BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / Jan Eifert | Jan Eifert
Bildrechte: picture alliance / Jan Eifert | Jan Eifert

Ein halb geschmolzener Schneemann steht auf einer grünen Wiese vor den Allgäuer Hochalpen.

54
Per Mail sharen

    Klima in Bayern: Trotz langem Winter keine Entspannung

    Der Winter ist lang und der Klimawandel womöglich weit weg, so zumindest lässt sich manch Gefühl in diesen Tagen beschreiben. Doch das täuscht. Kalte Nächte bis Ende April ändern nichts am fortschreitenden Klimawandel, meinen Forscher aus Garmisch.

    54
    Per Mail sharen
    Von
    • Monika Haas
    • BR24 Redaktion

    Eine kurze Umfrage im Würzburger Steinbachtal zeigt: Die Menschen in Unterfranken machen sich Sorgen. Der Klimawandel nehme immer mehr Fahrt auf und gerade in Franken sind die Folgen inzwischen unübersehbar. Großflächig sterben Bäume ab. "Würzburg ist einer der Hotspots. Unterfranken ein ganz trockenes Gebiet mit sehr sehr wenig Wasser", so die Meinung eines Befragten.

    Wissenschaftler beobachten Trockenzeiten ganz genau

    Klimaforscher Harald Kunstmann von der Universität Augsburg berechnet am KIT Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen aus seinen Messdaten die Entwicklung in Bayern. Der Trend sei eindeutig, sagt er. "Es häufen sich Rekordjahre. Das Jahr 2020 war unter den Top 3 der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Unsere Forschungen gehen dahin, nicht mehr die nächsten 20, 50 Jahre vorherzusagen, sondern die kommenden Monate.“

    Sehr niedriger Grundwasserspiegel

    Die Folgen der Klimaveränderung werden sich womöglich schneller als gedacht verschärfen, so der aktuelle Bericht der Welt-Wetterorganisation. Die Grundwasserspiegel in Bayern, besonders in Franken, seien aufgrund langer Trockenheitsperioden historisch niedrig. Das gelte besonders für die Winter und die Frühjahrszeit der vergangenen Jahre.

    Vor allem Bauern sind die Leidtragenden

    Die Folgen machen immer mehr Landwirten und Waldbesitzern zu schaffen. Sogar die Stauseen als Wasserreservoir im ohnehin trockenen Franken brauchen mittlerweile ein vorausschauendes klimasensibles Management. Gemeinden und Wasserwerke bauen bei diesen auf lokale und saisonale Vorhersagen aus der Wissenschaft, an denen Harald Kunstmann forscht. "In der Wasserwirtschaft von großen Stauseen erleichtert dies einem die Planung, ob man jetzt Wasser besser ablässt, oder ob man Wasser besser für die kommende Trockenperiode anstaut."

    Dürreresistente Pflanzen sind nötig

    Selbst wenn es zwischenzeitlich mehr Niederschläge gibt: Sie ändern am verbreiteten Wassermangel tief im Erdreich wenig. Es müsste wochenlang stark regnen, um die Grundwasserstände auf Normalmaß zu bringen. Eine Lösung für Waldbesitzer und Landwirte sind aus Sicht der Wissenschaft langfristig nur Neupflanzungen mit klimaresistenten Sorten, die längere Hitze- und Dürreperioden überstehen.

    Langer Winter beruhigt Forscher nicht

    Die Messungen von Harald Kunstmann am KIT Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen zeigen aber auch, dass der Klimawandel sich nicht überall gleich auswirkt. Bayern ist nach den Berechnungen der Klimaforscher bei den Niederschlägen sogar dauerhaft zweigeteilt. Im Süden regnet es mehr, vor allem im Alpenvorland.

    "Dieser Winter und diese vergleichsweise lange Schneeperiode geben eigentlich keinen Anlass zur Entwarnung – im Gegenteil: Wir wissen, dass wir uns hier und im alpinen Bereich auf weit höhere Temperaturerhöhungen einstellen müssen.“ Harald Kunstmann, KIT Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen

    Veränderte Bewirtschaftung in touristischen Gebieten

    Die Auswirkungen der globalen Erderwärmung in Form höherer Temperaturen im Frühjahr und Winter erleben auch die Menschen im Süden des Freistaats. Die Folge hier: eine steigende Schneefallgrenze in den Bergen, die schon in absehbarer Zeit den alpinen Sport endgültig verändern könnte: Statt Pisten zum Skifahren gibt es auch im Winter schneefreie Wanderwege.

    Die Zeit wird knapper, um die gesetzten Klimaziele noch zu erreichen. Das liest der Experte an den Ergebnissen des jüngsten "Global Climate Reports" der Weltwetterorganisation ab. "Wir bewegen uns weiterhin auf Rekord-Treibhausgas-Emissionen in der Atmosphäre zu. Das zeigt nochmals, wie schwierig es letztlich ist, trotz Lockdowns diese weltweiten Kohlendioxid-Emissionen wirklich massiv zu reduzieren."

    Aktuelle Forschungsergebnisse zu den Folgen der Erderwärmung werden am Donnerstag, pünktlich zum "Earth-Day" am 22. April bekanntgegeben. Dann zieht der europäische Klimawandeldienst Copernikus seine aktuelle Bilanz.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!