BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa/picture-alliance/Krick
Bildrechte: dpa/picture-alliance/Krick

Die neue EU-Ökoverordnung stellt sowohl Futtermittelhersteller als auch Geflügelhalter vor große Probleme.

1
Per Mail sharen

    Hühner richtig füttern – im Bio-Bereich eine Herausforderung

    Wenn die neue EU-Ökoverordnung kommt, muss Bio-Hühnerfutter zu 100 Prozent "bio" sein. Das ist gerade bei der Eiweiß-Versorgung nicht einfach. In Franken läuft ein Versuch mit Bio-Hirse. Sie könnte wertvolle Aminosäuren liefern.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Jutta Schilcher

    Bisher durfte Bio-Geflügel zu fünf Prozent mit Rohstoffen aus konventionellem Anbau gefüttert werden. Das war vor allem Mais- und Kartoffelklebereiweiß, beides wichtige Eiweißquellen.

    Wenn zum 1.1.2022 die neue EU-Ökoverordnung in Kraft tritt, muss das Bio-Hühnerfutter aber zu 100 Prozent bio sein. Nur für Jungtiere soll es Übergangsregelungen geben. Für Futtermittelhersteller und Geflügelhalter ist das ein großes Problem.

    Rispenhirse als Lösung für das Eiweiß-Problem?

    Der Anbauverband Naturland versucht es mit Hirse. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wird unter anderem in Unterfranken Rispenhirse angebaut. Das Ziel: Herauszufinden, welche Sorte für die Fütterung von Bio-Geflügel besonders gut geeignet ist. Rispenhirse liefert viel Methionin – eine wichtige Aminosäure in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung.

    Hühner stellen hohe Ansprüche ans Futter

    Bei einem Mangel an Methionin sinkt die Legeleistung, die Eierschalen werden dünn, die Hühner verlieren Federn oder fangen sogar an, sich gegenseitig zu picken. Hühner haben einen kurzen Darm und vertragen nur wenig faserreiches Raufutter. Sie brauchen vor allem hochwertiges Eiweiß.

    In der konventionellen Landwirtschaft werden auch synthetische Aminosäuren eingesetzt, doch das geht im Bio-Landbau nicht. Die Bio-Geflügelhalter probieren schon viel aus: Ölkuchen, Sesamkuchen, Sojakuchen, Dinkel, Nackthafer, Erbsen, Lupinen und eben Rispenhirse.

    Speise-Abfälle als Hühner-Futter verwenden

    Inga Günther ist Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht, einer gemeinnützigen GmbH. Für die Ökoverbände Bioland und Demeter züchtet sie Zweinutzungstiere. "Wir füttern die Tiere krank!", meint Günther.

    Sie hält die Hirse nur für einen Baustein, um das Futter-Problem zu lösen. Aber das werde nicht ausreichen. Ihr Vorschlag: Lebensmittelreste wie altes Brot aus Bäckereien an die Tiere verfüttern.

    Zudem seien Hühner keine Vegetarier, erklärt die Züchterin. Im Gegenteil: Sie könnten eigentlich alles fressen, was auf einem Hof anfällt. Die Geflügel-Expertin würde auch Schlachtnebenprodukte aus der Fleischerzeugung zu Geflügelfutter verarbeiten, das sei auch bei Hunde- und Katzenfutter erlaubt.

    Hohe rechtliche Hürden beim Tierfutter

    Freilandhühner fressen auch Regenwürmer und Insekten und privat gehaltenes Geflügel bekommt auch schon mal Lebensmittelreste hingeworfen. Aber Landwirten ist diese Form der Fütterung seit der BSE-Krise verboten. Er darf tatsächlich nicht einmal altes Brot an seine Tiere verfüttern. Die Folge: Gerade im konventionellen Bereich wird viel auf importiertes Soja gesetzt. In der Bio-Landwirtschaft soll genau das vermieden werden.

    Bisher keine Forschung zur Abfallverwertung im Futter

    Günthers Forderung: Zumindest mal in diese Richtung forschen. Denn wenn demnächst das Verbot des Küken töten komme, werden wohl mehr "Brüder" von Hochleistungs-Legehennen und Zweinutzungstiere aufgezogen. Und die brauchen alle Futter. Doch bisher habe das Bundeslandwirtschaftsministerium noch kein Forschungsvorhaben in diese Richtung unterstützt, sagt Inga Günther.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!