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Klimaneutrales Fliegen ist Zukunftsmusik | BR24

© dpa-Bildfunk

Viel Kerosin, viel CO2.

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Klimaneutrales Fliegen ist Zukunftsmusik

Fliegen ist ein Klimakiller. Riesige Mengen Kohlendioxid werden ausgestoßen, die als Treibhausgas die Erderwärmung vorantreiben. Wie kann man also die CO2-Bilanz beim Fliegen verbessern?

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Autos und Busse fahren bereits mit Elektromotoren. Warum soll das nicht auch bei Flugzeugen funktionieren? Das Problem dabei ist die Speicherung des Stroms, erklärt André Thess, Institutsleiter für Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

"Batterien sind für kurze Strecken und für kleine Flugzeuge eine hervorragende Möglichkeit, Energie zu speichern. Sie sind aber für mittlere und lange Strecken viel zu schwer und das Laden dauert viel zu lange. Bei einem batteriebetriebenen Flugzeug müssen Sie pro Kilometer mehr als ein Kilogramm Batterie an Bord haben." André Thess, Institutsleiter für Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Wasserstofftanks wären viel zu groß

Batterien sind bei großen Flugzeugen also undenkbar. Mit Brennstoffzelle und Wasserstoff im Tank zu fliegen, wäre theoretisch möglich. Beim Wasserstoff gibt es aber wieder ganz andere Schwierigkeiten, meint Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer bei der Non-Profit-Organisation Atmosfair.

"Sie haben einfach ein Volumenproblem. Und wenn Sie mal so Bilder gesehen haben von Jets, die mal mit Wasserstoff fliegen sollten oder könnten, dann sehen Sie immer, dass unten die Röhre, wo die Passagiere drinsitzen, ist, und darüber gibt es eine deutlich größere Röhre, wo dann der Wasserstoff getankt ist. Das heißt, Sie müssen die Flugzeuge einfach nochmal komplett bauen." Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer bei der Non-Profit-Organisation Atmosfair

Zweifelhafte Herstellung von "Bio-Kerosin"

Es braucht also Zwischenlösungen, auf die manche Fluglinien heute schon setzen. Ähnlich wie beim Auto und E10 mischen sie nämlich schon jetzt Biosprit unter das klassische Kerosin. Pflanzen filtern das Kohlendioxid aus der Luft heraus, wandeln es um, daraus entsteht Kraftstoff, der beim Verbrennen wieder Kohlendioxid freisetzt. Zwei Haken gibt es allerdings: Biokraftstoff wird mit viel Energie- und CO2-Aufwand produziert. Und: "Letztlich kommt heute viel von dem Biosprit, der hergestellt und vertankt wird, immer noch aus Palmöl", meint Dietrich Brockhagen.

Es ist der Teller-Tank-Konflikt: Äcker, auf denen Kraftstoff angebaut wird, fehlen für Nahrungsmittel. Forscher arbeiten an Auswegen, zum Beispiel daran, für Biokerosin spezielle Algen anzubauen. Die könnten in Algenfarmen auch in der Wüste wachsen. Aber ob das jemals wirtschaftlich klappt, ist noch lange nicht sicher.

Künstliches Kerosin bei hohem Energieaufwand

Dafür gibt es aber noch eine ganz andere Möglichkeit, zu sauberem Flugzeugtreibstoff zu kommen: künstlich hergestellt aus Kohlen- und Wasserstoff. Wenn man diesen Kohlenstoff direkt aus der Luft zieht, dann kommt man an diesem Teller-Tank-Konflikt vorbei und kann trotzdem nachher flüssiges Kerosin erzeugen. Aber auch das passiert derzeit noch im Labor.

Die ersten Bioraffinerien sind bereits in Bau, inklusive Ökostrom vom Windpark vor der Küste. Doch dieser Prozess verschlingt Unmengen an Strom. Greenpeace hat ausgerechnet: 200 Terawattstunden pro Jahr bräuchte es mittelfristig, um künstliches Kerosin nur für den deutschen Markt herzustellen. Zum Vergleich: Letztes Jahr kamen in Deutschland 229 Terawattstunden aus erneuerbaren Energien. Heißt: Synthetisches Kerosin sauber herzustellen ist technisch möglich – aber nur, wenn Strom aus Wind, Wasser oder Sonne im Überfluss da ist.

"Es wird der Zeitpunkt kommen, wo das Energieproblem weltweit gelöst ist. Das ist zumindest meine Hoffnung. Und ich denke, das ist auch möglich. Und in dem Augenblick wäre das kein Problem mehr, auch ineffizient Kerosin herzustellen." Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer bei der Non-Profit-Organisation Atmosfair
© BR

Beim Auto sind alternative Antriebstechniken serienreif, für Flugzeuge ist Kerosin auf Erdöl-Basis alternativlos. Aber der immer schnellere Klimawandel erhöht den Druck auf die Forschung. In München arbeitet ein Team von Wissenschaftlern an Lösungen.