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Franz Schmid liest vor einer Hecke ein Buch
© BR / Sophie Menner

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Sophie Menner
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Franz Schmid liest vor einer Hecke ein Buch

Franz Schmid ist 31 Jahre alt. Seit sechs Jahren weiß er, dass sein Leiden, sein "Anderssein" einen Namen hat: Hochsensibilität. Was wie eine Krankheit klingt, ist allerdings eine Begabung oder gar ein Talent, das man sich durchaus zu nutzen machen kann. Bis man das erkannt hat, ist es allerdings oft ein mühsamer Weg.

Nach der Ausbildung die Depressionen

Leicht hatte es Franz Schmid nicht. Er machte eine Ausbildung zum Werkzeugbauer und fing an in München zu arbeiten. Fünf Jahre funktionierte es, bis es einfach nicht mehr ging. "Los ging es mit Schlafstörungen. Das ging dann über Wochen, irgendwann kamen dann Schwindelanfälle dazu, bis zu einem Gehörsturz", sagt er. Das habe sich dann zu Depressionen ausgewachsen. "Ich stand dann da, mit einem Werkzeug in der Hand und wusste nicht mehr, was ich machen soll." Das sei die schlimmste Phase seines Lebens gewesen.

Psychotherapie und Medikamente brachten keine Lösung. Erst der Tipp eines Freundes brachte Licht ins Dunkle. "Ein Bekannter hat mir das Buch 'Zartbesaitet' von Georg Parlow gegeben. Ich habe mich einfach in irrsinnig vielen Punkten, die im Buch beschrieben werden, wiedergefunden. Es war für mich eine Erleichterung zu erfahren, dass es anderen genauso geht und, dass das nicht nur ich bin", erzählt Franz.

Ein Fünftel aller Menschen sind hoch sensibel

Allein ist er mit Sicherheit nicht. Knapp 20 Prozent der Bevölkerung nehmen Sinneseindrücke verstärkt war. Bei Franz Schmid sind es vor allem Geräusche und Zugluft, denn Hochsensibilität, das ist eine spezielle Wahrnehmungsfähigkeit. Hochsensible Menschen nehmen Dinge oft feiner, differenzierter war, als andere. Ein kleiner Unterschied im Nervensystem sorgt dafür, dass dieses auch schon bei einer niedrigeren Reizschwelle angesprochen wird.

Welcher Reiz das ist, ist allerdings nicht bei jedem gleich, so die Dipl. Psychologin, Buchautorin und selber Hochsensible Petra Tomschi.

"Bei dem einen sind es wirklich die Ohren. Der ist dann geräuschempfindlicher. Es kann aber auch sein, dass man auf Medikamente empfindlicher reagiert. Es sind auch innere Gefühle, die man stärker wahrnimmt. Man muss sich das so vorstellen, wie ein Leben mit Verstärker oder besonders feinen Antennen." Petra Tomschi, Psychologin

Feine Antennen

Die feinen Antennen, findet man auch auf dem Cover von Tomschis Buch "Das Vielfühler-Buch“ wieder. Der Grashüpfer steht hierfür sinnbildlich.

Feine Antennen hat auch Franz Schmid. Er muss sie nur noch nutzen. Es lag Veränderung in der Luft und die kam prompt. Schmid kündigte seinen Beruf und begann Fotografie-Design zu studieren. Mittlerweile ist er im fünften Semester. "Der Vorteil für mich ist einfach, dass ich viele Feinheiten sehe. Bei der Architektur-Fotographie ist es so, da muss man sich mit dem Gebäude auseinandersetzten. Der Architekt hat sich dabei etwas gedacht, die Bewohner denken sich was dabei. Das übersehen andere vielleicht, aber ich fange das mit meinen Fotographien wieder ein."

Viele Hochsensible arbeiten in künstlerischen Berufen, denn auch die ästhetische Hochsensibilität ist ein Aspekt der Wahrnehmungsbegabung. "Das bedeutet einfach, dass jemand ein Gespür dafür hat, wann ist die Form richtig, wann hat etwas die richtige Harmonie oder die richtige Gestalt", erklärt Dipl. Psychologin Petra Tomschi. Und genau dieses Gespür verschafft oft einen großen Vorteil, nicht nur im Beruf.

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Sophie Menner

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Abendschau vom 11.10.2018 - 18:00 Uhr