BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Herzinfarkt vorhersagen? Forscher berechnen die Risiken | BR24

© BR/Daniela Remus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todes­ursache in allen Industriestaaten. Laut einer neuen Studie ist das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich höher, wenn jemand schon in jungen Jahren einen erhöhten Cholesterinspiegel hatte.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Herzinfarkt vorhersagen? Forscher berechnen die Risiken

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todes­ursache in allen Industriestaaten. Laut einer neuen Studie ist das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich höher, wenn jemand schon in jungen Jahren einen erhöhten Cholesterinspiegel hatte.

Per Mail sharen

Wer schon mit Mitte 30 oder Anfang 40 zu viel Cholesterin im Blut hat, dessen Langzeitrisiko steigt, später einen Herzinfarkt zu bekommen. Sogar dann, wenn der Wert nur leicht erhöht ist, sagt Prof. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Univ­ersitären Herz- und Gefäßzentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

"Wenn ich zum Beispiel mit 40 Jahren meinen Blutfettwert messe, habe ich durchaus eine Information darüber, wie sich das ganze mit 70 oder 75 Jahren auswirken kann, wenn ich alles so belasse, wie es ist." Prof. Stefan Blankenberg, UKE

"Schlechtes" Cholesterin verstopft die Blutgefäße

Bisher haben Medizinerinnen und Mediziner vor allem die Cho­les­­terin- oder Blut­fettwerte von älteren und alten Menschen im Blick ge­habt. Denn sie gingen davon aus, dass sich eine schwere Herz-Kreislauf-Er­kran­kung maximal innerhalb eines Jahrzehnts aufbaut. Durch eine jetzt veröf­fent­lichte Studie muss dieser Ansatz aber revidiert werden. Zu­min­dest dann, wenn es sich dabei um das "schlechte" Cho­les­te­rin handelt. Das ist genetisch be­dingt, vermehrt sich durch einen ungesunden Lebenswandel und verstopft langfristig die Blutgefäße.

"Um das Risiko möglichst valide und dann auch individuell berechnen zu können, braucht man eine große Datenlage, und da haben wir aus Europa, Australien und Nordamerika Studien­teil­neh­mer von den verschiedenen Forschungseinrichtungen ak­quiriert - eine gewaltige Datenmenge." Dr. Christoph Waldeyer, Kardiologe und Leiter der Studie

Die Ergebnisse der inter­na­­­­tionalen Beobachtungsstudie mit rund 400.000 Teilnehmern sind eindeutig, so Studienleiter Waldeyer: Je höher das "schlechte" Cholesterin, desto höher wird nach und nach das Langzeitrisiko für Herzkreislauferkrankungen.

Um bis zu ein Drittel höheres Risiko

Schon ein leichte Überschreitung des Cholesterin-Normwerts im jungen oder mitt­le­ren Lebensalter, kann das Infarktrisiko deutl­ich erhöhen. Kommen dann noch weitere Risiko­faktoren wie Rauchen, Über­gewicht oder Diabetes dazu, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine der­artige Er­kran­­­kung auf fast 30 Prozent im Vergleich zu einem Nicht-Risiko-Patienten. Deshalb fordert Kardiologe Stefan Blan­kenberg mehr Aufklärung:

"Die Schlüsselfrage ist, die jetzt rauf und runter diskutiert wird: Muss ich eventuell im zarten Alter von 40 oder schon 35 überlegen, ob ich einen LDL-Cholesterinwert von 130 oder 135, den der Hausarzt nie behandeln würde, nicht eventuell doch schon angehen soll, um dann mein Risiko mit 75 zu erniedrigen?" Dr. Christoph Waldeyer, Kardiologe und Leiter der Studie

Forscher arbeiten an Risiko-Kalkulator

Die Studie sorgt seit ihrem Erscheinen für Furore bei den For­scherin­nen und Forschern weltweit. Denn sie ist valide, also sicher und seriös. Und sie enthält Musterberechnungen, wie stark sich das Herzinfarkt-Risiko reduzieren lässt, wenn bereits im jungen oder mittleren Lebensalter der Cholesterinwert ge­senkt wird. Sowohl als statistische Wahr­schein­lichkeit, als auch als individuelles Risiko.

Die Hamburger Forscher arbeiten jetzt an einen Risiko-Kalkulator, mit dem es in Zukunft leichter sein soll, zu entscheiden, wie mit dem erhöhten Cholesterinspiegel von Fall zu Fall umzugehen ist.