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Immer wieder in Mode: Eine kleine Kulturgeschichte des Bartes | BR24

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Heute ist Internationaler Tag des Bartes. Die männliche Gesichtsbehaarung ist ziemlich wandelbar. Nicht nur optisch, sondern auch in ihrer Bedeutung. Diese hat sich im Laufe der Zeit oft verändert.

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Immer wieder in Mode: Eine kleine Kulturgeschichte des Bartes

Schnauzer, Oberlippenbart, Vollbart, Dreitagebart: Er ist ein Zeichen der Männlichkeit. Unvergessen die 80er Jahre und Tom Sellecks schwarzer Schnauzer. In der Geschichte spielt die Gesichtsbehaarung jedoch noch ganz andere Rollen.

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Viele Trends sind nicht von Dauer, aber der Bart kehrt verlässlich immer wieder zurück. Kein Wunder. Er lässt seinen Träger männlicher wirken und das Gesichtshaar kann bei Bedarf auch die eine oder andere Problemzone um Mund und Nase kaschieren. Darüber hinaus hat der Bart beziehungsweise seine Abwesenheit im Laufe der Geschichte aber noch ganz andere Funktionen erfüllt.

Bronzezeit

Männlicher Gesichtsbehaarung mit Klingen Herr zu werden ist eine Jahrtausende alte Tradition: Bereits in der Bronzezeit wurde Mann geschoren. Darauf weisen Rasiermesser hin, die Archäologen bei Ausgrabungen freigelegt haben. Ihr Fund ist eine Seltenheit. Deshalb wird angenommen, dass die Rasiermesser Familienoberhäuptern oder Personen aristokratischer Herkunft vorbehalten waren.

Altes Ägypten

Die Herrscher im alten Ägypten ließen sich glattrasieren, um dann einen künstlichen Zeremonialbart, auch osirischer Bart genannt, anzulegen. Er war eine Insignie und somit neben Krummstab und Geißel ein Symbol ihrer Macht.

Antike

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Büsten griechischer Philosophen wie Platon, Sokrates oder Demokrit die Herren mit üppiger Gesichtsbehaarung zeigen. Der Bart war wichtig. Er symbolisierte für sie unter anderem Würde und Weisheit.

Sokrates sah seinen Bart als eine stetige Erinnerung daran, sich in seinen Handlungen als würdig zu erweisen. Platons Zeitgenosse Alexander der Große war König von Makedonien und beherrschte das größte Reich in der Geschichte der Antike. Er tat es glattrasiert und brach so mit den damaligen Konventionen. Mit geschmeidigem Gesicht unterstrich er seine Jugend und wirke noch dynamischer, bereit für große Eroberungen. Der junge Feldherr ließ auch seine Soldaten für den Rachefeldzug gegen die Perser scheren. Er befürchtete, dass die Gegner seine Männer sonst an den Bärten packen und umbringen könnten.

Mittelalter

In Italien wurde dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. der Spitzname Barbarossa, auf Deutsch Rotbart, verliehen. Seine Gesichtsbehaarung ist bis heute im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert. Nicht zuletzt wegen seiner sagenumwobenen Statue im Kyffhäuser-Denkmal, deren Bart der Legende nach auch heute noch wächst. Sein Vorgänger Otto I. trug ebenfalls eine rote Pracht im Gesicht. Die Gebrüder Grimm verewigten den Herrscher in ihrer Sammlung deutscher Sagen. Was der strenge Otto "bei diesem Barte schwur", schrieben die Grimms, "machte er wahr und unabwendlich".

Zarenzeit

Zar Peter dem Große von Russland kam die Idee mit der Bartsteuer nach einer langen Westeuropa-Reise. Nach dem Vorbild von Ländern wie Deutschland, Italien und Österreich wollte der 26-jährige Monarch sein Land in verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Verwaltung und Kirche modernisieren. Rückständig waren für ihn auch die Bärte seiner Landsleute, denn in Westeuropa waren Wangenhaare seiner Zeit nicht en vogue. Deshalb verordnete er die Rasur per Gesetz. Wer sich nicht fügen wollte, musste eine Bartsteuer entrichten und bekam als Beleg eine Kupfermünze, auf welche die untere Hälfte eines bärtigen Gesichts geprägt war.

Revolution

Im Europa des 19. Jahrhundert war die Rasur noch immer Gang und Gebe. Der Philosoph und Ökonom Karl Marx nahm das zum Anlass für eine haarige Revolution: Der Vollbart wurde zum äußeren Zeichen seiner Unangepasstheit. Ein Jahr vor seinem Tod ließ er sich den Bart stutzen und verfasste danach keine weiteren Arbeiten mehr.

Auch wenn sie ideologisch nichts mit Marx am Hut hatten, kultivierten die Hippies der 1960er und -70er Jahre ebenfalls wilde Zottelbärte um sich abzugrenzen. Komplettiert mit langen Haaren folgten sie einer Ästhetik, die sich klar vom adretten Äußeren der Elterngeneration abgrenzte.

Mode

In den 1980ern wurde wieder gehegt und gepflegt. Der Schnurrbart ist wohl die bekannteste Bartmode dieses Jahrzehnts. Tom Selleck begeisterte als Serienheld Magnum Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt und machte den Schnauzbart zum Synonym für Männlichkeit.

Und heute? Gepaart mit Holzfäller-Hemd und Mütze hat der Vollbart dank der "Hipster" vor einigen Jahren ein großes Comeback gefeiert. Neben dem Vollbart lassen sich häufig der Dauerbrenner Dreitagebart und, das ist ein neueres Phänomen, Schnurrbärte bewundern. Unabhängig von der Form ist die Pflege wichtig. Mann kann seine Gesichtsbehaarung dieser Tage mit diversen Kämmen und Bartölen selbst umhegen oder in einem der vielen trendigen Barber Shops adrett in Form bringen lassen.

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