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Von wegen bindungsscheu: Katzen hängen doch an ihren Menschen | BR24

© picture alliance / blickwinkel

Katzen haben vier verschiedene Arten von Bindung zu ihren Besitzern.

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Von wegen bindungsscheu: Katzen hängen doch an ihren Menschen

Katzen verhalten sich in neuen Situationen ihren Besitzern gegenüber ähnlich wie Kleinkinder ihren Eltern gegenüber. Entscheidend ist die Art der Bindung an ihre Bezugspersonen. Für die Mehrheit der Katzen ist der Besitzer eine sichere Basis.

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Katzen binden sich auf ähnliche Weise an ihre menschlichen Bezugspersonen wie kleine Kinder an ihre Eltern. Das haben Forscher von der US-amerikanischen Oregon State University in Corvallis mit einem Versuch herausgefunden, der in seinem Aufbau den klassischen Studien zur Eltern-Kind-Bindung nachempfunden ist. Statt Kleinkinder und ihre Mütter wurden für die Studie aber 79 Katzen im Alter von drei bis acht Monaten und ihre Halter beobachtet.

Bei Katzen herrschen vier bekannte Bindungsstile vor

Die Katzenbesitzer mussten mit ihrer Katze jeweils in einen mit Kameras überwachten Raum, in dem sie zwei Minuten mit dem Tier zusammen waren und dann hinausgingen. Die Katze wurde zwei Minuten lang in dem Raum allein gelassen. Danach kehrte der Besitzer zurück. Die Katzen reagierten jeweils unterschiedlich auf die Situation: 70 der 79 Katzen ließen sich nach ihrem Verhalten aber klar einem bestimmten Bindungstyp oder Bindungsstil zuordnen – und dieser Bindungstyp entspricht den Typen, die bereits durch vergleichbare Studien bei Menschen und Hunden entdeckt werden konnten. Die Forscher stellten bei den Katzen vier klar unterscheidbare und schon von anderen Arten bekannte Bindungsstile fest.

Wie Katzen reagieren können, wenn sie allein gelassen werden

Bei vielen Katzen ließ der Stress durch die Rückkehr der Besitzer sofort nach. Sie suchten nach der Trennung die Nähe des Besitzers und erkundeten dann weiter den Raum. Dies wurde in der Studie wie bei anderen Spezies auch als "sichere Bindung" bezeichnet. Der Besitzer stellte offensichtlich eine sichere Basis dar, mit deren Rückhalt Katzen sich zutrauten, neuen Situationen zu begegnen.

Andere Katzen waren nach der Rückkehr des Besitzers weiterhin ängstlich und verhielten sich besonders anklammernd, sie wichen ihren Haltern nicht mehr von der Seite – dies wurde als "unsicher-ambivalente Bindung" bezeichnet. Wieder andere beachteten den rückkehrenden Besitzer kaum ("unsicher-vermeidende Bindung"). Bei einer vierten Gruppe schienen die Gefühle im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung zu sein ("desorganisierte Bindung").

Mehrheit der Katzen hat eine sichere Bindung zu Besitzern

Das erste Verhaltensmuster zeigt eine sichere Bindung an den Besitzer, die anderen drei Verhaltensmuster sind Ausdruck einer unsicheren Bindung. Die Mehrheit der Katzen ist sicher gebunden und ihr Besitzer bedeutet für sie eine Quelle von Trost und Sicherheit. Insgesamt 64,3 Prozent der jungen Katzen waren sicher und nur 35,7 Prozent galten als unsicher gebunden. Das Vorurteil, alle Katzen seien scheu und distanziert, könnte sich entwickelt haben, weil das Verhalten unsicher-gebundener Katzen verallgemeinert wurde, so die Studienautoren.

Verhaltenstraining änderte nur wenig am Bindungsverhältnis

Die Wissenschaftler betonen, dass das Bindungsverhalten der Katzen in der Testsituation sich auch nach einem sechswöchigen Verhaltenstraining nur unwesentlich änderte. In das Training wurde ein Teil der Katzen einbezogen, um die Bindung zwischen Katzen und Haltern zu intensivieren. In diesem zweiten Durchlauf erwiesen sich 68,6 Prozent der Katzen als sicher, 31,4 Prozent als unsicher gebunden.

Spielen Gene beim Bindungsverhalten eine Rolle?

Die Studienautoren folgern daraus, dass die Art der Bindung bei Katzen auch genetisch beeinflusst wird. Als die Forscher den Versuch mit 38 erwachsenen Katzen wiederholten, zeigte sich eine ganz ähnliche prozentuale Verteilung, was belegt, dass das Bindungsverhalten von Katzen über ihre Jugend hinaus stabil bleibt.

Katzen binden sich ähnlich wie Kinder an ihre Bezugspersonen

Zudem ist ein weiterer Aspekt bedeutsam: Tests zufolge sind auch menschliche Kinder zu 65 Prozent sicher gebunden. "Hauskatzen spiegeln dies auf sehr ähnliche Weise", so Studienforscher Kristyn Vitale laut einer Mitteilung des Verlages von der Fachzeitschrift "Current Biology", in der die Studie veröffentlicht wurde. Ihre soziale Flexibilität könne den Katzen auch den Weg in die Haushalte der Menschen geebnet haben.

Der mit den Katzen erfolgte Versuch, der auch als «Strange Situation Test» bekannt ist, geht auf die amerikanisch-kanadische Psychologin Mary Ainsworth (1913-1999) zurück. Ainsworth entwickelte das Testverfahren in den späten 1960er Jahren für Kleinkinder und ihre Mütter und beschrieb die verschiedenen Bindungstypen. Ihre Ergebnisse sind bis heute bedeutsam für die Forschung.

© BR

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