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Zum 200. Todestag von James Watt, Verbesserer der Dampfmaschine | BR24

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James Watt hat die Dampfmaschine nicht erfunden, aber effizienter gemacht. Thomas Spickhofen kennt die Geschichte des findigen Tüftlers.

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Zum 200. Todestag von James Watt, Verbesserer der Dampfmaschine

James Watt hat die Dampfmaschine nicht erfunden - aber effizienter gemacht. Für seine Idee erhielt er am 5. Januar 1769 das Patent. Das Datum markiert nicht nur Watts Aufstieg nach oben, sondern auch den Beginn der Industriellen Revolution.

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Die erste Dampfmaschine, die gut nutzbar ist, kommt 1712 in einem Kohlebergwerk im englischen Staffordshire als Wasserpumpe zum Einsatz. Gebaut hat sie der englische Erfinder Thomas Newcomen. Der Wirkungsgrad dieser Maschine ist allerdings gering, der Brennstoffbedarf hoch. In Kohlebergwerken lohnt sich die Dampfmaschine trotzdem, da Brennstoff in Form von nicht nutzbaren Kohleresten im Überfluss vorhanden ist.

Ein Studium kommt für James Watt nicht infrage

Am 19. Januar 1736 wird James Watt in Greenock, Schottland, geboren. Seine Eltern sind gebildet, heute würde man sie wohl zur Mittelschicht zählen. Ein Studium für ihren Sohn können sie dennoch nicht finanzieren. "Das konnten damals die allerwenigsten Leute. Das ist überhaupt kein Vergleich mit heute. Das war eine extrem kleine Elite, die sich den Luxus eines Studiums leisten konnte", erklärt Ulrich Wengenroth, Professor für Technikgeschichte an der TU München.

"Watt kommt aus dem Mittelstand. Und wird nicht gleich Vorsitzender einer Aktiengesellschaft. Er muss irgendetwas lernen. Und er lernt, er lernt einfach. Er verfolgt seine Projekte, schaut, wo er Talent hat, womit er Geld verdienen kann, und ist dabei, sich so eine Existenz als selbstständiger Handwerker aufzubauen." Ulrich Wengenroth, Professor für Technikgeschichte an der TU München.

Ohne Abschluss ergattert James Watt einen Job an der Uni

James Watt beginnt eine Mechanikerlehre. Die schließt er zwar nie ab, ergattert aber dennoch einen Job an der Universität Glasgow: Die Professoren brauchen jemanden, der die komplizierten Geräte für alle möglichen physikalischen und astronomischen Experimente anfertigt, instand hält und gegebenenfalls auch wieder zusammenflickt. Watt erhält den Posten des Instrumentenmachers.

Ein kaputtes Dampfmaschinen-Modell inspiriert James Watt

Im Winter 1763/64 kommt es an der Universität zu einer schicksalsträchtigen Begegnung: Der talentierte Feinmechaniker James Watt bekommt den Auftrag, ein Modell einer Newcomen-Dampfmaschine wieder zum Laufen zu bringen. Dabei erkennt er den Haken an dieser Dampfmaschine: die enormen Wärmeverluste und die Unmengen an Kohle, die sie verschlingt.

James Watt will die Dampfmaschine leistungsfähiger machen

James Watt entwickelt einen Ansatz, die Maschine effizienter zu machen: den außenliegenden Kondensator. Anstatt den kompletten Zylinder ständig aufzuheizen und wieder abzukühlen, verlegt er die Kondensation des Wasserdampfes in ein separates Gehäuse, den Kondensator. Den Zylinder versieht er außerdem mit einer Isolation aus Dampf, ähnlich einer Thermoskanne. Durch diese Verbesserungen wird deutlich weniger Brennstoff für den Betrieb benötigt.

Partner ermöglichen James Watt die Optimierung der Dampfmaschine

Um mit der Weiterentwicklung der Dampfmaschine voranzukommen, sucht sich James Watt Partner, die sich ihrerseits Gewinn davon versprechen. Mit der finanziellen Unterstützung des Eisenfabrikanten John Roebuck meldet James Watt das Patent an. Die "Methode, um den Dampfverbrauch in Dampfmaschinen zu verringern - der separate Kondensator" wird am 5. Januar 1769 patentiert. Zu den großen Herausforderungen gehört, eine Dampfmaschine zu bauen, die tatsächlich rentabel arbeitet. Dazu sind Maschinenteile notwendig, die auch wirklich dicht sind. Bevor dieses Problem gelöst werden kann, geht John Roebuck Pleite. Seine Anteile gehen an den Industriellen Matthew Boulton. Gemeinsam gelingt es James Watt und Matthew Boulton, 1776 in der Fabrik von John Wilkinson die erste Maschine nach ihren Vorstellungen zu bauen.

Die Dampfmaschine wird ein Erfolgsmodell

Zum Erfolg der Dampfmaschine trägt bei, dass James Watt sich eine Maßeinheit einfallen lässt, unter der sich potenzielle Kunden etwas vorstellen können: Pferdestärken, kurz PS. Außerdem führen Boulton und Watt ein Leasingsystem ein: Interessenten können die patentierten Maschinen leihen und müssen sie nicht kaufen. Boulton und Watt verdienen gut an den beliebten Leasingverträgen.

"Ein Aufsteiger in der frühen Zeit der Industrialisierung." Ulrich Wengenroth, Professor für Technikgeschichte an der TU München.

James Watt ist sein Ruf wichtiger als die Hochdruckdampfmaschine

Die Weiterentwicklung der Dampfmaschine zur kleinen, mobil einsetzbaren "Hochdruckdampfmaschine" stammt allerdings nicht von James Watt. Vor solchen Plänen schreckt er zeitlebens zurück: Von einem explodierenden Kessel will er sich seinen Ruf nicht ruinieren lassen. Den Mut zum kompakten Hochdruckdampfmotor auf Rädern bringen dann andere findige Tüftler auf. Jetzt können auch Lokomotiven und andere Fahrzeuge mit Dampf betrieben werden.

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Zum Nachhören: Fast wäre James Watt nicht nur der Auslöser der Industriellen Revolution, sondern auch Pate der automobilen Revolution geworden.

Watt hat die Dampfmaschine nicht erfunden, aber von ihr profitiert

James Watt ist also nicht der Erfinder der Dampfmaschine. Er gehört zu einer Reihe von Männern, die sie klug weiterentwickelt und geschickt vermarktet haben. Am 25. August 1819 stirbt er als reicher Mann in seinem Anwesen "Heathfield Hall" in Birmingham. Noch heute erinnert an ihn die international anerkannte Maßeinheit für Leistung: Watt. Und die Industrielle Revolution, der er ordentlich Dampf gemacht hat.