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Immer weniger heimische Fischarten in bayerischen Gewässern | BR24

© picture alliance / Arco Images GmbH/ Fotograf: H. Frei

Äsche in einem Gewässer. Der Bestand dieser in Bayern einst häufigen Fischart ist in den vergangenen 30 Jahren massiv zurückgegangen.

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Immer weniger heimische Fischarten in bayerischen Gewässern

Heimische Fischarten wie die Äsche oder der Hasel sind in Bayerns Gewässern immer seltener zu finden. Sie werden von invasiven Arten verdrängt und sind sogar vom Aussterben bedroht. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einer Langzeitstudie.

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Ein Team der Technischen Universität München hat erstmals über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren Daten zu den Fischbeständen der in Bayern gelegenen Abschnitte der Donau, Elbe und des Mains analysiert. Was die Forscher dabei herausgefunden haben, ist alarmierend: Viele der einst in Bayern häufigen Fischarten gehen in ihren Beständen so massiv zurück, dass sie sogar vom Aussterben bedroht sind. Dagegen breiten sich hierzulande fremde Arten, sogenannte invasive Arten, wie die Regenbogenforelle, der Blaubandbärbling oder die Schwarzmeergrundeln, in bayerischen Gewässern immer mehr aus.

Vielfältige Ursachen für Wandel im Fischbestand

Schuld an diesem Wandel im Fischbestand sind nach Erkenntnis der Wissenschaftler mehrere Faktoren. So tragen sowohl die Verschlammung der Flüsse als auch die wegen des Klimawandels höheren Wassertemperaturen und die von Dämmen verbauten Gewässer maßgeblich dazu bei, dass die in Bayerns Gewässern heimischen Fischarten mehr und mehr verschwinden.

Den Tieren fehlt schlichtweg der Lebensraum, den sie zum Überleben brauchen. Viele der besonders gefährdeten Arten besitzen einen komplexen Lebenszyklus und sind in verschiedenen Lebensphasen auf spezielle Bedingungen angewiesen. "Liegen diese speziellen Bedingungen nicht mehr vor oder können die Tiere nicht zwischen Teillebensräumen wandern, dann bekommen sie Probleme", erklärt Melanie Müller, Autorin der Studie, die in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "Biological Conservation" veröffentlicht wurde.

Gründe für die Ausbreitung von invasiven Arten

Arten, die nur geringe Ansprüche an ihren Lebensraum haben, breiten sich dagegen immer weiter aus. Zu diesen sogenannten Generalisten gehören besonders viele gebietsfremde Fische wie die Regenbogenforelle und der Blaubandbärbling.

"Wenn wir in der Donau fischen, gehören 70 bis 80 Prozent der Fische zu Arten, die vor zehn Jahren noch nicht hier vorhanden waren." Jürgen Geist, Ordinarius am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der Technischen Universität München und Leiter der Studie

"Wir müssen uns künftig darauf einstellen, in immer mehr Gewässern neuartige Lebensgemeinschaften anzutreffen, die aus einer Mischung von Arten bestehen, die sich natürlicherweise nie begegnen würden", fügt der Münchner Wissenschaftler hinzu.

Maßnahmen gegen den Wandel

Nach Ansicht des Studienleiters Jürgen Geist könne die Veränderung im Ökosystem nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dennoch sei es wichtig, die Gewässer besser zu schützen und die ursprüngliche Natur sowie die Durchgängigkeit der Flüsse wieder herzustellen. Außerdem sollten Fische, die in die Flüsse eingesetzt werden, gezielter, am besten nach wissenschaftlicher Beurteilung, ausgewählt werden.

Nicht überall werden heimische Fischarten in Bayern verdrängt

Dr. Melanie Müller, Autorin der Studie, nennt auch positive Beispiele in Bayern. So sei die Pupplinger Au bei Wolfratshausen - ein Abschnitt der Isar - noch nie verbaut worden und dadurch Lebensraum für zahlreiche Wassertiere geblieben.

Auch gebe es viele Initiativen und Maßnahmen, die zum Schutz der Natur in den vergangenen Jahren ergriffen wurden. Müller verweist hier auf die Isar im Stadtgebiet München. Von 2000 bis 2011 wurde dort ein Bereich von acht Kilometern naturnah gestaltet.

Dennoch übt Müller auch Kritik. "Leider wird das oft sehr aus dem Bauchgefühl heraus gemacht, man macht einfach etwas, bei dem man davon ausgeht, dass das für den Fisch gut ist oder einfach im menschlichen Auge gut aussieht, schön natürlich aussieht. Das heißt aber nicht immer, dass das für die Gewässerlebewesen das optimalste ist," sagt die Biologin in einem Fernsehinterview gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

© Bayerischer Rundfunk

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