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Hype um Goji, Moringa & Co: Wie gesund sind Superfoods? | BR24

© dpa/Lev Radin

Nicht nur Stars schwören darauf: "Superfoods" werden mittlerweile in fast allen Supermärkten verkauft. Ihre Wirkung ist jedoch sehr umstritten.

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    Hype um Goji, Moringa & Co: Wie gesund sind Superfoods?

    Sie sollen schön, gesund und leistungsstark machen: Exotische Superfoods sind in aller Munde und längst in den Discountern angekommen. Was ist dran an der gesundheitsfördernden Wirkung von Goji-Beeren, Moringablattpulver oder der Mikroalge Spirulina?

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    Sogenannte Superfoods gelten aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte und sekundären Pflanzenstoffe als sehr gesund. Doch die Bezeichnung "Superfood“ ist kein geschützter Begriff, sondern eher ein Werbeversprechen der Anbieter, das suggeriert, dass in einem Lebensmittel ein hoher Anteil an Nährstoffen enthalten sei.

    Kaum wissenschaftliche Studien zu Superfood

    Bislang fehlen belastbare Studien, die die Wirksamkeit von Goji & Co belegen. "Es gibt Zelllinien-Untersuchungen und Tierstudien, aber keine Studien, die zeigen, dass diese Produkte auch bei Menschen wirksam sind“, sagt die Erlanger Ernährungsmedizinerin Professor Yurdagül Zopf im Interview. Den Superfood-Hype kann die Expertin nicht nachvollziehen, sie empfiehlt ihren Patientinnen und Patienten eine normale, gesunde und ausgewogene Ernährung.

    Was ist also von Produkten zu halten, deren Wirksamkeit noch schlecht erforscht ist, die zudem teuer sind und einen weiten Transportweg hinter sich haben?

    Goji-Beere – beliebte Zutat im Müsli

    Die aus China stammende Frucht gilt als Anti-Aging-Wunder. Stars wie Mick Jagger, Kate Moss, Madonna und Brooke Shields sollen unter anderem auf ihre antioxidative Wirkung schwören. Zudem sollen Goji-Beeren das Immunsystem stärken, bei Bluthochdruck oder Schlafproblemen helfen. Ihre Nährstoffdichte, schreibt ein Lifestyle-Magazin, mache die Beere zu einem "der besten Lebensmittel der Welt".

    Solche euphorischen Aussagen machen Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern skeptisch. Denn Goji-Beeren sind hoch verarbeitet und kommen meist getrocknet oder als Pulver auf den deutschen Markt. Durch die Verarbeitung gibt es hohe Nährstoffverluste, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin.

    Superfood: regional versus exotisch

    Vergleicht man das angebliche Superfood mit heimischen Alternativen, zeigt sich, dass es mit den Superlativen nicht so weit her ist. Beispielsweise enthalten 50 Gramm getrocknete Gojibeeren 95 Milligramm Kalzium, kaum mehr als gekochter Grünkohl. Eine rote Paprika hat hingegen rund dreimal so viel Vitamin C wie das Superfood, aber nur einen Bruchteil des Kaloriengehaltes. Denn 50 Gramm Gojibeeren enthalten auch stolze 26 Gramm Zucker. Hochwertiges pflanzliches Eiweiß liefern zum Beispiel auch Hülsenfrüchte, Maroni oder Brennnesseln.

    Vorsicht Wechselwirkungen!

    Für Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, ist der Verzehr von Goji-Beeren problematisch. Denn diese können den Effekt der Medikamente verstärken.

    Mikroalge Spirulina – eine B12-Quelle für Veganer?

    Spirulina ist eine Mikroalge der Gattung Cyanobakterien. Gepriesen wird sie für ihren hohen Chlorophyllgehalt und ihr gutes Eiweiß. Sie soll beim Abnehmen helfen, krebsvorbeugend sein und sie gilt als wertvolle B12-Quelle für Veganer.

    Tatsächlich ist das enthaltene Vitamin B12 größtenteils nicht für den Menschen nutzbar. Und auch das prinzipiell hochwertige Eiweiß ist aufgrund der geringen Tagesmengen nicht von Bedeutung, so Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale: "Die Nährstoffangaben sind immer auf 100 Gramm bezogen, und wenn ich aber die Tagesdosis von ein bis zwei Gramm sehe, dann sind das nur noch Spuren und das ist sicher nicht zur Nährstoffversorgung geeignet."

    Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat bislang auch keine der Spirulina zugesprochenen gesundheitsbezogenen Werbeaussagen oder Health Claims für wissenschaftlich nachvollziehbar befunden. Auf den Packungen darf deshalb nicht damit geworben werden.

    Moringa - oft mit Pestiziden belastet

    Die gemahlenen Blätter des tropischen Meerrettich-Baums Moringa gelten ebenfalls als nährstoffreiches Superfood. Doch auch hier mangelt es an verlässlichen Angaben. Versucht man im Internet etwas darüber herauszufinden, ist man schnell ratlos. Allein die Kalzium-Werte variieren zwischen knapp 300 und über 2.000 Milligramm pro 100 Gramm.

    Die Stuttgarter Lebensmittelaufsicht, die Superfoods regelmäßig untersucht, stellte in Moringablattpulver wiederholt hohe Schadstoffbelastungen fest. Im Jahr 2016 überschritten acht von elf untersuchten Proben eine oder mehrere Höchstmengen für Pestizide. Eine Probe enthielt gar Salmonellen und wurde als gesundheitsschädlich aus dem Verkehr gezogen.

    Fazit: Lieber zu regionalem Superfood greifen!

    Exotische Superfoods können für Abwechslung auf dem Speiseplan sorgen – aber sie haben etliche Nachteile. Meist zum Beispiel einen hohen Preis: Für 100 Gramm getrocknete Gojibeeren zahlt man rund 6 Euro, für Gojibeerenpulver sogar 16 Euro. Zudem belasten die weiten Transportwege die Umwelt und die oft nicht nach EU-Vorgaben praktizierten Anbaumethoden machen die exotischen Superfoods zu zweifelhaften Nährstofflieferanten. Die gute Nachricht: Es gibt für all das genügend heimische Alternativen, die eine gesunde und ausgewogene Ernährung sicherstellen.