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Eine Frau liegt im Bett. Vor ihr liegen auf einem Tischchen Erkältungsmittel.
© dpa-Bildfunk/Maurizio Gambarini

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Eine Frau liegt im Bett. Vor ihr liegen auf einem Tischchen Erkältungsmittel.

Die Grippesaison begann offiziell im Oktober und nahm Anfang Dezember langsam an Fahrt auf. Noch verläuft sie deutlich milder als 2017/2018. Aber Experten rechnen mit einem baldigen Beginn einer Grippewelle. In der zweiten Januarwoche seien bislang rund 1.260 bestätigte Grippefälle an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet worden, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza mit. Das war mit Abstand der höchste Wert dieser Saison. Bisher gab es in Deutschland elf gemeldete Todesfälle im Zusammenhang mit Grippe.

Deutliche mehr Grippefälle als erfasst

Die Auswertung umfasst nur einen kleinen Ausschnitt des Krankheitsgeschehens, da lediglich ausgewählte Praxen Proben einschicken und untersuchen lassen. Die realen Fallzahlen liegen deshalb weitaus höher. Die Statistik gilt dennoch als guter Gradmesser für die Grippe-Entwicklung. Bisher wurden in dieser Saison rund 3.680 von Laboren bestätigte Influenza-Fälle registriert.

Nach der neuen RKI-Definition von Influenza, die seit Anfang des Jahres gültig ist, reicht eine Labordiagnose für die Erfassung. Auf diese Weise soll unter anderem der Ermittlungsaufwand bei den Gesundheitsämtern erleichtert werden. Früher mussten auch die klinischen Symptome ermittelt und angegeben werden.

Impfstoff passt heuer gut

Die Komponenten des diesjährigen Impfstoffs passen gut zu den bislang entdeckten Viren des Typs A. Wer sich jetzt noch impfen lässt, muss allerdings bis zu zwei Wochen warten, bis der Impfschutz aufgebaut ist. Und es ist nicht sicher, dass jeder Arzt noch Impfstoff bekommt. Mehr als 15 Millionen Dosen sind insgesamt bereits verwendet worden. Mehrere Tausend Dosen wurden bereits aus EU-Ländern importiert, da sich der Bedarf nicht exakt planen lässt.

Die vergangene Grippesaison war schwer

Wie schwer eine Grippesaison ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen. "Wie stark eine Grippewelle ausfällt, hängt unter anderem vom Wetter, von den aktuell vorkommenden Virustypen sowie von der Immunität in der Bevölkerung ab." Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Erlangen

Während einer jährlichen Grippewelle werden schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert. Vergangenen Winter hat die Grippe in Deutschland besonders stark gewütet. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums hat sie in der vergangenen Saison in Deutschland rund 9 Millionen Arztbesuche ausgelöst. Ein möglicher Grund: Es wurde ein Dreifachimpfstoff für Patienten der gesetzlichen Krankenkassen verwendet, der keinen ausreichenden Schutz bot.

Jedes Jahr ein neuer Impfstoff

Eine Grippe, auch Influenza genannt, wird durch Viren ausgelöst. Die Grippeviren sind listig und wandlungsfähig: Sie verändern sich ständig. Jedes Jahr muss daher ein neuer Impfstoff entwickelt werden, der gegen die aktuellen Influenzaviren, die gerade im Umlauf sind, wirksam ist. Jedes Frühjahr wagt die Weltgesundheitsorganisation eine Prognose: Doch für die Grippesaison 2017/18 lagen die Experten daneben, die gefährlichste Viruslinie der Saison, die Yamagata-Linie, hatten sie nicht im Blick. Und ausgerechnet dieses fehlende Virus im Grippeimpfstoff war für rund zwei Drittel aller Viruserkrankungen verantwortlich.

Vierfachimpfstoff gegen Grippe heuer auch für Kassenpatienten

Der von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Dreifachimpfstoff bot somit nicht ausreichend Schutz. Die bessere Vierfachimpfung hat kaum jemand bekommen - aus Kostengründen. In der Grippesaison 2018/19 haben nun auch Kassenpatienten Anspruch auf die teurere Grippe-Impfung mit Vierfach-Wirkstoff. Eine Grippeschutzimpfung ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) das wichtigste Mittel, um sich vor einer Grippeerkrankung zu schützen - obwohl eine Impfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet. Sie hat eine Effektivität zwischen 40 und 60 Prozent.

Wer sollte sich impfen lassen?

Das RKI empfiehlt all denen eine Grippeschutzimpfung, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind: Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel), Menschen, die beruflich viel Kontakt mit anderen haben wie Krankenhaus-Personal oder Altenpfleger, Patienten, die an einer chronischen Krankheit leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma sowie Kinder mit Diabetes.

Symptome einer Grippe

Grippe beginnt oft plötzlich. Viele fühlen sich innerhalb einer Stunde schlagartig krank. Die Frage, ob man zur Arbeit gehen kann, stellt sich nicht aufgrund der schweren Symptome. Meist bekommt man hohes Fieber (über 39 Grad), starke Glieder- und Muskelschmerzen und Schnupfen.

Für die Risikogruppe bedeutet eine Grippe-Erkrankung eine echte Gefahr, denn das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ist erhöht. Die Grippe kann lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen - die bedeutendsten sind eine bakterielle Lungen- oder eine Herzmuskelentzündung. Beide können tödlich enden.

Impf-Schutz nach 14 Tagen wirksam

Die Impfung sollte zwischen September und November erfolgen. Ein wirksamer Impfschutz besteht nach etwa zwei Wochen. Dieser hält sechs bis zwölf Monate an. Vor der nächsten Grippe-Saison muss neu geimpft werden. Bei älteren Menschen wirken diese Impfungen nicht ganz so gut. Deswegen sind für Senioren sogenannte adjuvantierte, also verstärkte Influenza-Impfstoffe entwickelt worden. Bei diesen, so das RKI, können schwerere lokale Nebenwirkungen auftreten.

Mögliche Nebenwirkungen einer Impfung

Manchmal tritt eine Rötung oder Schwellung der Einstichstelle auf oder es kommt zu leichten, grippeähnlichen Symptomen (Unwohlsein, Fieber, Gliederschmerzen), die aber in der Regel schnell abklingen. Schwere Nebenwirkungen, wie Lähmungen, Hirnhautentzündung oder Krampfanfälle sind sehr selten.

Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Wer eine Erkältung hat oder diese gerade erst überwunden hat, sollte sich nicht impfen lassen, sondern warten, bis er wieder ganz gesund ist. Babys und Patienten mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß sollten erst mit einem Arzt klären, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen dürfen. Denn die Impfstoffe werden auf Basis von Hühnereiweiß hergestellt.