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Einen Ig-Nobelpreis 2018 gab's für die Erkenntnis, dass Achterbahnfahren Nierensteine lösen kann.

Mit dem nicht ganz ernst gemeinten Ig-Nobelpreis wurden schon zum 28. Mal kuriose Forschungsarbeiten belohnt, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen", wie die Jury schreibt. Der Name des Preises leitet sich vom englischen "ignoble" ab, was so viel wie "unwürdig" bedeutet.

Die Gewinner des Ig-Nobelpreises 2018

Die Auszeichnungen sollen das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren. Folgende Studien wurden deswegen belohnt:

Medizin: Wissenschaftler aus den USA bekamen den Ig-Nobelpreis für Medizin, weil sie untersucht haben, ob man Nierensteine schneller los wird, wenn man Achterbahn fährt. Auf die Idee gekommen sind David Wartinger und Marc Mitchell, weil ihnen ein Patient erzählte, er habe nach mehrmaligem Achterbahnfahren Nierensteine ausgeschieden.

Biologie: Forscher aus Deutschland, Schweden, Kolumbien, Frankreich und der Schweiz konnten nachweisen, dass Wein-Experten durch Riechen am Glas feststellen können, ob sich in ihrem Weinglas eine Fliege befindet.

Anthropologie: Wissenschaftler aus Deutschland, Schweden, Rumänien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Indonesien und Italien konnten zeigen, dass nicht nur Zoobesucher gerne die Schimpansen im Gehege nachmachen. Umgekehrt äffen auch die Schimpansen die Menschen nach, die sie anglotzen - und das erstaunlich oft und gut.

Wirtschaft: Forscher aus Kanada, China, Singapur und den USA erhielten den Preis in der Kategorie Wirtschaft für ihre Studie, ob es effektiv für Arbeitnehmer ist, den Ärger über Chefs an Voodoo-Puppen auszulassen. "Ja", sagt die Wissenschaftlerin Lindie Hanyu Liang. "Die Menschen fühlen sich viel besser danach, sie fühlen sich, als ob Gerechtigkeit wiederhergestellt worden ist." Die Forscherin nutzte die Gelegenheit, um sich bei ihrem früheren Chef zu bedanken: "Weil er mir alles darüber beigebracht hat, wie man mit übergriffigen Chefs umgeht."

Chemie: Wissenschaftler aus Portugal bekamen einen Ig-Nobelpreis, weil sie herausfanden, dass sich menschliche Spucke prima als Putzmittel eignet. "Ich weiß, es klingt unwahrscheinlich, aber menschliche Spucke ist wirklich ein gutes Putzmittel, zumindest für einige Oberflächen", sagte Forscherin Paula Romao.

Medizinische Bildung: Ein Wissenschaftler aus Japan wurde geehrt, weil er bei sich selbst eine Darmspiegelung im Sitzen durchgeführt hat.

Literatur: Forscher aus Australien, El Salvador und Großbritannien wurden mit dem Ig-Nobelpreis belohnt, weil sie nachgewiesen haben, dass die meisten Menschen, die komplizierte Produkte benutzen, die Gebrauchsanweisung dafür nicht lesen.

Ernährung: Ein Wissenschaftler aus Großbritannien wurde ausgezeichnet, weil er berechnete, dass die Kalorienaufnahme bei einer Ernährung, die ausschließlich aus Menschenfleisch besteht, deutlich geringer ausfällt als beim Verzehr von tierischem Fleisch.

Frieden: Forscher aus Spanien und Kolumbien analysierten die Häufigkeit, Motivation und Auswirkungen von Schreien und Fluchen beim Autofahren.

Fortpflanzungsmedizin: Wissenschaftler aus den USA, Japan, Saudi Arabien, Ägypten, Indien und Bangladesch benutzten Briefmarken, um eine Erektionsstörung zu diagnostizieren.

Langweilige Redner werden beim Ig-Nobelpreis ausgebuht

Die Gewinner bekamen ihren Preis bei einer skurrilen Gala mit rund 1.100 Zuschauern in der Nacht von Donnerstag auf Freitag: wertlose 10 Billionen Simbabwe-Dollar. Jeder Preisträger durfte eine Rede halten. Dauerte sie allerdings länger als 60 Sekunden, wurde er von einem achtjährigen Mädchen unerbittlich unterbrochen mit den Worten "Bitte aufhören, ich bin gelangweilt" in Endlosschleife. Papierflieger flogen durch die Luft, Sketche und bizarre Kurz-Opern erheiterten das Publikum zusätzlich.

Skurrile Ig-Nobelpreis-Gala mit echten Nobelpreisgewinnern

Die Ausgezeichneten dürfen sich jedes Jahr aber tatsächlich geehrt fühlen: Verliehen wird der Ig-Nobelpreis stets von tatsächlichen Nobelpreis-Gewinnern an der Elite-Universität Harvard in Cambridge. In diesem Jahr war zum Beispiel auch Wolfgang Ketterle dabei, der deutsche Physik-Nobelpreisträger von 2001.

Beim Ig-Nobelpreis gilt: Mehr Glück im nächsten Jahr

Moderator Marc Abrahams, der Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung, beendete die Gala mit den traditionellen Abschlussworten:

"Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!" Marc Abrahams