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Infektionsstudie: Offenbar mehr Corona-Fälle durch Pollenflug | BR24

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Eine Birke im Frühling

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    Infektionsstudie: Offenbar mehr Corona-Fälle durch Pollenflug

    Münchner Forscher finden Zusammenhang zwischen Covid-19-Infektionen und Menge an Blütenstaub in der Luft. In einer entsprechenden Studie stellten sie fest, dass die Zahl der Corona-Infektionen mit der steigenden Menge an Blütenstaub zunehme.

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    Von
    • Jeanne Rubner
    • BR24 Redaktion

    Pollen könnten die Ansteckungsgefahr mit Corona-Viren erhöhen. Das ist das Ergebnis einer großen internationalen Studie unter der Leitung von Fachleuten der Technischen Universität München rund um die Umweltexpertin Claudia Traidl-Hoffmann. Die Ergebnisse sind Montagabend in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen

    Pollen für die Hälfte der Infektionen mitverantwortlich?

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen die Menge an Blütenstaub in der Luft mit der Zahl der Infektionen über mehrere Monate hinweg – und zwar in 130 Regionen in 31 Ländern weltweit. Demnach könnte die Pollenbelastung knapp die Hälfte der Sars-CoV-2-Inzidenz erklären. Die Studie berücksichtigt dabei Effekte wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die ebenfalls eine Rolle bei der Ausbreitung von Corona-Viren spielen. Wie genau Pollen eine Infektion begünstigen, ist noch nicht klar.

    Offenbar verringern sie die antivirale Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Interferon. Bislang war bereits bekannt, dass Pollenbelastung Menschen empfindlicher für virale Atemwegserkrankungen machen kann. Die Forscher empfehlen, dass zumindest Risikopatienten eine Maske mit Filterwirkung tragen, wenn viel Pollen in der Luft sind.

    Einfluss des Lockdowns

    An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate laut Studie im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen – dabei stiegen die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent.

    Die täglichen Infektionsraten korrelierten mit der Pollenzahl in Ländern mit und ohne Lockdown. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

    Wie kann man sich schützen?

    Ob Betroffene an Allergien gegenüber diesen Pollen leiden oder nicht, spielt keine Rolle. "Man kann nicht vermeiden, luftgetragenen Pollen ausgesetzt zu sein", sagte Stefanie Gilles, eine der Autorinnen der Studie. "Personen, die zu Hochrisikogruppen gehören, sollten deshalb darüber informiert sein, dass erhöhte Pollenkonzentrationen in der Luft anfälliger gegenüber viralen Infekten der Atemwege machen."

    Athanasios Damialis, ebenfalls Mitautor der Studie, erklärte: "Betrachtet man die Verbreitung des Sars-CoV-2, müssen Umweltfaktoren wie Pollen mit in die Rechnung aufgenommen werden. Das Wissen um diese Auswirkungen eröffnet neue Wege für die Prävention und Abmilderung von Covid-19."

    Personen, die zur Risikogruppe gehören, wird deswegen von den Autoren empfohlen, FFP2-Masken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist. Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin und Teil des Forschenden-Teams, rät, in den nächsten Monaten die Pollenflug-Vorhersagen im Blick zu haben. "Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten", so Traidl-Hoffmann.

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