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Farbiges Kirchenfenster mit Bild Karls des Großen, Kölner Dom
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Autoren

Tanja Fieber
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Farbiges Kirchenfenster mit Bild Karls des Großen, Kölner Dom

Karl der Große, der im 8. Jahrhundert lebte (zwischen 742 und 748 bis 814), gilt als Schlüsselfigur der mittelalterlichen Geschichte und als einer der ersten Herrscher, die Kontinentaleuropa vereinigten. Bestattet wurde er am 28. Januar 814 in Aachen. Sein Grab in der Pfalzkapelle beziehungweise dem Aachener Dom wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Herrschern geöffnet und die Gebeine umgebettet. Dass überhaupt noch Überreste des mittelalterlichen Herrschers zu finden sind, ist der Bearbeitung des Leichnams zu verdanken. Im Mittelalter gab es zwar keine professionellen Einbalsamierer, aber die Leiche Karls des Großen wurde mithilfe einer großen Menge aromatischer Gewürze mumifiziert.

Letzte Autopsie Karls des Großen 1988

Der Duft der aromatischen Gewürze war bei der letzten Graböffnung im Jahr 1988 verflogen. Den Wissenschaftlern schlug ein bestialischer Gestank entgegen. Im Grab lagen 94 Knochen und Knochenfragmente - auf roter Seide, fein säuberlich aufgereiht und mit einem roten Band oder Goldfäden angebunden. Überrascht waren Anthropologe Joachim Schleifring und seine Kollegen von einem kleinen Seidensäckchen, das auch im Grab lag. Es enthielt mumifiziertes Gewebe, vermutlich Muskulatur, sagt Mumienspezialist Frank Rühli vom Institut für Evolutionäre Medizin an der Universität Zürich.

Knochen auf roter Seide im Grab Karls des Großen

Knochen auf roter Seide im Grab Karls des Großen

Karl der Große hatte Gicht und Lungenentzündung

Schleifring und Rühli sichteten die Daten der Exhumierung von 1988 erneut sowie historische Berichte und meinen, die Todesursache Karls des Großen gefunden zu haben: Der Herrscher ist wohl an einer Infektion der Lunge, wahrscheinlich einer Lungenentzündung, gestorben. Sein Körper war zudem durch die Stoffwechselerkrankung Gicht geschwächt. Historische Quellen besagen, dass Karl der Große ein Bad nahm, Fieber bekam und sieben Tag später starb. Zu diesem Zeitpunkt war er 72 Jahre alt.

Karl der Große war wirklich groß und liebte Fleisch

Gicht könnte Karl der Große unter anderem bekommen haben, weil er viel Fleisch aß und einem Hirschbraten nie abgeneigt gewesen sein soll. Den Rat seiner Ärzte befolgte der Herrscher nicht. Im Alter hat er gehinkt, was eine Folge der Gicht gewesen sein könnte. Die sterblichen Überreste Karls des Großen lassen auch Rückschlüsse auf sein Äußeres zu: Der Herrscher war mit 1,84 Metern Körpergröße wohl überdurchschnittlich groß für sein Zeitalter. Männliche Zeitgenossen waren im Schnitt mit 1,69 Metern 15 Zentimeter kleiner. Wahrscheinlich hat Karl der Große 78 Kilogramm gewogen, hatte einen Body Mass Index (BMI) von 22 und dunkelbraune Haare mit blonden Strähnen.

Grab Karls des Großen unter Verschluss

Gerne würden Schleifring und Rühli das Grab ein weiteres Mal öffnen, um ihren Verdacht zu bestätigen und zu klären, woher der strenge Geruch kommt. Grund könnte beispielsweise ein Pilzbefall sein oder chemische Konservierungsmittel, die der berühmte Anatom Professor Hermann Schaaffhausen im 19. Jahrhundert bei der Untersuchung der Knochen verwendet haben könnte. Doch die Leiterin der Aachener Domschatzkammer, Birgitta Falk, will "die Ruhe des Toten nicht wieder stören". Die Knochen seien im Schrein unter guten klimatischen Bedingungen in einer Vitrine untergebracht.