten das World Wide Web für alle. Ein Vierteljahrhundert später habe ich einen Lehrer meiner Kinder gefragt, ob man ihn per Mail kontaktieren könne – er lehnte empört ab. Da würden ja alle Eltern ihn ständig mit Nachrichten bombardieren.

    Viele bayerische Schulen nicht ans Netz angeschlossen

    Natürlich müssen Lehrer nicht immer erreichbar sein und natürlich gibt es Eltern, die nerven. Aber die Reaktion war symptomatisch - viele Pädagogen leben in der digitalen Steinzeit, zumindest was ihren Job betrifft.

    Was diese Haltung noch verschärft: Viele Schulen im Freistaat sind auch gar nicht ans Netz angeschlossen, sie haben keine digitale Infrastruktur und Lehrer deshalb keine dienstliche Mailadresse – und das hat sich in Corona-Zeiten mit Homeschooling bitter gerächt.

    Schulplattform Mebis wird aufgerüstet

    Jetzt wirft Ministerpräsident Markus Söder den Digitalturbo an. Auf den Digitalpakt von zwei Milliarden Euro werden 450 Millionen draufgelegt – um die überforderte Plattform Mebis zu einer Bayern-Cloud inklusive einem Schul-YouTube aufzurüsten.

    Auch an Hardware und IT-Experten soll es in Zukunft nicht mehr fehlen. Da will der Freistaat den Kommunen unter die Arme greifen, unter anderem mit einem zentralen Rechenzentrum. Söder verspricht jedenfalls bis Herbst einen digitalen Schulatlas und wenn man den Ministerpräsidenten an seiner Entschlossenheit misst, dann wird er persönlich die weißen W-LAN-Flecken im Freistaat beseitigen.

    In zu vielen Bereichen fehlt das Nötigste

    Digitalisierung ist Chefsache, sagt eine Unternehmensregel. Insofern kann es nicht schaden, wenn der Ministerpräsident die Vernetzung der Schulen und den digitalen Unterricht vorantreibt.

    Auch zentrale Lösungen sind richtig, damit alle im Freistaat profitieren. Es kann nicht sein, dass Schulen im 21. Jahrhundert keinen Netzanschluss haben. Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche beim Fernunterricht abgehängt werden, weil sie keinen Laptop zuhause haben.

    Digitalisierung wurde lange verschlafen

    Die Politik hat die notwendige Digitalisierung lange verschlafen - technisch aber auch personell. Es gab weder Druck noch Anreize für Pädagogen, sich medial fit zu machen. Denn am Ende zählen vor allem die Lehrkräfte. Sie müssen einsehen, dass digitale Technik nicht ihr Feind ist, sondern ein Hilfsmittel.

    Richtig verstanden und genutzt können Podcasts, Videokonferenzen und Lernplattformen auch einen Fernunterricht erfolgreich machen. Und wenn ich dann als Mutter auch noch gelegentlich eine Mail vom Lehrer bekomme, ist klar: Bayerns Schulen sind in der digitalen Gegenwart angekommen.

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