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Hightech in der Landwirtschaft: Roboter auf dem Acker | BR24

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Melk-, Fütterungs- und Entmistungsroboter im Stall gibt es schon längst. Aber Landwirtschafts-Experten sind überzeugt: Auch auf dem Acker und im Gewächshaus werden sie Standard werden.

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Hightech in der Landwirtschaft: Roboter auf dem Acker

Melk-, Fütterungs- und Entmistungsroboter im Stall gibt es schon längst. Aber Landwirtschafts-Experten sind überzeugt: Auch auf dem Acker und im Gewächshaus werden Roboter Standard werden.

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Beat Vinzent von der Arbeitsgruppe Digital Farming an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Ruhstorf ist sich sicher: Roboter sind die Zukunft. Vor allem im Gartenbau, bei Sonderkulturen und im Öko-Zuckerrübenbau zum Unkraut hacken.

Es gibt bereits serienreife Roboter, die säen können. Das Verblüffende: Obwohl so ein Roboter sehr langsam fährt, kann er bis zu 20 Hektar bearbeiten. Das Praktische: Der Roboter merkt sich, wohin genau er jedes Saatkorn abgelegt hat und kann dann dazwischen das Unkraut eliminieren. Ohne Chemie. In der Fachsprache heißt das "herbizidfreie Beikrautregulierung".

Rechnen sich Roboter?

Zwar kostet ein Roboter, je nach Größe und Modell zwischen 30.000 und 100.000 Euro plus Steuern, doch das ist langfristig kostengünstiger als Saisonarbeitskräfte. Zudem werden die digitalen Helfer vom Staat gefördert. Seit September 2018 gibt es in Bayern das 1.000-Feldroboter-Programm.

Bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten können gefördert werden. Nach Auskunft des bayerischen Landwirtschaftsministeriums wurden bisher aber erst für neun Roboter Anträge gestellt und genehmigt.

Wer hat die Nase vorn?

Mehrere Landtechnikhersteller wollen den Markt erobern. Die französische Firma Naio und die dänischen Hersteller Agrointelli und Farmdroid bieten bereits serienreife Modelle an.

Bei Fendt in Marktoberdorf tüftelt man seit Jahren an einem Roboter namens Xaver. Bereits 2017 hat man die erste Generation dieses Feldroboters der Öffentlichkeit vorgestellt, einen nicht serienreifen Prototyp.

Mittlerweile gibt es die dritte Generation, die völlig anders aussieht und andere Dinge kann als die erste Generation. Aber, so Pressesprecherin Manja Morawitz von Fendt: "Alles ist geheim, es gibt weder Fotos noch Infos. Die Roboter sind immer noch in der Entwicklung und wann sie auf den Markt kommen, ist offen."

Roboter statt Traktoren?

Roboter sind im Gegensatz zu Traktoren so klein, dass das Thema Bodenverdichtung keine Rolle mehr spielt. Auch die Energie- und Ökobilanz ist deutlich besser als bei Großmaschinen.

Allerdings werden durch die digitalen Helfer am Acker Arbeitsplätze verloren gehen. Ein Trend, den es jedoch seit der Mechanisierung in der Landwirtschaft gibt. Aber Roboter werden nicht alles können: Schwere Bodenbearbeitung wie Pflügen, Getreide dreschen oder Mais häckseln und die Ernte transportieren, dafür wird man auch in Zukunft große Landmaschinen brauchen.

In England allerdings gibt es ein Projekt mit dem Namen "Hands free hectare": kleine Mähdrescher-Roboter ernten Getreide.

Auch Start-ups haben Interesse

Im digitalen Gründerzentrum brigk In Ingolstadt kann im sogenannten Makerspace, einer offenen High-Tech-Werkstatt, jedermann für eine Tages-, Monats- oder Jahres-Pauschale "basteln": zum Beispiel am Projekt FarmBot. Der FarmBot ist ein intelligenter Roboter, der auf ein Hochbeet montiert wird und dort vollautomatisiert die Arbeit des Gärtners übernimmt.

Vor ein paar Tagen haben Projektmitarbeiter Michael Buthut und sein Team den FarmBot aus dem Winterschlaf geholt. Nach drei Monaten Pause muss er für die neue Saison wieder angeschlossen werden. Eingerostet ist er nicht im kalten Gewächshaus, aber er quietscht. "Durch den Winter ist alles sehr festgezogen. Das Metall schwingt. Das wollen wir optimieren, dass es schwingungsgedämpfter ist, dass er leiser ist", erklärt Buthut.

Der erste Arbeitsschritt funktioniert: Saatkörner aufnehmen. Und wenn es wärmer ist, gießt, sät, düngt und jätet er fast geräuschlos.

FarmBot: Den Bauplan gibt's im Internet

Hard- und Software für den FarmBot kommen aus Kalifornien. Das Besondere: Software und Bauplan gibt es im Internet – kostenlos für jedermann. Allerdings: man braucht dazu rund 1.100 Einzelteile.

Die Alternative: einen fertigen FarmBot bestellen, für 2.000 bis 6.000 Euro - je nach Modell. Das Ingolstädter Team hat einen Gebrauchten gekauft, über 1.000 Arbeitsstunden investiert und den FarmBot programmiert: wann er im Hochbeet wo säen und wie viel er gießen muss.

Im Team ist auch Georg Passig von der Technischen Hochschule Ingolstadt. Er hat einen eigenen kleinen FarmBot zu Hause. "Aus der landwirtschaftlichen Perspektive betrachtet ist das ein Spielzeug. Der FarmBot ermöglicht noch keine effiziente Nahrungsmittelproduktion. Aber es bewegt sich was", sagt Passig.

Beat Vinzent von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft will in Ruhstorf im April den FarmBot im Freiland testen. Er soll sechs Reihen Zuckerrüben säen.

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