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Haben die gefährlichen Riesenzecken den Winter überlebt? | BR24

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Hat die Hyalomma-Zecke den Winter überlebt?

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Haben die gefährlichen Riesenzecken den Winter überlebt?

Die Riesenzecke Hyalomma hat vergangenes Jahr für Alarm in Deutschland gesorgt. Sie ist fünfmal so groß wie die heimischen Zecken und überträgt gefährliche Krankheiten. Dieses Frühjahr wird es spannend: Haben die Riesenzecken den Winter überlebt?

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Der heiße und trockene Sommer 2018 war die Ursache, dass sich die Riesenzecken (Hyalomma marginatum), die eigentlich im Mittelmeerraum und in Nordafrika heimisch sind, auch bei uns wohl fühlten. Können Sie bei uns auf Dauer heimisch werden?

Riesenzecke kann tödliche Krankheiten übertragen

2018 waren es 60 Tiere, die an Forschungsinstitute in Deutschland eingeschickt wurden. In den fünf Jahren davor hat man bei uns gerade mal zwei der Tiere gefunden. Das Gefährliche an den Riesenzecken: Sie tragen Krankheiten in sich. Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München hat einige der Tiere, die vergangenes Jahr gefunden wurden, auf Krankheitserreger untersucht. Etwa die Hälfte waren Träger von Ricketsien, einer Erregerart, die ein Fleckfieber mit grippeähnlichen Symptomen auslösen. Man weiß aber, dass Hyalomma Viren mit sich tragen kann, die das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber auslösen – eine Krankheit, die mit dem gefürchteten Ebola vergleichbar ist.

"Die Letalitätsrate, also der Anteil der Leute, die, wenn sie erkranken, sterben, kann für das Krim Kongo hämorrhagische Fieber sehr hoch sein - bis zu 30 Prozent. Es gibt keine Impfung dagegen, es gibt auch keine wirksame, gute Therapie dagegen. Was noch dazu kommt: Dieses Virus kann auch im Krankenhaus über Blut und Blutprodukte übertragen werden." Dr. Gerhard Dobler, Institut für Mikrobiologie, Sanitätsakademie der Bundeswehr

Zugvögel bringen Riesenzecke nach Deutschland

Die Riesenzecke wird mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt. In ihrer Heimat lauert sie in Erdlöchern. Sobald die Zecken die Erschütterung durch ein sich näherndes Säugetier spüren, jagen sie bis zu hundert Meter auf ihr Opfer zu.

Die Riesenzecken befallen vor allem Pferde - bis jetzt

In Deutschland hat man Hyalomma deshalb vor allem an Pferden gefunden. Noch gibt es in diesem Jahr keine Berichte über Sichtungen der großen Zecke mit den auffälligen rot-weiß gestreiften Beinen. Aber wenn es bald wärmer wird, wird es spannend. Die erste Frage: Haben die Riesenzecken, die sich im vergangenen Extrem-Sommer bei uns entwickelt haben, den Winter überlebt? Und welche Bedingungen finden die Tiere, die jetzt mit den Zugvögeln bei uns ankommen? Die Riesenzecke gedeiht nur bei einer Luftfeuchtigkeit von unter 50 Prozent gut - dafür braucht es eine lange, heiße, trockene Periode.

"Wenn es einen normalen Sommer gibt, dann erwarten wir, dass sich keine Hyalommas, die eben über die Vögel jetzt im Frühjahr eingeschleppt werden aus dem Süden, entwickeln können, und dann wird es auch keine Häufung von Hyalomma-Zecken geben. Wir werden vielleicht jetzt einzelne Tiere finden, aber sicherlich nicht mehr in der Häufung wie im letzten Jahr." Dr. Gerhard Dobler, Institut für Mikrobiologie, Sanitätsakademie der Bundeswehr

Extreme Sommer gefallen den Riesenzecken

Allerdings: wenn der Klimawandel häufiger zu extrem heißen Sommern führt, könnte sich die Riesenzecke bei uns vermehren – und damit auch die Krankheitserreger, die sie in sich trägt. Es gibt also Grund, auf einen verregneten Sommer zu hoffen.