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Ernährung: Immer mehr Lebensmittelallergien | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Seit dem Jahr 2000 steigt die Zahl der Diagnosen von Lebensmittelallergien.

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Ernährung: Immer mehr Lebensmittelallergien

Der eine verträgt keine Haselnüsse, die andere kein Weizeneiweiß, ein dritter wiederum bekommt von Eiern Bauchschmerzen. Lebensmittelallergien sind weit verbreitet und nehmen seit dem Jahr 2000 stetig zu. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Etwa drei Prozent der Erwachsenen und vier bis sechs Prozent der Kinder sind von einer Lebensmittelallergie betroffen, doch viele von ihnen wissen davon gar nichts. Herkömmliche Allergietests können unauffällig sein, auch wenn eine Allergie vorliegt, oder es gibt schlicht gar keine Tests für bestimmte Allergien. Für die Betroffenen kann dieses Unwissen gefährlich werden, denn manchmal können schon kleinste Mengen an Hasel- oder Erdnüssen im Essen für Allergiker lebensbedrohlich sein.

Seit den 2000-er Jahren haben Lebensmittelallergien in Deutschland und weltweit zugenommen. So rückt das Geschehen im Darm immer mehr in den Fokus der Forschung. Er ist nicht nur unser Verdauungsorgan, sondern spielt auch in der Immunabwehr eine herausragende Rolle. Und weil Allergien daher kommen, dass das Immunsystem überreagiert, ist es naheliegend, dass auch Vorgänge im Darm dabei nicht außer Acht gelassen werden dürfen. So ist zum Beispiel bekannt, dass Fast-Food unser Immunsystem aggressiver macht, was zu Allergien führen kann. Welche Rolle der Darm bei Allergien aber genau spielt, ist noch unzureichend erforscht.

Übrigens dürfen Lebensmittelallergien nicht mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten verwechselt werden. Allergien können im schlimmsten Fall einen Schock auslösen, der lebensgefährlich ist.

Moderne Lebensmittel können Allergien begünstigen

Auch die Methoden, wie Lebensmittel heute industriell verarbeitet werden, stehen im Verdacht, Allergien auszulösen.

"Was bestimmt eine Rolle spielt, ist die Art und Weise, wie wir uns ernähren." Dr. Katja Nemat, Ärzteverband Deutscher Allergologen

Viele moderne Apfelsorten, die wir im Supermarkt finden, sind für Allergiker nicht geeignet.

Doch das allein wird nicht der Grund sein für die vielen Allergien. Die Experten sprechen von einem Zusammenspiel von Ursachen. So können auch Medikamente die Entstehung von allergischen Reaktionen begünstigen. Dazu kommt eine individuelle Empfindlichkeit, die durch die Gene bestimmt wird.

Manche Eltern wollen ihre Babys vor Lebensmitteln schützen, die bekannt dafür sind, Allergien auszulösen, wie Erdnüsse, Eier oder Milch. Die Allergologin Katja Nemat hält das nicht für zielführend.

"Das hat leider den gegenteiligen Effekt. Das Immunsystem muss gerade im Babyalter Toleranz erlernen." Dr. Katja Nemat, Ärzteverband Deutscher Allergologen

Was der Körper nicht kennt, bekämpft er

Eine großangelegte Studie aus den USA aus dem Jahr 2015 kam auch bei Erdnüssen zu diesem Schluss: Wenn Kinder erst sehr spät, also nach dem ersten Lebensjahr, Erdnüsse oder erdnusshaltige Produkte gegessen hatten, entwickelten sie häufiger eine Allergie. Die Forscher empfehlen nun, dass Kleinkinder schon ab dem sechsten Monat erdnusshaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen sollten. Gefährdete Kinder, die zum Beispiel schon eine Eier-Allergie haben, sogar noch früher.

Viele Allergien verschwinden einfach wieder

Bei den meisten Kindern wächst sich eine Lebensmittelallergie übrigens wieder aus. Das liegt daran, dass das Immunsystem ausreift und lernt, mit den allergenen Auslösern umzugehen. Bei Erwachsenen dagegen bleiben Lebensmittelallergien dagegen häufiger dauerhaft bestehen.

Heilen lässt sich eine Lebensmittelallergie nicht. Es gibt momentan in Deutschland keine Möglichkeit der Immuntherapie, einer sogenannten Hyposensibilisierung, wie man das von anderen Allergien wie Pollenallergien her kennt. In den USA immerhin ist seit vergangenem Herbst eine Therapie zugelassen, bei der Allergiker Pulver aus Erdnusseiweiß schlucken. So kann sich der Körper an das Allergen gewöhnen und lernen, darauf nicht mehr über zu reagieren.

Am 21. Juni ist in Deutschland der Lebensmittel-Allergietag.

© BR

Lässt sich vorhersagen, ob jemand eine Allergie entwickeln wird oder nicht? Nach heutigem Stand der Forschung tragen mehrere Faktoren zur Entstehung von allergischen Erkrankungen bei.