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Impflücke bei Masern noch größer als vermutet | BR24

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Die Deutschen sind noch impfmüder als vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt der Arzneimittelreport der Barmer Ersatzkasse. Bayern gehört demnach zu den Bundesländern, die besonders schlecht abschneiden.

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Impflücke bei Masern noch größer als vermutet

Die Deutschen sind noch impfmüder als vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt der Arzneimittelreport der Barmer Ersatzkasse. Nur 88,8 Prozent der Sechsjährigen haben demnach einen vollen Impfschutz gegen Masern - und Bayern schneidet noch schlechter ab.

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Die Impflücke in Deutschland ist noch größer als angenommen. Das ist das Ergebnis des Arzneimittelreports der Barmer Ersatzkasse. Nur 88,8 Prozent der sechsjährigen Kinder haben demnach einen vollständigen Impfschutz gegen Masern. In Bayern sind es sogar nur 86,6 Prozent.

Um eine Herdenimmunität gegen die Masern zu erreichen, müssten jedoch mindestens 95 Prozent geimpft sein. Erst dann wären auch die geschützt, die sich nicht impfen lassen können, zum Beispiel, weil sie krank oder noch zu jung dafür sind.

Robert Koch-Institut errechnet leicht höhere Quote

Das Robert Koch-Institut (RKI) kam zuletzt zu einem leicht höheren Ergebnis. Das liegt aber auch daran, dass im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen nur ein Teil der Kinder überhaupt erfasst wird, nämlich die, die einen Impfausweis vorlegen können - das waren 91,6 Prozent der Kinder. Von ihnen hatten zuletzt 92,8 Prozent einen vollständigen Impfschutz gegen Masern - ein Wert, von dem auch das RKI nicht annimmt, dass er von der Gesamtheit der Schulanfänger erreicht wird.

In einer ersten Reaktion auf die Zahlen der Barmer wies das Robert Koch-Institut darauf hin, dass es offen bleibe, "wie repräsentativ dieses Versichertenklientel für Deutschland ist". Das RKI nutze für seine kontinuierlichen Auswertungen unter anderem Sekundärdaten zu allen gesetzlich Versicherten, die ihm von allen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zur Verfügung gestellt werden, sowie Impfdaten, die nach dem Infektionsschutzgesetz von den Bundesländern aus den Schuleingangsuntersuchungen übermittelt werden.

Spahn will Impfpflicht gegen Masern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will, dass die Impfung gegen Masern verpflichtend wird. "Das ist sehr dringlich, gerade Masern sind erstens höchst ansteckend", sagt Spahn.

"Schon wenn einer im Raum hustet, können sich zehn Mitarbeiter anstecken. Und es kann einen sehr gefährlichen Verlauf nehmen. Bis hin eben zur Lungenentzündung, Gehirnentzündung, in seltenen Fällen – aber es kommt auch in Deutschland vor – bis zum Tod. Und es ist leicht vermeidbar." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Spahns Gesetzentwurf sieht vor, dass Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen, geimpft sein müssen. Gleiches gilt für Erzieher, Lehrer, medizinisches Personal und Asylbewerber, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Ansonsten sollen Bußgelder in Höhe von bis zu 2.500 Euro drohen.

Ethikrat ist gegen generelle Impfpflicht

Peter Dabrock, Professor am Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, geht eine generelle Impfplicht gegen Masern zu weit, er befürchtet sogar negative Auswirkungen.

"Das gut gemeinte Ziel mit der Brechstange verwirklichen zu wollen, wird nicht erfolgreich sein." Peter Dabrock, Vorsitzender Deutscher Ethikrat

Aus seiner Sicht bestehe sogar die Gefahr, die "gegenwärtig recht hohe Impfquote in Deutschland zu gefährden", so Dabrock. Der Deutsche Ethikrat empfiehlt mehr Beratung und Impfaktionen in Kitas und Schulen, damit die Impfquote besser wird. Solche Maßnahmen sieht auch der Gesetzentwurf Spahns vor, der im Juli vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Der Bundestag muss allerdings noch zustimmen, dann könnte die Masern-Impfpflicht im März 2020 in Kraft treten.

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Kleinkinder in Deutschland sind nicht ausreichend gegen Masern geimpft, so eine Studie der Barmer-Krankenkasse. Danach war jedes fünfte Kind, das 2015 geboren wurde, in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft.