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Insektentränke

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    Insektentränken: Haben Biene & Co. Durst?

    Insektentränken im Garten sollen an heißen Tagen zum Beispiel Wildbienen und Schmetterlingen beim Überleben helfen - als Ersatz für natürliche Gewässer. Was ist beim Bau zu beachten? Und haben Insekten überhaupt Durst?

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    Von
    • Birgit Kraft

    Es ist heiß, man schwitzt – und verliert dadurch ständig Wasser. Das gilt für Menschen genauso wie für Insekten. Sie verlieren Wasser beim Atmen und durch die Haut. Um nicht auszutrocknen, müssen die meisten Insekten trinken oder wasserhaltige Nahrung fressen. Viele Gartenbesitzer möchten Insekten im Sommer bei Hitze dabei unterstützen – und stellen eine Insektentränke auf. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Wie muss eine Insektentränke aussehen, damit sie nicht zur Insektenfalle wird? Und wie ist das eigentlich genau mit dem Durst bei Insekten?

    Wachse als Verdunstungsschutz

    Insekten haben im Verhältnis zu ihrem Volumen viel Oberfläche und damit auch viel Verdunstungsfläche. Damit die geflügelten Tierchen nicht im Handumdrehen austrocknen, musste Mutter Natur erfindungsreich sein.

    Die Cuticula, also das Außenskelett der Insekten, setzt sich aus drei Schichten zusammen. Zwei davon sind Wasserdampf-durchlässig. Erst die dritte, äußerste und hauchdünne Schicht aus wachsähnlichen Substanzen sorgt dafür, dass die Verdunstung nicht zu groß wird. Ohne diese schützende Wachsschicht würden Insekten in kurzer Zeit austrocknen. Bei großer Hitze oder wenn sie sehr aktiv sind, verlieren die Tiere trotzdem viel Körperflüssigkeit und müssen diese Verluste ausgleichen.

    Honigbienen brauchen in der Regel keine Insektentränke

    In der Regel trinken Insekten kein Wasser. Sie entziehen ihrer Nahrung Flüssigkeit oder trinken Pflanzensäfte. Honigbienen, Wildbienen und Wespen saugen Blütennektar, Hornissen nagen Löcher in die saftige Rinde junger Äste von Flieder, Esche oder Obstbäumen, um an deren Saft zu kommen. Der Hirschkäfer leckt mit seiner pinselartigen Unterlippe am Saft, der aus Rissen und Wunden am Stamm von Eichen oder Buchen tritt.

    Solange es ausreichend Nektar und Honigtau gibt, brauchen Honigbienen kein zusätzliches Wasser. Nur in der "trachtlosen" Zeit und an heißen Tagen muss das lebenspendende Nass gezielt eingetragen werden. Dann machen sich die Wasserholerinnen auf Wassersuche. Sie füllen ihre Honigblase mit Wasser und fliegen zurück zum Stock.

    Dort wird das eingetragene Wasser von den Ammenbienen zu Futtersaft für die Larven verarbeitet. An besonders heißen Tagen verteilen die Tiere zusätzlich tröpfchenweise Wasser im Brutnestbereich, um den Nachwuchs vor dem Hitzetod zu bewahren. Viele Imker stellen während der Brutsaison Bienentränken in Stocknähe auf.

    Manche Insekten brauchen Wasser zum Nestbau

    Die große Lehmwespe benötigt Wasser, um ihre tönnchenförmigen Brutzellen zu bauen. Als Wasserquelle nutzt sie gern den Morgentau auf Blättern und Halmen. Die bis zu zweieinhalb Zentimeter große und extrem schlanke Wespe, füllt ihren Kropf mit Wasser und fliegt zu einer Stelle mit lehmigem Boden.

    Dort spuckt sie das Wasser auf den Lehm und formt aus dem aufgeweichten Material kleine Kügelchen. Die Kügelchen werden zum Bauplatz transportiert und dort in stundenlanger Arbeit zu einem Nest verklebt. Auch Mauerbienen bauen mit Lehm. Wasser brauchen sie dazu allerdings nicht, denn sie nutzen ausschließlich feuchtes Baumaterial. An Bachläufen, Rändern von Pfützen oder feuchten Bodenstellen sammeln die Tiere kleine Brocken Lehm oder sandige Erde.

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    Eine "gehörnte Mauerbiene" vor ihrem Brutröhrchen

    Insektentränken sind kein Meilenstein beim Artenschutz

    Staatenbildende Bienen und Wespen nutzen Wasser vor allem zum Kühlen ihrer Bauten, Honigbienen auch für die Aufzucht der Larven. Lehmwespen nehmen Wasser auf, um Brutzellen zu bauen. In der Regel genügt den Tieren das Wasserangebot der Natur: Tautropfen, das Schwitzwasser von Pflanzen oder feuchte Bach- und Teichränder. Wespenvölker greifen bei großer Hitze gerne auf Kühlwasser aus künstlichen Quellen zurück.

    Auch Honigbienen nutzen Wasserstellen aus Menschenhand, werden aber bei Bedarf von ihren Besitzern mit Wasser versorgt. Wildbienen trinken kein Wasser, sondern ausschließlich Blütennektar. Wenn die nektarspendenden Pflanzen fehlen, verhungern die kleinen Insekten – da hilft auch keine Insektentränke. Auch Schmetterlingen und Käfern mangelt es vor allem an Futterpflanzen.

    Unterm Strich, davon ist der Biologe und Wildbienenspezialist Paul Westrich überzeugt, leisten Insektentränken keinen Beitrag zum Artenschutz. Viel wichtiger wären blüten- und strukturreiche Gärten. Trotzdem kann so eine Tränke für die eine oder andere Art hilfreich sein. Und vor allem: Insektentränken – richtig angelegt – schaden nicht, sind hübsch anzusehen und mit Sicherheit eine wunderbare Möglichkeit, Insekten zu beobachten.

    Lieber feuchtes Moos als große Wasserfläche

    Viele Insektenarten besitzen einen Saugrüssel. Trotzdem wird Flüssigkeit oft eher aufgeleckt als aufgesaugt. Die Zunge der Biene ist behaart, an den Härchen bleibt Wasser in Form winziger Moleküle haften. Deshalb genügt Bienen zum Trinken ein ganz dünner Wasserfilm. Es muss auch nicht durchdringend nass sein, Feuchtigkeit reicht vollkommen aus. Wenn sie die Wahl haben, lecken Honigbienen lieber an feuchtem Moos, Sand oder an Matsch, als eine freie Wasserfläche anzufliegen. Birgt doch eine Wasserfläche immer das Risiko hineinzufallen und zu ertrinken.

    Insektentränken sollten keine Insektenfallen sein

    Damit die Insektentränke nicht zur Insektenfalle wird, muss sie sichere Landeplätze bieten und einen flachen Zugang zum Wasser. Ideal und völlig ausreichend ist ein Blumenuntersetzer mit nassem Moos. Das vollgesaugte Moos kann gefahrlos beflogen oder bekrabbelt werden. Auch nasse Erde bietet Wildbienen und Schmetterlingen willkommene Feuchtigkeit.

    Solche Erd- und Moosschalen haben allerdings den Nachteil, dass sie ruckzuck austrocknen. Deutlich wartungsärmer ist eine mit Wasser gefüllte Schale. Damit die Tiere sicher landen können, legt man Steine hinein, die mindestens zur Hälfte aus dem Wasser herausschauen. Ein Moosstreifen am Rand verschafft flugunfähigen oder schwerfälligen Besuchern gefahrlosen Zugang. Wer will, kann das Ganze noch mit bunten Glasmurmeln oder anderen hübschen Dingen dekorieren.

    Leitungswasser oder Regenwasser?

    Leitungswasser ist bei Honigbienen unbeliebt, Regenwasser hat den Nachteil, dass es schnell grün wird und veralgt. Mit der Zugabe von etwas Kalk bleibt Regenwasser länger frisch. Will man gezielt Honigbienen anlocken, ist ein Tropfen Anisöl im Wasser hilfreich.

    Manchmal wird Zucker- oder Honigwasser empfohlen - davon ist abzuraten, denn an so einer süßen Tränke geht unter den Honigbienen das Hauen und Stechen los. Die Tiere kämpfen um das süße Nass und töten sich gegenseitig. Eine Prise Salz im Wasser könnte allerdings einen Versuch wert sein. Manche Imker berichten nämlich, dass ihre Bienen salziges Wasser bevorzugen.

    Insektentränken sind keine Krankheitsherde

    Dass sich an einer Insektentränke insektenspezifische Krankheiten ausbreiten, hält Wildbienenspezialist Paul Westrich für unwahrscheinlich. Forschungen haben nämlich ergeben, dass Ansteckungen in erster Linie beim Blütenbesuch stattfinden. Trotzdem schadet es nicht, das Wasser einmal die Woche zu wechseln. Andernfalls könnte die Insektentränke schnell zur Mückenbrutstätte mutieren.

    Zum Schluss noch zum Aufstellungsort: Am besten wäre ein windstiller Platz mit Morgensonne. So erwärmt sich das Wasser rasch, die Tiere kühlen nicht aus, bleiben aktiv und lassen sich wunderbar beobachten.

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