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Hyalomma-Zecken hierzulande wohl noch nicht so gefährlich | BR24

© picture alliance/Fabian Sommer/dpa

Hyalomma-Zecken: keine Erreger von hämorrhagischem Fieber

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Hyalomma-Zecken hierzulande wohl noch nicht so gefährlich

Die tropische Hyalomma-Zecke ist in ihrer Heimat Überträgerin des gefährlichen hämorrhagischen Fiebers, das tödlich enden kann. In den nach Deutschland eingeschleppten Exemplaren konnte der Erreger bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden.

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Die tropische Zeckengattung Hyalomma ist eigentlich in wärmeren Regionen heimisch. Sie scheint sich aber auch in Deutschland immer wohler zu fühlen. Sie stammt ursprünglich aus Afrika, Asien und Südeuropa und kam wahrscheinlich mit Zugvögeln zu uns. Zu erkennen ist sie leicht: Mit bis zu zwei Zentimetern ist sie nahezu dreimal so groß wie ihr europäischer Verwandter - der gemeine Holzbock. Außerdem besitzt sie auffällig helle, braun-gelb gestreifte Beine.

Hyalomma-Zecke kann gefährliche Krankheiten übertragen

Die Hyalomma-Zecke ist nicht ungefährlich und gilt in ihrer Heimat als Überträgerin einiger Krankheitserreger. Dazu gehören die Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers. Die erwachsenen Zecken saugen Blut von großen Säugetieren wie Pferden. Aber auch Menschen sind potenzielle Wirte. Anders als europäische Zecken jagt die Hyalomma-Zecke aktiv und kann Warmblüter sogar über mehrere hundert Meter verfolgen.

Mithilfe der Bevölkerung: Zecken wurden eingeschickt

Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart verfolgen die Ausbreitung der invasiven Zeckenart, die 2018 erstmals in größerer Anzahl hierzulande nachgewiesen wurde und inzwischen vermutlich hier überwintern kann. 2019 baten sie die Menschen um ihre Mithilfe. Bei dem Fund einer verdächtigen, auffallend großen und gestreiften Zecke sollte sich der Finder oder die Finderin mit der Universität in Verbindung setzen und die Zecke einschicken. Die Zeckenforscher wollten herausfinden, wo und wie häufig die Hyalomma-Zecke in Deutschland zu finden ist, wie sie sich verbreitet und welche Gefahren möglicherweise von ihr ausgehen. Dieser Appell bezog sich neben der Hyalomma-Zecke auch auf die Braune Hundezecke - einer weiteren invasiven Art.

Braune Hundezecke - unauffällig und flink

Die Braune Hundezecke ist im hungrigen Zustand etwa drei Millimeter groß. Wenn sie vollgesogen ist, kommt das Weibchen auf zwölf Millimeter. Die Zecke mag Temperaturen um 25 Grad und wartet in kleinen steinigen Spalten darauf, dass sie einen Wirt befallen kann. Sie bevorzugt Hunde - in Ausnahmefällen aber auch Menschen. Das Fiese daran: Anders als andere Zecken fühlt sich die Braune Hundezecke in Wohnungen, eingeschleppt von Ihrem Vierbeiner, pudelwohl. Dort kann sie sich regelrecht zur Plage auswachsen. Ein Zeckenweibchen dieser Art kann bis zu 4.000 Eier ablegen. Das kann sich schnell innerhalb einiger Monate zu Tausenden von Zecken in der Wohnung aufsummieren.

Das Ergebnis ist - zumindest teilweise - bisher beruhigend

Nach Angaben der Hochschule bekamen die Forscher rund 3.500 Zecken zugeschickt, die sie eingehend untersuchten. Sie haben in keiner der in Deutschland gefundenen Hyalomma-Zecken Erreger der gefährlichen hämorrhagischen Fiebererkrankungen entdecken können. Allerdings ließen sich in 41 der Tiere Bakterien nachweisen, die eine Form des sogenannten Zecken-Fleckfiebers übertragen. Es handelt sich dabei um eine sehr schmerzhafte Erkrankung, die mit passenden Antibiotika aber gut zu behandeln ist.

Erneuter Aufruf: Bitte verdächtige Zecken einschicken

Die Experten wollen die Ausbreitung der neuen invasiven Zecken weiterhin untersuchen und bitten weiterhin um Mithilfe und um Einsendungen verdächtiger Exemplare. Dabei interessieren sie sich neben den Untersuchungen auf Krankheitserreger auch für andere Aspekte, etwa ob Hyalomma-Zecken inzwischen auch auf Rindern zu finden sind und ab welchem Zeitpunkt im Jahr sie auftauchen.

FSME-Fälle gingen 2019 zurück

Bereits vor einigen Tagen hatte die Hochschule ihre jährlichen Zahlen zur typischen Zeckenaktivität vorlegt. Demnach ging die Zahl der gemeldeten Fälle von Gehirnhautentzündungen im vergangenen Jahr zurück. Vor allem in Baden-Württemberg gab es weniger Erkrankungen mit der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). 2019 wurden in ganz Deutschland 462 Fälle gemeldet, im Jahr zuvor waren es insgesamt noch 607.

© BR

Die Hyalomma-Zecke lebt eigentlich in den Tropen und kann das Krim-Kongo-Fieber übertragen.