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Unter US-Schülern ist die E-Zigarette Juul, die an einen USB-Stick erinnert, sehr beliebt. Nun kommt sie auf den deutschen Markt.
© dpa-Bildfunk/Magdalena Tröndle

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Georgia Tscharke
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Unter US-Schülern ist die E-Zigarette Juul, die an einen USB-Stick erinnert, sehr beliebt. Nun kommt sie auf den deutschen Markt.

Sie sieht aus wie ein unscheinbarer Feueranzünder für Adventkerzen. An amerikanischen Universitäten und Highschools kennt inzwischen fast jeder die stark nikotinhaltige E-Zigarette. Die Jugendlichen "juulen" wie sie selbst sagen. Wie andere E-Zigaretten besteht sie aus einer Batterie, einem Erhitzer und einer kleinen Kapsel mit Flüssigkeit. Und genau die hat es in sich: In Europa darf jede Kapsel 20 Mikrogramm Nikotin pro einem Milliliter Flüssigkeit enthalten. Das entspricht einer Nikotin-Konzentration von 1,7 Prozent. Im Vergleich dazu enthalten die verkaufsüblichen Juul-Kapseln in den USA 59 Milligramm Nikotin pro Milliliter, eine Konzentration von fünf Prozent. Das ist die Dosis für einen sehr starken Raucher.

Juul ist E-Zigarette für die hippe Generation

Die Nikotin-Dosis zum Dampfen ist erhältlich in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Mango oder Minze. Deshalb ist sie wohl auch für junge Menschen so interessant. Denn keiner merkt mehr den Rauchergeruch. Und so ist die schlanke, stylisch grau-schwarze E-Zigarette, die über einen USB-Anschluss aufgeladen wird, unter Jugendlichen so beliebt geworden.

Vorteil des Dampfens: Weniger Schadstoffe

Das Start-up aus dem Silicon Valley hat die E-Zigarette vor drei Jahren in den USA auf den Markt gebracht und einen überwältigenden Erfolg damit eingefahren: Gegen den Zigarettenkonzern Philip Morris konnte es einen Marktanteil bei E-Zigaretten von 70 Prozent erreichen. Heute wird nicht mehr am Glimmstengel gezogen, sondern gedampft. Das hat nach Angaben der Anbieter von E-Zigaretten den entscheidenden Vorteil, dass der Dampfer angeblich keine krebserregenden Zusatzstoffe mehr einatmet. Wie gefährlich das flüssige Nikotin und die Aromastoffe sind, ist noch nicht hinreichend erforscht.

Jeder fünfte US-Schüler raucht E-Zigarette

Eigentlich, so sagt die Firma Juul Labs, möchte sie erwachsene Raucher ansprechen, die den Umstieg von der herkömmlichen Zigarette auf die E-Zigarette schaffen wollen. Doch eingeschlagen hat die hoch dosierte E-Zigarette ausgerechnet bei Minderjährigen in den USA. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gab im November bekannt, dass die Zahl der Dampfer, auf Englisch Vaper, in der Mittel- und Oberstufe innerhalb eines Jahres um 1,5 Millionen Schüler auf rund 3,6 Millionen Jugendliche angestiegen sei. An den Highschools raucht nach der FDA-Studie inzwischen mehr als jeder fünfte Schüler E-Zigarette.

Auch E-Zigarette Juul macht süchtig, weil's gut schmeckt

Die Kombination aus fruchtiger oder süßer Geschmacksrichtung mit einem hohen Nikotingehalt hat laut FDA-Studie eine stark abhängig machende Wirkung. Es kann der Einstieg zur Sucht sein. Und so reagiert nicht nur in Amerika der ranghöchste US-Arzt Jerome Adams. Er fordert Eltern, Lehrer und Gesundheitskräfte auf, sich über E-Zigaretten zu informieren und mit Kindern über die Risiken zu sprechen. Außerdem solle man selbst mit gutem Beispiel vorangehen und nicht rauchen. Auch Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg warnt, dass "E-Zigaretten selbst bei Einhalten der gesetzlichen Vorgaben von 20 Milligramm pro Milliliter sehr viel Nikotin enthalten".

"Wir wissen, dass diese neueren Produkte wie Juul schon nach wenigen Anwendungen eine Abhängigkeit begünstigen können." Jerome Adams, Surgeon General of the United States, Leiter der Gesundheitsbehörde PHS

Juul-Hersteller reagiert auf Kritik

Der Konzern Juul reagierte auf die Kritik und legte einen Aktionsplan vor. Darin will das Unternehmen auf Social-Media-Marketing verzichten und bestimmte Sorten nur noch im Online-Handel verkaufen. Dort solle vorher streng das Mindestalter überprüft werden. Nun weiß aber jedes Kind - seitdem es soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und WhatsApp gibt -, dass das noch nie ein ernsthafter Hinderungsgrund gewesen ist, um sich einen Zugang zu verschaffen.