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Junger Igel liegt im Gras auf dem Rücken.

Neugeborene Igel ähneln kleinen Nagelbürstchen: Sie sind hellrosa und besitzen bereits feine weiße Stacheln. Augen und Ohren sind in ihren ersten beiden Lebenswochen noch geschlossen, ihr Geruchssinn ist aber bereits gut ausgeprägt. Rund 24 Tage lang werden die Igelbabys von ihrer Mutter im Nest gesäugt. Dann kommen die ersten Zähnchen und die Igel werden aktiv.

Igel wagen sich mit drei Wochen aus dem Nest

Spaziergänger und Gartenbesitzer können die Kleinen frühestens mit drei Wochen entdecken, wenn sie die ersten kurzen Ausflüge mit ihrer Mama unternehmen. Igelmütter sind alleinerziehend. Um ihren riesigen Hunger während der Jungenaufzucht zu stillen, begeben sie sich vor allem nachts in einem weiteren Umkreis auf Futtersuche. Die Igelkinder bleiben währenddessen alleine - und gehen bald selbst auf Entdeckungsreise, um herauszufinden, was genießbar ist. Mit sechs Wochen machen sich die Jungigel bereits selbstständig auf Futtersuche.

"Ist ein Igelkind zu übermütig, verliert es bei solchen Verlockungen schon mal den Überblick und findet den Weg zum Nest nicht mehr zurück. Mit leisen Pieplauten ruft es dann nach seiner Mutter." Moritz Franz-Gerstein, Natur- und Artenschützer, Deutsche Wildtier Stiftung

Igelkinder können kurzzeitig alleine sein

Hört die Igelmutter die Rufe ihres Jungen, eilt sie herbei. Manchmal kann man ein verirrtes Igelkind tagsüber im Gras sitzen sehen. "Da kann man durchaus stutzig werden. Denn Igel sind fast immer dämmerungs- und nachtaktiv. Doch in der Regel ist auch dieser Tagesgast kein Waisenkind", betont Moritz Franz-Gerstein von der Deutschen Wildtier Stiftung. Viele der Igel, die Sie sehen, brauchen keine Hilfe.

"Manchmal wird ein Igelnest durch Gartenarbeiten zerstört. Die Igelmutter flüchtet zunächst und lässt ihren Nachwuchs zurück. Das muss noch nichts heißen." Martina Gehret, Igel-Expertin vom LBV

Vermeintlich verwaiste Igelkinder sollte man beobachten. Taucht die Igelmutter auch nach zwei Stunden nicht auf, ist der kleine Igel wohl tatsächlich verloren gegangen.

Ist der Igel verletzt oder krank?

Igel sind Wildtiere und kommen im Normalfall im Freien wunderbar zurecht. Nur tatsächlich verwaiste, kranke, verletzte oder unterernährte Igel benötigen Hilfe. Kranke Igel sind häufig unsicher auf den Beinen, wirken apathisch, bleiben auf einem Fleck sitzen und rollen sich bei Gefahr nicht mehr ein. Auch wenn Igel husten oder ihr Körper nicht mehr rundlich, sondern eingefallen wirkt, geht es ihnen nicht gut. Hier finden Sie weitere Merkmale, die darauf hindeuten, dass ein Igel Hilfe braucht.

"Wer einen Igel sieht und sich Sorgen macht, sollte zunächst sicherstellen, ob ihm wirklich etwas fehlt. Nur wenn das der Fall ist, darf das Tier aus der Natur entnommen werden." Moritz Franz-Gerstein, Natur- und Artenschützer, Deutsche Wildtier Stiftung

Einem Igel helfen

Wer einen hilfsbedürftigen Igel findet, sollte mit ihm einen Tierarzt oder eine spezielle Igelstation aufsuchen. "Hier erfolgt die Erstversorgung und der Finder kann wichtige Informationen zur richtigen Pflege bekommen", rät der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. Martina Gehret, die Igel-Expertin vom LBV gibt jedoch zu bedenken: "Die Aufzucht verwaister Igelsäuglinge ist ein Mammutprojekt, das je nach Alter und Anzahl der Babys sehr belastend sein kann." Auf ihrem Blog gibt sie Tipps, wie die Handaufzucht gelingen kann.

"Keinesfalls sollten Sie einem Igel Milch geben." Moritz Franz-Gerstein, Natur- und Artenschützer, Deutsche Wildtier Stiftung