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Immer weniger Kinder können schwimmen | BR24

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Viele Kinder können nicht sicher schwimmen

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Immer weniger Kinder können schwimmen

Viele Badeunfälle passieren, weil Kinder nicht sicher schwimmen können. Eigentlich sollten sie das nach der Grundschulzeit können. Doch bei vielen ist das nicht der Fall. Dabei lernen sie die richtigen Bewegungen eigentlich spielerisch.

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Laut einer Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) können immer weniger Kinder sicher schwimmen. Nur noch 40 Prozent aller Kinder erreichen derzeit bis zum Abschluss der vierten Klasse das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Ende der 1980er-Jahre waren es noch mehr als 90 Prozent. Der sogenannte Freischwimmer gilt als Mindestvoraussetzung für sicheres Schwimmen.

Immer mehr Schwimmbäder machen zu

Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. Anfang 2018 gab es nach Angaben des Bauministeriums noch rund 860 Frei- und Hallenbäder in kommunaler Hand. Von denen sind nach Angaben der Kommunen 446 öffentliche Bäder sanierungsbedürftig oder dringend sanierungsbedürftig, 55 Schwimmbädern drohte die Schließung. Seit dem Jahr 2016 sind 18 öffentliche Schwimmbäder geschlossen worden, so die stellvertretende Pressesprecherin Corinna Korn vom Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Hinzu kommt, dass gerade in der Sommersaison oft Mangel an Bademeistern und Rettungsschwimmern herrscht und auch deshalb schon Bäder geschlossen blieben.

Fehlender Schwimmunterricht in Grundschulen

Viele Grundschulen bieten heutzutage weniger Schwimmkurse an als früher, schon vor dem Hintergrund, dass bereits 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad haben, so die DLRG. Wenn kein Schwimmbad erreichbar ist oder die Fahrtzeit unverhältnismäßig lang wäre, fällt der eigentlich im Lehrplan der Schulen vorgesehene Schwimmunterricht häufig aus. Manche Schulen verfügen auch nicht über genügend Lehrer mit der Berechtigung, Schwimmen zu unterrichten, wie der Bayerische Sportlehrerverband beklagt.

Deshalb fehlt vielen Kindern die Möglichkeit, frühzeitig die Grundlagen des Schwimmens zu erlernen. Kinder sollten nach Ansicht von Experten ab dem ersten Schuljahr Schwimmunterricht in der Schule bekommen. Im Grundschulalter ist die beste Zeit, um Schwimmen zu lernen, denn danach nimmt die Schwimmlernfähigkeit ab.

Schwimmen von klein auf

Was in den Schulen nicht geleistet werden kann, liegt in den Händen der Eltern. Für einen Kontakt mit dem Nass ist es eigentlich nie zu früh: Aus dem Mutterleib ist Babys das Element "Wasser" vertraut. Sportmediziner empfehlen deshalb bereits für Säuglinge ab drei Monaten einen Babyschwimmkurs. Dort können die Kleinsten vielfältige Bewegungserfahrungen im warmen Wasser machen und dabei das nasse Element und ihren eigenen Körper kennen lernen. Studien haben ergeben, dass Babyschwimmen den Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl dauerhaft verbessern kann. Auf eines sollten die Eltern aber achten: Ihre Kleinen könnten sich im Wasser eine Ohrenentzündung einfangen. Verhindern kann man das, indem man den Gehörgang des Babys nach dem Baden föhnt. Denn in trockenen Ohren können sich Bakterien nicht so leicht ansiedeln.

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Schwimmen von klein auf

Schwimmkurse für "Wasserflöhe"

Im Alter von etwa vier Jahren können und sollten Kinder schwimmen lernen. Das wussten schon die alten Griechen. Ihre Weisheit: "Töricht ist, wer weder lesen noch schwimmen kann." Tatsächlich ist das Erlernen der Bewegungsabläufe im Wasser ein wichtiger Aspekt in der Bildung und Entwicklung eines Kindes. Wer Geduld und Zeit mitbringt, kann es dem Nachwuchs selbst beibringen. Viele Kinder lernen aber besonders gern in einer Gruppe Gleichaltriger – hier sind Anfängerschwimmkurse sinnvoll.

"Seepferdchen" sind noch ungeübte Schwimmer

Auch wenn Kinder das Schwimmabzeichen "Seepferdchen" erworben haben, sollten sie nicht unbeaufsichtigt schwimmen gehen. Diese Kinder sind noch keine geübten Schwimmer, können ihre Kraft noch nicht richtig einschätzen und sollten daher zur Sicherheit weiterhin Schwimmflügel tragen, raten Experten. Erst Kinder mit dem Abzeichen "Bronze" bewegen sich sicherer im Wasser: Statt nur 25 Meter wie die "Seepferdchen" müssen sie für das Abzeichen schon 200 Meter schwimmen können.

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"Seepferdchen" sind noch ungeübte Schwimmer

Eltern aufgepasst: Kinder immer im Auge behalten

Oft gehen Badeunfälle tragisch aus. Nach Angaben der DLRG sind im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens 504 Menschen ertrunken. Das Bundesland Bayern war am stärksten betroffen: 89 Menschen ließen in bayerischen Gewässern ihr Leben. Unfallschwerpunkt Nummer eins waren dabei die unbewachten Gewässer. In Flüssen, Bächen, Gräben, Seen und Teichen ertranken 83 Menschen. In Schwimmbädern verloren mit sechs Badegästen vergleichsweise wenige ihr Leben.

Schwimmfähigkeit: Kinder lieber unter- als überschätzen

Aber auch, wenn es im Schwimmbad vergleichsweise sicher ist: Verlassen Sie sich nicht auf den Bademeister. Selbst im Schwimmbad liegt die Aufsichtspflicht zu 100 Prozent bei den Eltern. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder im Wasser immer im Auge behalten und mit diesen zusammen - zum Beispiel am ersten Urlaubstag - Hotel-Pools oder Strandanlagen testen. Eltern sollten ihren Kinder dann genau sagen, bis wohin sie schwimmen dürfen und von welchen Bereichen sie sich fernhalten sollten - zum Beispiel von Abflussrohren und Ansauganlagen in Schwimmbecken. Generell sollten Eltern die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder besser unter- als überschätzen und längere Strecken gemeinsam bestreiten.

Nichtschwimmer sind am Wasser in Gefahr

Kinder, die noch nicht schwimmen können, schweben am Wasser in ständiger Gefahr: Schnell sind Kleinkinder ins Wasser gesprungen oder größere Kinder mit der Luftmatratze hinaus auf den See oder das Meer getrieben. Auch harmlos erscheinende Bottiche, Regentonnen oder kleinere Teiche können für Kleinkinder eine tödliche Bedrohung sein.

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Kinder im Wasser niemals unbeaufsichtigt lassen

Schwimmhilfen sind kein zuverlässiger Schutz

Eltern sind am Wasser deshalb jede Sekunde gefordert. Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder Schwimmgürtel bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken, sie können zum Beispiel undicht sein und Luft verlieren. Aus einem Schwimmgürtel kann ein Kind herausrutschen. Von Wasserspielzeug wie aufblasbaren Ringen, Wassertieren oder Luftmatratzen gar nicht zu reden: Sie gaukeln Sicherheit vor, wo keine ist.

Wann Kinder wassersicher sind

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) weist darauf hin, dass Kinder erst dann richtig wassersicher sind, wenn sie ...

  • sich unter Wasser genauso gut zurecht finden wie über Wasser,
  • fünfzehn Minuten ohne Halt und Hilfen in tiefem Wasser schwimmen können,
  • auf dem Rücken genauso gut schwimmen wie auf dem Bauch,
  • mehrere Sprünge beherrschen,
  • Wasser schlucken und deswegen nicht anhalten müssen.
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Im heißen Supersommer 2018 ertranken in Deutschland mindestens 504 Menschen. Das waren etwa hundert mehr als im Jahr davor. Brisant in diesem Zusammenhang: Unsere Kinder können immer schlechter schwimmen.