BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Invasion der Stinkwanzen: Warum belagern sie unsere Wohnungen? | BR24

© BR | Marlene Riederer

Invasion der Stinkwanzen: Warum belagern sie unsere Wohnungen?

9
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Invasion der Stinkwanzen: Warum belagern sie unsere Wohnungen?

Zurzeit werden die Hauswände von Stinkwanzen geradezu belagert. Nicht selten gelingt es ihnen auch, in die Wohnung zu flutschen. Die Insekten sind zwar völlig harmlos, können ihrem Namen aber gerecht werden. Wie wird man die Tierchen wieder los?

9
Per Mail sharen

Woher kommen auf einmal diese zahllosen Viecher? Sie sitzen zu Dutzenden an Hauswänden, krabbeln durch Rollladenkästen oder offene Fenster ins Haus und hocken dann an den Wänden. Nur manchmal schwirren sie mit lautem Brummen durchs Zimmer und erschrecken einen zu Tode.

Bei Angriff: Gestank

Aber keine Sorge, wenn es sich bei den Tierchen um Stinkwanzen handelt, sind sie völlig harmlos - zumindest für die Gesundheit. Für die Nase können sie allerdings eine fiese Attacke sein, denn ihr Name ist Programm. Kommt man den Stinkwanzen zu grob, versprühen sie zur Abwehr ein unangenehm riechendes Sekret. Setzt sich das in der Kleidung oder in einer Gardine fest, ist Waschtag angesagt.

Wieso gibt es gerade so viele Stinkwanzen?

Die Paarung und Eiablage findet einmal jährlich statt, in der Regel im Mai und Juni. Die Weibchen legen dann bis zu 450 Eier ab. Warme und trockene Jahre scheinen die Tierchen aber anzuregen. Im klimatisch besonders günstigen Wanzenjahr 2018 haben sie das sogar zweimal geschafft.

All die zahlreichen Nachkommen suchen, wenn es kühl wird, ein warmes Plätzchen, denn Temperaturen unter zehn Grad vertragen sie nicht. Was liegt da näher, als sich einen Weg in eine gemütliche Wohnung oder in ein Haus zu suchen? Das tun auch andere Tiere gerne - wie zum Beispiel Spinnen, die wahrscheinlich dort noch weniger gerne gesehen sind. Im Frühjahr gehen die Stinkwanzen dann wieder ausgeruht in die Welt hinaus, um den Kreislauf von Neuem beginnen zu lassen.

Auf der Mauer, auf der Lauer hockt 'ne kleine Wanze ...

Insgesamt leben in Deutschland knapp 1.000 verschiedene Arten von Wanzen. Das ist noch gar nichts, denn weltweit gibt es rund 40.000 Arten, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Die meisten Wanzen, die hierzulande je nach Region vorkommen, gehören zu den Arten: Marmorierte Baumwanze, Grüne oder auch Gemeine Stinkwanze, Rötlich-braune Zapfenwanze und Gräulich-braune Feldwanze oder auch Gartenwanze. Die Tierchen sind bis zu 13 Millimeter groß. Die grüne Stinkwanze kann sogar ihre Farbe wechseln. Im Frühjahr ist sie grün und wird im Herbst bräunlich.

© picture alliance/imageBROKER

Invasion der Stinkwanzen: Warum belagern sie unsere Wohnungen?

Wie wird man Stinkwanzen wieder los?

Es gilt der gleiche Tipp wie bei anderen Insekten und Spinnen auch: Die Mini-Stinktiere sollten vorsichtig gefangen und wieder in die freie Natur gesetzt werden. Das empfiehlt sich bei Stinkwanzen ganz besonders, denn zerdrückt man sie, kommt es zu einer olfaktorischen Wahrnehmung der eher unangenehmen Art. Also lassen Sie Gnade walten und schonen sie ihr Leben. Wenig zu empfehlen ist auch, die Tierchen mit dem Staubsauger aufzusaugen, will man nicht noch Tage später das Odeur einer Stinkbombe beim Hausputz verströmen. Es empfiehlt sich deshalb, sollte das Malheur passiert sein, den Beutel sofort zu wechseln.

Der richtige Weg ist es, die Tierchen sanft zu überzeugen, auf ein Blatt Papier zu laufen und dann ein Glas darüber zu stülpen. Und dann ab damit ins Freie. Auch ein weicher Handfeger kann ein Weg sein, die Tierchen in Fensternähe nach draußen zu bugsieren.

Grundsätzlich sollte man ihnen den Aufenthalt auch so unattraktiv wie möglich gestalten. Ein Obstteller kann nur als Einladung zum Verweilen verstanden werden, denn für die Wanzen ist Obst eine begehrte Futterquelle. Nachdem sich die Tiere daran ergötzt haben, ist es für uns aber nicht mehr wirklich appetitlich. Die Saison der Insektenschutzhauben ist deswegen auch im Herbst noch nicht vorbei.

Wie kommen Stinkwanzen erst gar nicht ins Haus?

Vorbeugen ist besser als heilen, schon klar, aber wie kann man verhindern, dass die Insekten überhaupt ins Haus kommen? Das ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, aber am besten ist natürlich, wenn die Wanzen erst gar kein Schlupfloch finden.

  1. Türen und Fenster möglichst geschlossen halten. Für Freunde der Frischluft auch im Herbst: Die Fliegengitter vom Sommer noch nicht entfernen.
  2. Wenn durchgelüftet wird, dann nicht abends bei Festbeleuchtung. Das kommt einer Einladung gleich.
  3. Ritzen, Fugen und Löcher mit Dichtungsmasse abschließen.

Gestank mit Gestank verhindern

Im Netz kursieren zahlreiche Tipps und Hausmittelchen, die den Stinkwanzen stinken sollen. So wird empfohlen, überall dort, wo die Tierchen sich aufhalten, eine Mischung aus Essig, Wasser und Spülmittel zu versprühen. Auch andere stark riechende Essenzen sollen die Wanzen fernhalten - zum Beispiel Salmiak, Nelkenöl oder Ammoniak. Ein Versuch ist es allemal wert. Zur chemischen Keule zu greifen, steht bei den harmlosen Tierchen nicht dafür. Auch Klebebänder auf Fensterrahmen etc. sind nicht besonders tierlieb, zumal man sich damit womöglich einer Dauerbeduftung aussetzt, wenn die kleinen Stinker Angst bekommen und ihr Sekret ausstoßen.

Bettwanzen gehören zu den "bösen" Wanzen

Stinkwanzen, Feuerwanzen, Amerikanische Kiefernwanzen … auch wenn sie sich den (Nach-)Namen teilen, Bettwanzen spielen in einer anderen Liga. Denn im Gegensatz zu ihren Namensvettern ist die Bettwanze alles andere als harmlos. Sie ernähren sich nicht wie sie von Pflanzensaft und Früchten, sondern von unserem Lebenssaft. Bettwanzen gehören zu der kleinen Gruppe der Wanzen, die parasitär leben – heißt, anderen Lebewesen Blut abzapfen und dabei juckende Quaddeln auf der Haut hinterlassen. In der Nacht sind sie auf der Jagd nach ihren ahnungslos schlafenden Opfern, tagsüber sind sie Meister im Verbergen. Sie verstecken sich in Matratzen, unter Tapeten, hinter Bildern etc.

Bettwanzen galten in Deutschland schon nahezu als ausgerottet, aber aus anderen Ländern lassen sie sich gerne als blinder Passagier einschleppen. Haben sich Bettwanzen einmal in einer Wohnung eingenistet, wird man sie kaum wieder los. Bei einem starken Befall hilft nur die Giftkeule - und die sollte man nur von ausgebildeten Kammerjägern schwingen lassen. Allerdings haben Bettwanzen gegen viele Substanzen Resistenzen entwickelt.

© picture-alliance/dpa

Milbe, Motte, Wanze - das sind ungern gesehene Mitbewohner. Forscher haben jetzt gezeigt: Weit mehr Insekten bevölkern unsere Häuser als bislang angenommen. Darunter sind nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Untermieter.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!