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Bildrechte: Matthias Balk/dpa

An den langen Abenden im Lockdown haben viele Menschen ihre Liebe zu den Sternen entdeckt. Eigentlich würden die Hobby-Astronomen am heutigen Astronomietag in die Sternwarten strömen, doch wegen Corona geht das in diesem Jahr nicht.

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Hobby-Astronomen: Begeisterung für Sterne im Lockdown

An den langen Abenden im Lockdown haben viele Menschen ihre Liebe zu den Sternen entdeckt. Eigentlich würden die Hobby-Astronomen am heutigen Astronomietag in die Sternwarten strömen, doch wegen Corona geht das in diesem Jahr nicht.

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Von
  • Boris Berg

Himmelsspechter, Sternengucker und Galaxiefans aller Altersgruppen freuen sich auf den heutigen Astronomietag am 20. März. Seit 2003 bieten Sternwarten und Planetarien an diesem Tag zahlreiche Veranstaltungen und Live-Vorführungen - eigentlich. Jetzt, in der Pandemie, gibt es ein paar digitale Ersatzveranstaltungen, aber das analoge Gemeinschaftserlebnis ist aufgrund der hohen Infektionszahlen nicht möglich.

Astronomie boomt während der Corona-Krise

Die Astronomie aber boomt, gerade deswegen. Die unendlichen Weiten des Alls beschäftigen Sinne und Verstand. Die Sterne trösten oder sie lenken ab vom Pandemiefrust. Wer abends nicht fortgehen kann und keine Freunde empfangen darf, hat schließlich jede Menge Zeit. So gesehen überrascht es nicht, dass die Teleskop-Spezialisten Karl Kloß und Ina Stein kaum noch eine freie Minute für ihre große Leidenschaft haben, die Astronomie. Der Umsatz in ihrem kleinen, hoch spezialisierten Laden in Stockdorf bei München ist während dieser Wintersaison um das dreifache gestiegen. Normalerweise kaufen Eltern einfache Teleskope in der Preisklasse ab 130 Euro für ihre Söhne . Die andere typische Teleskop-Käufergruppe bilden normalerweise Neurentner, die plötzlich viel Freizeit haben, erzählt Ina Stein. "Es ist sehr auffällig, dass wir jetzt Käufer aus allen Altersschichten haben, gerade auch Berufstätige, sogar Manager, Menschen aus allen Berufsschichten. Und das ist anders als früher."

Run auf Teleskope

Während einfache Teleskope vor allem geeignet sind, um die Krater auf dem Mond zu zählen, muss man schon rund 500 Euro ausgeben, um die Milchstraße zu erforschen. Nach oben gibt es preislich eigentlich keine Grenze, aber mit gut 5.000 Euro könne man sich schon in die Luxusklasse der Hobby-Astronomie einkaufen, erzählt Stein. Sie selbst hat durch eines der teuersten Teleskope überhaupt zu Astronomie gefunden. 1993 war das, als das Weltraumteleskop Hubble zum ersten Mal scharfe Bilder aus dem All auf die Erde funkte. Diese Aufnahmen haben die Neugierde der Wirtschaftsinformatikerin geweckt. "Es ist total spannend, sich vorzustellen, dass alles da draußen aus einem Punkt gekommen ist, wenn die Big Bang Theorie stimmt."

Spannendes Hobby

Neben ihrem wissenschaftlichen Interesse am Universum aber zählt sich Stein zu den Genießern unter den Hobby-Astronomen.

"Wenn man nachts da draußen sitzt, allein oder zu zweit, in der Natur, es ist still, und sich dann dieser Faszination hinzugeben, das sieht man was, da entdeckt man was. Das ist schon sehr spannend.“ Hobby-Astronomin Ina Stein

Astro-Fotografie: "Eine andere Welt"

Viele Ihrer Kunden aber wollen diese Eindrücke auch selbst festhalten. Es sind die sogenannten Astro-Fotografen. Zu denen zählt auch Nils Emig aus Erlangen. Der 16-jährige Schüler hat sich gerade erst vor zwei Monaten seine erste ernstzunehmende Sterngucker-Ausrüstung gekauft. 2.000 Euro hat er von seinem Ersparten dafür hingeblättert. Es gibt ja sonst gerade nicht soviel Gelegenheiten, Geld auszugeben. Die langen Abende im Lockdown sind dem Zehntklässler langweilig geworden. Ein Freund hat ihn schließlich auf die Idee gebracht, seine fotografischen Neigung doch in den Himmel zu richten, erzählt er.

"Und wenn ich jetzt hier in die Sterne guck', dann hab' ich unendlich viele Möglichkeiten, was ich alles fotografieren kann. Das ist einfach eine ganz andere Welt, die sich mir da eröffnet hat." Astro-Fotograf Nils Emig.

Um gute Fotos zu machen, hat der 16-Jährige jetzt ein sehr solides Stativ samt Nachführeinrichtung, die per Computer die Positionen seiner Lieblingsgalaxien anfährt, wenn das Teleskop millimetergenau ausgerichtet ist. Kleinste Abweichungen im Garten seines Elternhauses in Erlangen führen dazu, dass das Teleskop sich völlig zwischen den bis zu 20.000 Lichtjahre entfernten Astroobjekten verirrt. Deswegen baut Nils Emig seine Ausrüstung gerne schon am Nachmittag bei Tageslicht auf. Natürlich nur, wenn die Wettervorhersage einen sternenklaren Himmel verspricht.

Stolz auf Sternenbilder

Dann richtet er sein Fernrohr stundenlang auf Objekte wie den Orionnebel oder die Feuerradgalaxie. Sein Fotoapparat speichert ein Bild nach dem anderen. Am Computer werden die Einzelaufnahmen zusammengesetzt und ergeben die Bilder, auf die Nils so stolz ist. "Viele Leute sagen mir immer wieder, dass es doch im Internet so viele tolle Aufnahmen von den superteuren Weltallteleskopen wie Hubble gibt. Und ja, klar, mit diesen Aufnahmen kann ich nicht mithalten. Aber es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man das selber fotografiert hat, selber bearbeitet und Schritt für Schritt selber macht und und dann bin ich halt auch stolz drauf, dass ich sowas fotografiert habe."

Der Vorteil: auch an den vielen bewölkten Abenden hat Nils seine Fotos, die seine Gedanken in die Weite lenken. Und dabei kommt ihm immer wieder auch der Gedanke, ob wir Erdlinge wirklich ganz allein im All sind. Irgendetwas muss da draußen doch sein!

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