Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Klimawandel in Bayern: Felssturzgefahr in den Alpen | BR24

© BR / Kontrovers 2018

In den vergangenen 130 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in Bayern um 1,4 Grad Celsius gestiegen - jetzt melden Forscher der TU neue alarmierende Zahlen. Bei einer Messung im Inneren der Zugspitze machten sie eine erschreckende Entdeckung.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Klimawandel in Bayern: Felssturzgefahr in den Alpen

In den vergangenen 130 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in Bayern um 1,4 Grad Celsius gestiegen - jetzt melden Forscher der TU neue alarmierende Zahlen. Bei einer Messung im Inneren der Zugspitze machten sie eine erschreckende Entdeckung.

Per Mail sharen

Riccardo Scandroglio, Umweltingenieur der TU München, fährt mit seinen Forschungskollegen auf die Zugspitze. Nach dem diesjährigen Hitzesommer wollen sie messen, wie sehr der Berg Schaden von der Hitze genommen hat. Seit zehn Jahren untersuchen sie den Permafrost in der Zugspitze. An ihm kann man die Auswirkungen des Klimawandels sehen.

Eis im Inneren der Zugspitze schmilzt

Die Zugspitze hat im Inneren einen Kern, der stetig unter null Grad liegt: die sogenannte Permafrost-Linse. Dort ist das Gestein seit Jahrtausenden gefroren. Das Eis hält den Berg stabil. Doch in den letzten 130 Jahren stieg die Durchschnittstemperatur in Bayern: von 6,8 auf 8,2 Grad Celsius. Die Folge: Die Permafrost-Linse taut. Normalerweise schmilzt die Linse bis zu fünf Meter im Jahr, so die Forscher der TU München. Aber nach dem letzten Sommer könnte das mehr geworden sein.

Wie akut ist das Problem?

Um das zu messen, überprüfen die Wissenschaftler nun, wie viel Permafrost noch da ist. Dafür müssen sie ins Innere der Zugspitze. "Wir machen eine Art Tomographie vom Felsen", erklärt Riccardo Scandroglio. Dazu leiten die Forscher Strom in den Berg. Je nachdem, wie kalt der Fels ist, ändert sich sein Widerstand. Dadurch bekommen sie ein Bild, wo überall noch Permafrost ist - und wo nicht mehr.

Niedrigster Wert seit Beginn der Messungen

Die Daten, die sie nach dem Auswerten erhalten, sind alarmierend: Das Eis im Inneren des Zugspitzgipfels, der Permafrost, ist auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen vor zehn Jahren. Das heißt: Das umliegende Gestein wird porös. "Das kann auch zu Felsstürzen führen", so Geologe Michael Krautblatter, Professor an der TU München. Für den Tourismus wäre das katastrophal - fast 600.000 Touristen besuchen jährlich die Zugspitze.

Was heißt das für den Tourismus in den Bergen?

"Wir sind uns bei der Zugspitze relativ sicher, dass in 50 Jahren kein Permafrost mehr da ist. Das heißt: Die Infrastruktur, die jetzt eingerichtet wird, muss im Hinblick darauf gebaut werden: Wie ist die Zugspitze ohne Permafrost?", so Krautblatter. Auch an anderen Orten beobachten er und sein Forscherteam die Veränderung der Alpen. Mit Frühwarnsystemen wollen sie bei akuten Situationen dafür sorgen, dass die Menschen vor Ort rechtzeitig gewarnt werden. Fakt ist: Der Klimawandel bedroht die Berge - und somit auch die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen in Bayern.