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Invasive Arten: Wie Riesenbärenklau anderen den Lebensraum klaut | BR24

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Der Riesenbärenklau, eine aus dem Kaukasus eingeschleppte Pflanze, kann beim Menschen schwere Verbrennungen auslösen, wenn gleichzeitig Sonne auf die Haut scheint. Immer mehr sogenannte invasive Arten verdrängen einheimische Pflanzen.

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Invasive Arten: Wie Riesenbärenklau anderen den Lebensraum klaut

Der Riesenbärenklau, eine aus dem Kaukasus eingeschleppte Pflanze, kann beim Menschen schwere Verbrennungen auslösen, wenn gleichzeitig Sonne auf die Haut scheint. Immer mehr sogenannte invasive Arten verdrängen einheimische Pflanzen.

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Der Botaniker Andreas Fleischmann steht vor einem imposanten Riesenbärenklau – der hier im botanischen Garten wachsen darf. Fast drei Meter hoch sind die vier Stängel, oben haben sie breite Dolden mit weißen Blüten.

"Sie sehen wie riesig die Blätter sind, die macht völlig dicht. Wo der Riesenbärenklau sich ausbreitet, haben andere keine Chance mehr. Es gibt Flussufer und Kiesinseln in Flüssen, ganz wertvoller Lebensraum, wo dann nichts anderes mehr wächst. " Botaniker Andreas Fleischmann

Verbrennungen dritten Grades durch Riesenbärenklau

Beim Riesenbärenklau kommt noch ein weiteres Problem dazu, das gerade beim derzeitigen Wetter auftritt: er ist phototoxisch, das heißt, lichtgiftig. Die Pflanzenbestandteile enthalten giftige Stoffe, die in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Verbrennungen verursachen können. Deshalb wird der Riesenbärenklau von allen invasiven Arten am stärksten bekämpft.

"Den Riesenbärenklau zu entfernen, das ist sozusagen 'common sense' in der Bevölkerung. Keiner findet das toll, wenn eine riesengroße Pflanze, von der man Verbrennungen dritten Grades kriegen kann, frei in der Landschaft rumsteht. " Naturschützerin Petra Gansneder, Untere Naturschutzbehörde im Landkreis Starnberg

Bekämpft wird der Riesenbärenklau im Landkreis Starnberg sehr aktiv, sogar von einzelnen Privatleuten.In Tutzing waren im Jahr 2000 noch etwa 1.900 Pflanzen des Riesenbärenklau gestanden. Mit Einsatz und Engagement privater Naturschützer verschwand die Pflanze jedoch vollkommen, erzählt Gansneder.

Mühsame Vertreibung invasiver Arten

Im Allgemeinen aber gehen Fachleute gegen den Riesenbärenklau vor. Mitarbeiter des Maschinenrings Starnberg graben im Schutzanzug einzelne Stauden aus, oder mähen größere Vorkommen mit einem ferngesteuerten Raupenfahrzeug - viermal im Jahr, damit die Pflanze gar nicht erst zum Aussamen kommt.

"Wir stellen fest, dass in den Flächen, die wir schon viele Jahre behandeln, der Aufwuchs jedes Jahr weniger wird. Man muss natürlich auch schauen, dass die Grasnarbe gesund ist, man muss auch andere Pflanzen ansäen, und dann bleibt der Riesenbärenklau, wenn man das mehrere Jahre behandelt hat, aus." Stefan Merkl Geschäftsführer beim Maschinenring

Unterirdische Verbreitung der Goldrute

Der Riesenbärenklau ist nur eine der top-invasiven Arten in Bayern. Noch schwieriger zu bekämpfen, sagt der Botaniker Andreas Fleischmann, ist zum Beispiel die kanadische Goldrute, weil die sich vor allem unterirdisch ausbreite.

"Es gibt einige Flächen auch hier in der Nähe von München, die eigentlich mal artenreiche Trockenrasen waren, wo die kanadische Goldrute dominiert, das ist eine Goldrutenwüste, da wächst fast nichts anderes mehr." Botaniker Andreas Fleischmann

Die Wehrhaftigkeit der Isar

Es herrscht große Einigkeit, gegen die invasiven Arten vorzugehen. Auch der Bund Naturschutz beteiligt sich daran. Noch viel wichtiger allerdings sei es, sagt BN-Expertin Christine Margraf, Lebensräume insgesamt zu schützen:

"Da wo die Isar jetzt renaturiert worden ist, wo die Isar wieder das Ufer wegnehmen kann, da sehen sie fantastische Bilder, wie plötzlich der gesamte Goldrutensaum mit der Erdschicht mit dem Wurzelgeflecht abgeschält worden ist, da haben diese Neophyten keine Chance." Naturschützerin Christine Margraf
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