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Knopfzellen
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Yvonne Maier
Jenny von Sperber
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Knopfzellen

Leonie ist noch nicht ein Jahr alt, da baut sie die alte Sankt-Martins-Laterne ihres Bruders auseinander und entdeckt: eine kleine, runde und silbern glänzende Knopfzelle. Rein damit in den Mund und heruntergeschluckt. Bald fällt ihrer Mutter auf, dass mit ihrer Tochter irgendwas nicht in Ordnung ist: Sie speichelt stark, weint und hört auf zu essen. Zeichen dafür, dass ein verschluckter Gegenstand in der Speiseröhre feststeckt.

Röntgenbild zeigt stecken gebliebene Knopfzelle

Erst im Krankenhaus wird durch ein Röntgenbild klar, was da feststeckt: die Knopfzelle aus dem LED-Licht der Laterne. Das Mädchen wird sofort operiert.

"Ich war natürlich völlig überrumpelt. Erstens, dass sie wirklich was verschluckt hatte, was ich nicht geglaubt hatte, und zweitens, was für ein Wirbel über mich hereinbrach, mit dem ich gar nicht umgehen konnte. Ich durfte sie noch bis zum OP-Saal bringen. Ja, das war natürlich ganz schwierig für mich, sie dann dort zu lassen." Leonies Mutter

Kinder mit Lampions - in denen LED-Lichter statt Kerzen verwendet werden. Sind dort Knopfzellen drin, kann das gefährlich werden.

Kinder mit Lampions - in denen LED-Lichter statt Kerzen verwendet werden. Sind dort Knopfzellen drin, kann das gefährlich werden.

Leonie wird sofort operiert, weil Knopfbatterien bei kleinen Kindern nicht einfach durch den Körper hindurch wandern, wie eine verschluckte Murmel. Meistens heften sie sich an die Schleimhäute der Speiseröhre und bleiben so stecken. Dort können sie immensen Schaden anrichten.

"Da gibt es drei Engen in der Speiseröhre, die bei jedem Patienten vorliegen. Meist in der oberen Enge bleiben diese Batterien hängen. Die Batterie kann auf der Gewebeoberfläche zu einer Verätzung führen, durch das Material der Batterie, und die frisst sich in das Gewebe hinein und kann dann sogar die ganze Speiseröhrenwand durchbrechen und ein richtiges Loch hinterlassen." Dr. Sebastian Otte, Kinder-Gastroenterologe, Haunersche Kinderklinik in München

Wenn es erst einmal so weit gekommen ist, wachsen diese Löcher nicht mehr von selbst zu, es muss operiert werden. Aber selbst wenn die Knopfzelle nur Narben hinterlässt, führt das zu Problemen. So werden die Engstellen noch enger und sie können ein Leben lang Schwierigkeiten beim Schlucken bereiten.

"Je stärker der Defekt an der Speiseröhre ist, desto gravierender kann auch die Infektion, die dadurch mit ausgelöst wird, eine Rolle spielen. Es kann eine Blutvergiftung entstehen, so dass die Patienten dadurch auch lebensbedrohlich krank werden." Dr. Sebastian Otte, Kinder-Gastroenterologe, Haunersche Kinderklinik in München

Immer wieder kommt es durch verschluckte Knopfzellen zu Todesfällen, allein in Nordamerika entfernen jedes Jahr Ärztinnen und Ärzte über 2.500 Kindern solche Batterien aus der Speiseröhre.

Krankenhausaufenthalt wegen verschluckter Knopfzelle

Leonie hat ihre Knopfzelle aus der LED-Lampe zwei Wochen lang im Hals, elf Tage bleibt sie im Krankenhaus und muss mit einer Sonde ernährt werden. Heute ist sie wieder gesund.

"Bei Leonie war das Glück, dass sich die Batterie nicht komplett an die Speiseröhrenwand angelegt hatte, sondern nur die Ränder. Genau an diesen Rändern hat man schon deutliche Verätzungen gesehen an der Schleimhaut. Dies sind aber zum Glück normal abgeheilt." Dr. Eberhart Lurz, Kinder-Gastroenterologe, Haunersche Kinderklinik in München

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Jenny von Sperber

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IQ - Wissenschaft und Forschung vom 09.11.2018 - 18:05 Uhr