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Hyalomma-Zecke überwintert wohl erstmals in Deutschland | BR24

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Hyalomma-Zecke

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Hyalomma-Zecke überwintert wohl erstmals in Deutschland

Sie wird etwa dreimal so groß wie die bei uns üblichen Zeckenarten und überträgt gefährliche Krankheiten. Die Hyalomma-Zecke, die eigentlich in wärmeren Regionen heimisch ist, scheint sich auch in Deutschland immer wohler zu fühlen.

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Schon vergangenes Jahr hatten Zeckenforscher erstmals Hyalomma-Zecken in größerer Menge in Deutschland nachgewiesen. Nun schlagen Wissenschaftler Alarm: Erste Exemplare der tropischen Zeckenart, die gefährliche Krankheiten wie das Krim-Kongo-Virus und das Hämorrhagische Fieber übertragen können, könnten jetzt in Deutschland überwintert haben.

Sechs Hyalomma-Zecken in Deutschland nachgewiesen

So seien nach den jüngsten heißen Tagen gleich sechs der spinnenartigen Riesenzecken aufgetaucht, fünf davon auf einem Pferdehof am Niederrhein und eine auf einem Pferd in Niedersachsen, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr am 11. Juni 2019 mit.

"Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten." Ute Mackenstedt, Parasitologin der Universität Hohenheim und Zecken-Expertin

Früher Nachweis der Zecken spricht für Überwintern in Deutschland

Bislang kamen Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln nach Deutschland. Die diesjährigen Funde seien sehr früh gemeldet worden, heißt es in der Mitteilung der Wissenschaftler. Das ist wohl ein Indiz dafür, dass die Riesenzecken hier in Deutschland überwintert haben.

"Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten sie zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren." Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim

Überwintern heißt aber nicht heimisch sein

Überwintern bedeute aber nicht notwendigerweise, dass die Hyalomma-Zecke in Deutschland bereits heimisch geworden sei, erklärte die Forscherin. Damit sich eine Population entwickeln könne, müssten sich Männchen und Weibchen finden. Das sei bei geringer Populationsgröße schwierig, sagte Mackenstedt.

Heimat der Riesenzecken und ihre Gefahr

Zecken der Gattung Hyalomma sind ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas heimisch. Im eurasischen Raum gelten sie unter anderem als wichtige Überträger des Krim-Kongo-Virus und des Hämorrhagischen Fiebers. Die erwachsenen Zecken saugen Blut vor allem an großen Tieren, aber auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt. Anders als europäische Zecken jagt die Hyalomma-Zecke aktiv und kann Warmblüter sogar über mehrere hundert Meter verfolgen.

Bisher keine Infektionserreger bei Hyalomma-Zecken in Deutschland

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Berlin) sind Hyalomma-Zecken seit 2017 auch in Deutschland nachgewiesen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 19 Exemplare in acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) gefunden. Laut Institut trug keine dieser Zecken Infektionserreger wie zum Beispiel das Krim-Kongo-Virus in sich. Im Gegensatz zum gemeinen Holzbock - der bei uns gängigen Zeckenart - überträgt die Hyalomma-Zecke nicht Borreliose oder FSME.

2018 wurden zwei Arten der Gattung Hyalomma in Deutschland nachgewiesen: H. marginatum und H. rufipes. Um welche Zeckenarten es sich bei den jetzt entdeckten Tieren handelt, ist noch nicht abschließend geklärt.

© Bayerischer Rundfunk

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