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Junge Wildtiere brauchen jetzt Schutz - vor Hunden und Menschen | BR24

© pa/dpa/Bildagentur-online

Junges Rehkitz

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    Junge Wildtiere brauchen jetzt Schutz - vor Hunden und Menschen

    Ob Hase, Reh oder Fasan: Die Brut- und Setzzeit hat begonnen. Freilaufende Hunde oder übertrieben fürsorgliche Spaziergänger stören die Wildtiere immer wieder. Worauf Hundehalter achten müssen und wie es anders geht, erklärt eine Hundetrainerin.

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    Sie sitzen in den Wiesen und sind oft kaum zu sehen: Junge Feldhasen und Rehkitze werden von den Muttertieren im Frühjahr auf den heimischen Wiesen und Feldern abgelegt. Nur wenige Male am Tag werden sie gesäugt, um nicht unnötig Feinde auf sie aufmerksam zu machen.

    Spaziergänger, die Jungtiere allein in den Wiesen sitzen sehen, müssen sich in der Regel keine Sorgen machen. Am besten hält man Abstand und berührt die Tiere nicht, um das natürliche Verhalten nicht zu stören. Denn wenn die Jungtiere den Geruch des Menschen annehmen, besteht die Möglichkeit, dass die Muttertiere ihre Jungen nicht mehr versorgen. Auch freilaufende Hunde können für die Jungtiere eine Gefahr sein, denn diese können in den ersten Lebenstagen noch nicht flüchten.

    Jeder Hund hat einen Jagdinstinkt

    Jäger und Wildbiologe Thomas Schreder aus Wartenberg im Landkreis Erding rät daher, Hunde während der Brut- und Setzzeit an die Leine zu nehmen. "Es gibt immer wieder erschreckende und grausame Szenen, die wir draußen erleben", erzählt Schreder. "Hunde, die unbeaufsichtigt herum laufen und dann auch tatsächlich wildern. Das heißt Hasen reißen oder auch Rehkitze töten."

    Auch wenn nicht jeder Hund ständig jagt - einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Jagdinstinkt tragen alle Hunde in sich - egal ob sie groß oder klein sind. Die Hunde während der Brut- und Setzzeit, die in Bayern von April bis Juli dauert, an die Leine zu nehmen, stellt die Hundehalter jedoch vor Herausforderungen.

    Auslastung durch Nasenarbeit und Schleppleinen

    Monika Westermaier-Weiß ist Hundetrainerin in Landshut und hat Tipps, wie man Hunde in diesen Monaten trotzdem gut auslasten kann. Schleppleinen können eine gute Alternative sein, da der Hund sich in einem relativ großen Radius frei bewegen kann, aber dennoch gestoppt werden kann. Außerdem empfiehlt die Hundetrainerin, den Hund durch sogenannte Nasenarbeit auszulasten.

    Dazu werden dem Hund Leckerlis versteckt und dabei auch falsche Verstecke vorgetäuscht, damit es für den Hund nicht zu einfach ist, die Leckerlis anschließend zu finden. Die Nasenarbeit fordert die Hunde, lastet sie aus und fördert ihre Konzentrationsfähigkeit.

    Heimische Natur ist zur Zeit das Kinderzimmer der Wildtiere

    Jäger Thomas Schreder nimmt bei seiner Arbeit im Revier wahr, dass zur Zeit wegen der Corona-Krise deutlich mehr Menschen als sonst Zeit haben, in der heimischen Natur unterwegs zu sein. Für ihn als Jäger sieht er darin eine Chance, um auch das Bewusstsein und den Respekt gegenüber den Wildtieren zu stärken.

    "Jeder ist herzlich willkommen, bitte gehen sie raus und genießen sie unsere Natur, aber haben sie bitte alle immer im Hinterkopf, dass wir im Kinderzimmer unserer Wildtiere sind und wir uns auch dementsprechend respektvoll verhalten sollten." Jäger Thomas Schreder

    Eine Leinenpflicht gibt es in Bayern während der Brut- und Setzzeit nicht. Doch bis Juli sollte man seinen Hund besonders gut im Auge behalten, um die jungen Wildtiere nicht unnötig zu stören.

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