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Studie: Was bringt die Corona-Impfstoff-Kombination?

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Studie: Was bringt die Kombination von Corona-Impfstoffen?

Bisher bekommen Impfkandidaten zwei Mal denselben Corona-Impfstoff. Doch bald schon könnten verschiedene Impfstoffe miteinander kombiniert werden. Wird so aus der Not vielleicht sogar eine Tugend? Erste Studien dazu sind angelaufen.

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Von
  • Moritz Pompl

Die erste Impfdosis von Biontech/Pfizer, die zweite dann von AstraZeneca: Diese Kombination testen Forscher der Uni Oxford bei über 800 Probanden. Die Hoffnung: Lieferengpässe lindern. Und: das Immunsystem vielleicht sogar besser anregen als mit zweimal demselben Impfstoff.

Kombination von Impfstoffen hat Vorteile

Dass ein solcher Mix funktionieren kann, hat sich bei anderen Erkrankungen gezeigt, sagt der Infektiologe Michael Hölscher von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er denkt da etwa an HIV, wo sich gezeigt hat, dass verschiedene Kombinationen, z.B. DNA- und Vektorimpfstoff, eine sehr gute Immunantwort hervorrufen.

Je häufiger in Zukunft gegen Corona nachgeimpft werden muss - etwa, bei Virusmutationen – desto wichtiger könnte ein Mix werden. Denn die bisher zugelassenen Impfstoffe haben auf längere Sicht womöglich alle ihre Tücken, wenn sie allein eingesetzt werden. 

Zweite mRNA-Impfung hat mehr Nebenwirkungen

Gegen Corona werden drei Impfstoff-Typen entwickelt: Erstens: mRNA-Impfstoffe wie von Biontech/Pfizer oder Moderna. Sie bringen einen Teil des Virus-Bauplans in unseren Körper. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Nebenwirkungen bei der zweiten Impfung stärker ausfallen als bei der ersten. Dieses Problem könnte bei jeder weiteren Impfung noch zunehmen.

Das zeigt sich etwa bei Patienten mit Prostata-Krebs, bei denen mRNA schon länger getestet wird, gegen den Tumor, sagt Michael Hölscher. Wenn Krebspatienten messenger RNA-Impfstoffe bekämen, bestehe die Gefahr, dass die Nebenwirkungen ab dem dritten Mal mit jeder Impfung steigen. Das zeigten einzelne kleine Studien. 

Das Problem der Vektorimpfstoffe

Zweiter Impfstoff-Typ: Vektorimpfstoffe, wie etwa von AstraZeneca, Johnson & Johnson oder Sputnik V aus Russland. Sie nutzen ein harmloses Erkältungsvirus als Taxi - mit Teilen des Corona-Virus an Bord. Das Immunsystem richtet sich aber nicht nur gegen das Corona-Fragment, sondern auch gegen das Taxi. Mit jeder weiteren Impfung wird das Immunsystem also wohl schlechter angeregt.

Das Problem hat sich schon bei der Zulassungsstudie von AstraZeneca gezeigt: Probanden, die beim zweiten Mal nur die halbe Impfdosis erhalten hatten, haben sogar einen besseren Immunschutz ausgebildet.

Totimpfstoffe von Novavax und Sanofi

Wegen all der Tücken könnte die dritte Impfstoff-Klasse im Rennen helfen: Protein- oder auch Totimpfstoffe, aktuell im Rennen sind damit die Unternehmen Novavax und Sanofi.

Dabei werden Corona-Viren abgetötet und Teile davon dem Immunsystem präsentiert. Doch das Immunsystem wird unter Umständen nicht so breit angeregt. Sanofi musste im Dezember einräumen, dass die Wirksamkeit gerade bei älteren Probanden deutlich schlechter sei als erhofft.

Kombination von Totimpfstoffen vielversprechend

Trotzdem könnte den Impfstoffen eine wichtige Rolle zukommen: Weil sie vermutlich mehrfach gegeben werden können, ohne dass sie schlechter wirken oder weniger verträglich sind. Gerade mit ihnen könnten sich also Kombinations-Tests lohnen. 

Die seien wichtig, weil nicht jeder Mix vorteilhaft sein muss, sagt der Infektiologe Christoph Spinner von der TU München. Es gebe aber auch Impfkombinationen, wo sogar durch die Kombination verschiedener Impfstoffe eine schwächere Immunantwort erzeugt werde: "Und das möchte man natürlich auf keinen Fall", so Spinner.

Weil die Hersteller an gemischten Tests eher wenig Interesse haben dürften, müsse die öffentliche Hand diese Studien finanzieren, fordert Michael Hölscher. Die aktuelle Studie aus Oxford wird von der Britischen Regierung mit rund acht Millionen Euro unterstützt. Im Juni rechnen die Englischen Forscher mit ersten Ergebnissen.

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