Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Kalk im Trinkwasser: für den Menschen ungefährlich | BR24

© BR/Lisa Hinder

Ein laufender Wasserhahn.

2
Per Mail sharen
Teilen

    Kalk im Trinkwasser: für den Menschen ungefährlich

    In einigen Gebieten Bayerns ist das Trinkwasser besonders kalkhaltig. Das kann durchaus Folgen für Haushaltsgeräte haben. Doch für die menschliche Gesundheit ist der Kalk keine Gefahr.

    2
    Per Mail sharen
    Teilen

    Gerade entlang der Alpen ist das Trinkwasser in bayerischen Gemeinden hart: Das bedeutet Kalk-Schlieren im Topf und an Bad-Armaturen, mehr Putzen und mehr Waschmittel verbrauchen und auch eine kürzere Lebenszeit von empfindlichen Haushaltsgeräten. Denn Kalk, die chemische Verbindung von Calciumcarbonat und Magnesium, hält sich hartnäckig. Als ebenso hartnäckig erweisen sich auch die Ängste vor möglichen Gefahren von kalkhaltigem Wasser aus dem Leitungshahn.

    Falsche Mythen um wichtige Mineralien

    Setzt sich Kalk in unserem Körper ab, wie in unseren Küchengeräten? Das alte Missverständnis beunruhigt nicht nur im Internet besorgte Menschen: In Chats kursieren Behauptungen, wonach kalkhaltiges Wasser allerlei Krankheiten verursacht.

    Schmerzhafte Kalkablagerungen in unserem Körper, wie eine Kalkschulter oder Nierensteine werden aber nicht von kalkhaltigem Wasser verursacht. Und auch bei Infarkten liegen die Ursachen zwar im Lebensstil, aber nicht am Wasser, weiß Professor Christian von Bary, Chefarzt der Kardiologe am Rotkreuzklinikum München: "Wenn wir von Gefäßleiden sprechen, von Arteriosklerose, nennen wir das auch umgangssprachlich 'Verkalkung'. Das ist vielleicht ein bisschen irreführend, denn in keinem Falle ist Kalk im Trinkwasser ein Risikofaktor. Denn überschüssiger Kalk, den wir zu uns nehmen, wird über die Nieren wieder ausgeschieden. Bei der Arteriosklerose kommt es durch komplexe biochemische und auch entzündliche Prozesse in der Gefäßwand zu einer Veränderung der Gefäßwand und schlussendlich zu einer Verkalkung der Gefäßwand. Gefährlich ist dagegen ein hoher Cholesterinwert, Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht."

    Gesundheitsexperten sind sich einig: Das bayerische Trinkwasser ist gesund, auch wenn es stark kalkhaltig ist. Der Körper braucht die Mineralien sogar: Calcium, um seine Knochen und Zähne zu bilden und Magnesium für die Muskeln. Mineralwässer werben deshalb sogar mit diesen Inhaltsstoffen. Aber sogar wenn das Wasser aus der Leitung kalkhaltig ist: Mineralien nehmen wir hauptsächlich über das Essen auf.

    Kalkbelastung: Trinkwasser wird streng kontrolliert

    Wasser ist gesund und eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel. Die Trinkwasserverordnung garantiert, dass das Leitungswasser regelmäßig geprüft wird. Wichtig ist dabei nicht so sehr die Kontrolle der Wasserhärte, sondern von unerwünschten Gefahrstoffen wie Blei oder Nitrat und chemischen Rückständen, die gesundheitsschädlich sein können.

    Auskunft über die Wasserqualität vor Ort erteilen die regionalen Wasserwerke. Hier erfahren die Bürger auch den Härtegrad in ihrer Gemeinde. Deutschlandweit ist die Härte in 3 Stufen eingeteilt: weich, mittel und hart. Zu den sogenannten Härtebildnern im Wasser gehören in erster Linie Calcium und Magnesium, aber auch Strontium und Barium. Diese Inhaltsstoffe gehören zu den Erdalkalimetallen.

    Der jeweilige Härtegrad des Trinkwassers wird über die Konzentration ihrer gelösten Ionen im Wasser bestimmt. Die Maßeinheit wird in Deutschen Härtegraden angegeben, kurz dH. Von 0 bis 8,4 Grad dH spricht man von weichem Wasser, bei 8,5 bis 14 Grad dH von mittelhartem Wasser und bei über 14 Grad dH von hartem Wasser. Wichtig ist das für Industrieanlagen, Betriebe mit empfindlichen Geräten und für den Alltagsgebrauch: Moderne Wasch- und Spülmaschinen können auf den Härtegrad eingestellt werden, und mit steigender Wasserhärte benötigen die Verbraucher mehr Waschmittel und Spülmaschinensalz.

    Entkalkungsanlagen versprechen viel - aber lohnen sich selten

    Im Würmtal, in Teilen Oberbayerns und im Allgäu ist das Wasser sehr hart, mit teils über 20 dH. Eine Entkalkungsanlage ist da sinnvoll für Unternehmen, Labore oder Zahnarztpraxen, die konstant viel Wasser verbrauchen und gleichzeitig hochempfindliche Geräte nutzen. Für private Wohnhäuser lohnt sich die Anschaffung einer Entkalkungsanlage dagegen nur, wenn Boiler oder Rohre tatsächlich starke Verkalkungen aufweisen und so langfristig eine Komplettsanierung drohen könnte. Denn Kalk im Rohr ist schädlich, so Installateur Stefan Oetzl. Der Experte für Wasserhygiene kennt sich aus mit Sanierung und Entkalkung . Er hat 2019 den bayerischen Staatspreis für die Arbeit seines Meisterbetriebs erhalten: "Ich würde raten, dass man erstmal die Ventile anschaut, inwieweit sind die verkalkt. Und wenn man dann tatsächlich sieht, das macht Sinn und investieren möchte, kann man sich eine physikalische Anlage oder eine auf Salzbasis anschaffen. Wichtig ist es, auf Markenprodukte zu achten mit DVGw-Zeichen oder gleichwertig.

    Die chemische Wasseraufbereitung arbeitet mit speziellen Harzen: Fließt das Leitungswasser durch die Anlage, werden ihm Kalzium-Ionen entzogen und mit Natrium-Ionen ersetzt. Das Wasser wird so nachweislich weicher, doch Nachteile sind der erhöhte Salzgehalt im Trinkwasser und, weil die Ionenaustauscher permanent mit Salz regeneriert werden, entsteht außerdem noch belastetes Abwasser. Hinzu kommt ein chemisches Desinfektionssystem, das sicherstellt, dass die Anlagen nicht verkeimen, denn Bakterien wie Legionellen gedeihen im Kalk und falls das Wasser länger steht. Zum Anschaffungspreis von durchschnittlich 2.000 Euro plus Montagekosten müssen Interessenten deshalb noch die regelmäßige Wartungen einkalkulieren.

    Halten die teuren Antikalkgeräte, was sie versprechen?

    Anders als die modernen chemischen Verfahren, existieren physikalische Antikalksysteme schon seit gut 100 Jahren. Das Prinzip: Elektrische oder magnetische Kalkstopper erzeugen im Wasserrohr Felder, die die Kalkstruktur verändern und Verkrustungen verhindern, weil der Kalk sich in seiner neuen Struktur nicht mehr ansetzen kann. Magnete oder elektrische Ringspulen werden dafür ins Rohr montiert oder um die Leitungen angebracht. Anders als bei den chemischen Anlagen entsteht kein umweltbelastendes Abwasser, aber: Bis heute fehlt ein wissenschaftlicher Nachweis für die Wirksamkeit der physikalischen Kalkstopper. Die Stiftung Warentest kam im Jahr 2000 zum Schluss, die meisten Geräte mit Magnetfeldern seien komplett wirkungslos. Neben deutschen Verbraucherschützern betont das auch die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in der Schweiz: "Über die Wirksamkeit dieser Geräte ist sich die Fachwelt nicht einig."

    Fazit: Kalk im Trinkwasser ist zwar lästig, aber in der Regel auch für die Rohrleitungen nicht gefährlich. Deshalb empfehlen Experten im Kampf gegen Kalk Plan B: Alle Wasserhähne regelmäßig nutzen, Wasser gut durchlaufen lassen und verkalkte Brauseköpfe und Perlatoren am Wasserhahn regelmäßig mit Zitronen- oder Essigsäure reinigen.