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Infektionen: Diese Krankheiten lauern im Schwimmbad oder Badesee | BR24

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Krank statt erfrischt: Welche Krankheiten im Schwimmbad lauern

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Infektionen: Diese Krankheiten lauern im Schwimmbad oder Badesee

Kaum auszuhalten die Hitze - erträglich für viele nur durch einen Sprung ins Wasser. Der Badespaß im Schwimmbad kann allerdings durch Keime und Pilze, die sich trotz Chlor im Wasser tummeln, getrübt werden. Es drohen Darm-, Ohr- und Hautinfektionen.

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Nein, wir wollen Ihnen nicht den Badespaß verderben. Aber tränende Augen, Ohrenschmerzen und Hautausschläge sind leider nicht selten die Folge eines Badetags im Schwimmbad oder am Badesee. Denn Keimen können Wasserratten beim Baden nicht entgehen.

Badewanne für alle

Haare, Hautpartikel, Schweiß, Urin, Cremes, Deos und nicht zuletzt Fäkalien - man mag gar nicht darüber nachdenken, was alles im Wasser lauern kann. Eigentlich kein Wunder, denn man teilt das Schwimmbecken mit Hunderten von Menschen. Selbst wenn alle es sehr genau mit der Hygiene nehmen würden – was nicht der Fall ist – ist vor allem warmes und seichtes Wasser in Pools perfekter Nährboden für Erreger. Wenn Wasser in Mund, Augen, Nase oder Genitalöffnungen gelangt, können klassische, wasserübertragbare Infektionen ausgelöst werden.

Chlor tötet nicht alle Keime

Zwar sind Schwimmbäder gechlort, das tötet aber längst nicht alle krankmachenden Keime ab. Ein Großteil der Keime wird zwar vom Chlor innerhalb von Minuten unschädlich gemacht. Es gibt aber Krankheitserreger, bei denen das länger dauert. Kryptosporidien zum Beispiel können mehrere Tage in einem sonst gut desinfizierten Schwimmbadwasser überleben. Das sind Parasiten aus dem Darm, die zu Durchfall und Erbrechen führen können.

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Zum Schwimmbad gehört der Geruch nach Pommes und Chlor. Zweiteres ist nicht ganz so lecker, besonders weil Chlor selbst eigentlich nach gar nichts riecht. Das steckt wirklich hinter dem penetranten Geruch im Freibad.

Hygieneregeln fürs Schwimmbad

  • Wer an einer Durchfallerkrankung leidet, darf nicht ins Wasser.
  • Es wird sich nicht immer vermeiden lassen, aber Schwimmbad-Wasser möglichst nicht in den Mund gelangen lassen und nicht schlucken.
  • Duschen vor dem Sprung ins Becken sollte ebenso selbstverständlich sein wie das Händewaschen nach dem Toilettengang.
  • Mit Kindern sollte man regelmäßig und damit rechtzeitig auf die Toilette gehen.
  • Bei Kleinkindern: Rechtzeitig Windeln im Wickelraum wechseln. Auch sogenannte Schwimmwindeln sind nicht zu 100 Prozent dicht.

Welche Badekrankheiten können im Schwimmbad und am Badesee lauern?

Die Schwimmbad-Otitis, auch Taucher- oder Surferohr genannt, ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Beim Schwimmen und Tauchen gelangt Wasser in die Ohren. Das führt zu einem feuchtwarmen Milieu im Gehörgang, die Haut weicht auf und Krankheitskeime können eindringen. Außerdem kann es in Schwimmbädern, Badeseen und im Meer Keime geben, die durch das Wasser ins Ohr gelangen. Sie können zu juckenden, schmerzenden, berührungsempfindlichen Ohren sowie geröteten und geschwollenen Gehörgängen führen. Das geht besonders schnell bei Menschen, die eine trockene Haut und enge Gehörgänge haben.

Verschwinden die Beschwerden nicht von selbst oder werden sogar schlimmer, sollten Sie zum Arzt gehen, um eine Entzündung und im schlimmsten Fall Taubheit zu vermeiden. Zum Einsatz kommen meist Gazestreifeneinlagen mit Alkohol, Cortison oder Antibiotika.

Zur Vorbeugung trocknen Sie nach dem Baden immer die Ohren - mit einem dünnen Handtuch oder einem Fön. Sie können die Ohren auch mit Mineral- oder Trinkwasser auswaschen und den Gehörgang mit Handcreme oder Öl eincremen.

Bindehautentzündung - Schwimmbad-Konjunktivitis

Wenn die Augen rot werden, brennen und tränen, liegt das nicht am Chlor im Wasser. Gechlortes Wasser alleine reizt die Augen nicht. Chlor, das sich mit organischen Stoffen wie Harnstoff oder Keimen verbunden hat, nennt man Chloramine oder "gebundenes Chlor". Dies kann die Schleimhäute reizen, so Experten. Keime haben dann leichteres Spiel, in Hornhaut und Bindehaut einzudringen.

Im schlimmsten Fall kann es dann zu einer Bindehautentzündung kommen. Wenn das Brennen der Augen durch Tränenersatzflüssigkeit in Form von Augentropfen nicht innerhalb eines Tages nachlässt, sollte man besser zum Augenarzt gehen.

Mit einer Schwimmbrille können Sie brennenden Augen oder einer Bindehautentzündung vorbeugen. Für Brillenträger lassen sich Schwimmbrillen mit der individuellen Sehstärke anpassen.

Fußpilz

Der "Feind" lauert nicht nur im See oder Schwimmbecken direkt, sondern besonders gerne in Nassräumen (Dusche, WC) und Umkleidekabinen. Vom Baden ausgelaugte und aufgequollene Haut sind leichtes Opfer für eindringende Erreger und somit für Fußpilz.

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Fußpilz-Erreger lauern in Duschräumen und Umkleidekabinen

Tragen Sie Badeschuhe und trocknen Sie Ihre Füße immer gut ab - vor allem zwischen den Zehen. Wenn Sie zu Fußpilz neigen, können Sie danach noch ein Desinfektionsspray benützen, einwirken lassen und nochmals abtrocknen. Fußpilzsalben ausreichend lange und nach Vorschrift anwenden. Cremen Sie trockene Füße auch immer mal wieder ein.

Durchfall und Erbrechen

Im Wasser befinden sich auch Darmkeime wie Coli-Bakterien. Trotz größter Hygiene befinden sich am menschlichen Körper oft winzige Mengen an Fäkalien, die sich im Poolwasser verteilen und auch schon in kleinsten Mengen zu Erbrechen und Durchfall führen können. Dagegen lässt sich kaum etwas tun. Badewasser sollte möglichst nicht geschluckt werden.

Neben Durchfall und Erbrechen können Coli-Bakterien bei Frauen weitere leidige Schwimmbadprobleme auslösen.

Scheideninfektion und Blasenentzündung

Jucken, Brennen oder Schmerzen im Intimbereich sind Anzeichen für eine Scheideninfektion. In einer gesunden Scheidenflora befinden sich Milchsäurebakterien, die für ein saures Milieu sorgen. Das erschwert es Erregern, sich zu vermehren. Haben Frauen zu wenig davon, betroffen sind vor allem Diabetikerinnen, Schwangere und ältere Frauen, haben Erreger leichtes Spiel – so wie im Schwimmbad. Außerdem können Erreger in die Harnblase aufsteigen und so eine Blasenentzündung hervorrufen.

Frauen, die zu Blasenentzündung und Scheideninfektionen neigen, sollten beim Baden darauf achten, nicht zu lange im Wasser zu bleiben, nasse Badesachen auszuziehen, sich abzutrocknen und trockene, warme Wäsche anzuziehen. Kühlt der Unterleib aus, verlangsamt sich die Durchblutung des Beckenbereichs und Keime können besser angreifen.

Chlor-Allergie

Eine Chlor-Allergie im eigentlichen Sinne ist extrem selten. Chlor und chemische Chlor-Verbindungen können aber Haut und Atemwege reizen - vor allem bei Menschen mit trockener Haut, Asthmatikern und Allergikern.

Bevorzugen Sie Freibäder oder gut gelüftete Bäder. Testen sie verschiedene Bäder, nicht überall sind die Verhältnisse gleich. Trinken Sie viel, um die ausgespülten Schleimhäute wieder zu befeuchten. Besitzen Sie einen eigenen Pool, dann achten Sie auf regelmäßige Belüftung und Reinigung.

"Whirlpool-Dermatitis"

Keime lauern auch gerne im Whirpool. In der Wärme vermehren sie sich besonders schnell. Sind die Pools schlecht gewartet, kann der Besuch unangenehme Folgen haben. Es droht eine Dermatitis, ein lästiger Hautausschlag mit Bläschenbildung, für Laien sieht es aus wie ein Stich. Die Infektionskrankheit tritt meist wenige Stunden nach dem Pool-Besuch auf.

Meist heilt so eine Dermatitis nach ein paar Tagen spontan von selbst ab. Ist man verunsichert oder bessern sich die Symptome nicht, sollte man zum Hautarzt. In hartnäckigen Fällen müssen gegebenenfalls Antibiotika eingesetzt werden.

Wer vorbeugen will, sollte im Zweifel auf den Besuch im Whirpool verzichten. Wer das nicht will, sollte sich in jedem Fall nach dem Baden gründlich abduschen. Chlor kann die Haut austrocknen und reizen, deshalb sollte man sich nach dem Baden im Chlorwasser immer gut abduschen und die Haut anschließend mit Feuchtigkeit versorgen.

Besonderheit am Badesee

Was man trotz traditionell guter Qualitätsurteile für Bayerns Badestellen nicht vergessen sollte: Ein Badesee ist kein Freibad, natürliches Wasser kein Trinkwasser - es ist weder aufbereitet, noch desinfiziert. Auch wenn Schwimmer versuchen sollten, kein Wasser zu schlucken, passiert es hin und wieder doch. Das birgt bei Badeseen ein paar Risiken. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nur in ausgewiesenen Badegewässern schwimmen gehen.

Achtung, Wasservögel!

Seien Sie vorsichtig an Weihern und Teichen: Wo sich viele Wasservögel tummeln, ist die Konzentration an Fäkalbakterien höher. Verzichten Sie lieber auf ein Bad und füttern Sie die Tiere auch möglichst nicht. Brot-Reste am Ufer locken nicht nur Wasservögel an, sondern auch Ratten.

Ist die hygienische Qualität des Wassers minderwertig, tummeln sich Erreger wie Pilze, Parasiten, Fäkalbakterien, Streptokokken oder Salmonellen im Wasser. Dann ist das Erkrankungsrisiko erhöht - Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Fieber und Hautausschläge können die Folge sein.

Hohe Temperaturen können in nährstoffreichen Gewässern außerdem zu übermäßigem Algenwachstum führen. Bei fehlender Sauerstoffzufuhr beginnt die abgestorbene Biomasse auf dem Grund zu faulen, der See "kippt um". Kein angenehmes Erlebnis für die Nase - und den Körper! Das Wasser besser meiden.

Badedermatitis

Wer sich eine Badedermatitis (Zerkariendermatitis) eingefangen hat, leidet unter einem stark juckenden lokalen Hautausschlag mit Quaddeln. Dieser wird verursacht durch Larven (Enten-Zerkarien) von parasitischen Saugwürmern (Egeln), die sich in den Menschen als Zwischenwirt verirrt haben. Weil sie eigentlich auf Wasserschnecken spezialisiert sind, sterben sie im Menschen schnell ab, können aber eine allergische Reaktion wie bei Mückenstichen verursachen. Ist das Immunsystem intakt, sind Zerkarien harmlos und nicht jeder reagiert darauf. Allergiker dagegen neigen zu stärkeren Reaktionen und sollten im Notfall (Schwindel, Schweißausbruch, Fieber, Übelkeit) behandelt werden.

Zerkarien gibt es nur in Seen mit Enten. Sie vermehren sich vor allem von Juni bis September und bei Temperaturen über 24 Grad. Halten Sie sich in dieser Zeit nur kurz in flachen, schlammigen und schilfbewachsenen Uferbereichen auf und schwimmen sie schnell ins tiefere Wasser.

Kratzen sie die Quaddeln nicht auf und lassen Sie sich bei quälendem Juckreiz beruhigende Salben, Lotionen oder Antihistaminika (Tabletten) vom Arzt verschreiben. Die Badedermatitis heilt von alleine nach 10 bis 20 Tagen aus.